Das gesellschaftliche Leben - Zwischen Empathie und Egoismus

Der Mensch ist ein Selbsterhaltungstier, über Jahrhunderte hinweg musste sich der Mensch beweisen und um seine Existenzen kämpfen. Auch in der Natur heißt es "der Stärkere überlebt", welches auf den Darwinismus zurückgeht. Dieses Faktum hört sich zunächst ungerecht oder gar naiv an, aber daraus entstand ein Konkurrenzverhalten, das so wichtig für das Überleben unserer Spezies ist. Aber auch die Empathie, das Einfühlvermögen gegenüber anderen, war und ist bedeutungstragend für die Evolution und für die Persönlichkeitsentwicklung innerhalb einer Gruppe. Das friedliche Miteinander kann nur mit Empathie gesichert werden. Dem Egoismus steht somit der Altruismus, die Selbstlosigkeit, entgegen und ist in Gruppenkonstellationen nicht wegzudenken. Nicht nur die Bibel predigt uns, dass das Geben uns zu glücklicheren, besseren Menschen macht, sondern auch die Sozialforschung bestätigt diese These. Man soll anderen die Chance geben, zu geben. Sonst wird man schnell in die Schublade des Egoisten gesteckt, der anderen Menschen hindert zu geben und ihnen somit am glücklich sein hindert. Rücksichtnahme und Toleranz sind weitere Begriffe, die mit dem Altruismus einhergehen.

Altruismus vs. Egoismus ist immer ein aktuelles Thema in unserer Gesellschaft, dabei werden diese Begriffe von Gesellschaft zu Gesellschaft, ja von Ethnie zu Ethnie anders aufgenommen und verstanden. Auch hier bedürfen es an Empathie und Wille, eine andere Kultur verstehen zu wollen. Das lebenswichtige Konkurrenzverhalten soll dabei aufrechterhalten bleiben, um für sich und seine Gesellschaft einen befriedigenden Lebensstandart zu sichern. Dabei kann es sich um einen Egoismus handeln, der bis in die Sphären der Politik oder Vertreter einer Institution, die für die Interessen vieler anderer eintreten, greifen – den Nationalen Egoismus. Wichtig dabei ist eine Ausgewogenheit zwischen Empathie, Altruismus, und Egoismus. Denn wie sich zeigen soll, ist ein krankhafter Egoismus alles andere als wohltuend für sich und für andere.

Charles Darwin - Schaffer der Evolutionstheorie (Bild: comingstobrazil / Flickr)

Das unglückliche Leben eines Egoisten

Viele Egoisten tun sich nicht schwer, andere zu verletzen. Dabei sind es Handlungen, die dem Egoisten zur Verwirklichung eines höheren Ziels dienen und gleichzeitig andere Menschen entweder beiseite stellen, verletzten oder ausnutzen. Das kann zur Abwendung des sozialen Umfeldes führen, worunter der Egoist letztendlich auch leiden kann. Oft wird diese Abwendung in Kauf genommen, solange das Ziel erreicht wird. Dieser ungesunde Egoismus kratzt an den uns eingebrannten Moralvorstellungen und wird vom Egoisten als Bruch einer Moral gar nicht aufgefasst. Das ist auf die Minderwertigkeitskomplexe, die dieser Mensch zunehmest hat, zurückzuführen. Seine Rücksichtslosigkeit ist eine logische Konsequenz, um seinen Komplexen zu entrinnen. Das zeigt sich auch darin, dass er über ein geringes solideres Verhalten aufbringt, kein Teamplayer ist und oft kritisiert, aber selbst nicht kritikfähig ist. Fähigkeiten, die vor allem im Beruf, wo kollegiales Verhalten vorausgesetzt wird, ein Hindernis sind. Egoisten schlagen oft die sogenannte "Ellenbogenkariere" ein: Sie kämpfen sich durch, ohne Rücksicht auf Verluste und auf seine Mitmenschen. Das führt bis zu einem gewissen Punkt zum Erfolg und sichert gleichzeitig eine finanzielle Absicherung, kann aber im schlimmsten Fall zu einem Burnout führen, wenn der Druck auf dem Ego zu groß geworden ist.

Das Glück ein Egoist zu sein

Der Egoismus führt nicht zwangsläufig zu einem tragischen Ende inmitten sozialer Isolation, Ignoranz oder gesundheitlichen Schäden. Im Gegenteil: Eine Portion Egoismus ist sogar gesund. Dieser Widerspruch wird aufgelöst, indem man sich bewusst macht, dass man nur als Egoist anderen helfen kann. Nur wenn man auf sich selbst hört, an sich selbst denkt, ist man in der Lage anderen auf den richtigen Weg zu führen. Zwei Ertrinkende können sich nicht alleine ins Rettungsboot hissen. Oft ziehen durch egoistisches Verhalten einem anderen gegenüber beide Parteien einen gegenseitigen Nutzen, z.B. bei Diskussionen, wenn einer nachgibt, um die Diskussion nicht eskalieren zu lassen und für eine positive Stimmung sorgen will. Die Gradlinigkeit und die Zielgerichtetheit eines Egoisten sind außerdem Charakterzüge, die keineswegs negativ sind, da sie einem helfen im Alltag zurechtzukommen. Auch in der Arbeitswelt lohnt es sich für einen gesunden Egoismus mal Nein sagen zu können. Nicht immer kann man zu jedem Kollegen Ja sagen, da man seine eigenen Prioritäten verfolgen sollte. Somit können Egoisten auch als Vorbilder fungieren, die nicht nur sich selbst weiterbringen, sondern von denen andere auch profitieren können.

Fazit

Jeder findet in sich egoistische Züge, das ist gar nicht zu vermeiden und auch nicht zu verleugnen. Solange man mit sich im Reinen ist, kann man diesen Zügen nachgeben, denn nur so kann man andere zu deren Wohl verhelfen. Doch sollte man seine Taten stets überdenken, denn oft ist die Grenze zwischen gesunden und ungesunden Egoismus hauchdünn. Es wird immer Menschen geben, die dem ungesunden Egoismus unterlegen sind, Menschen, die in ihrer Art schwer zu ändern sind, da dieser Charakterzug viel zu tief in der Psyche des Menschen verankert ist. Denn wie Falco einst sang: "Du musst mir schon verzeihen, aber ich liebe mich."

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