Rechner heute (Bild: Schwehn)

Der erste programmierbare Rechner hieß Z3

 Konrad Zuse hatte in Berlin Bauingenieurwesen studiert. Dabei trieb ihn der Gedanke um, immer wiederkehrende Rechenvorgänge von einer Maschine ausführen zu lassen. Folgerichtig bastelte er schon im Jahr 1938 einen ersten mechanischen Rechner, Z1 genannt. Die Bastelei ging weiter. Und im Jahr 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, entwickelte Zuse zusammen mit Freunden im Wohnzimmer der Eltern aus Altmaterial den ersten elektronischen, programmierbaren Rechner der Welt, den Z3. Wohl wissend, dass seine Erfindung eine Woche Rechenarbeit eines ganzen Planungsbüros binnen weniger Stunden erledigen konnte, machte er angesichts der politisch-militärischen Umstände im NS-Deutschland seine Arbeit nicht publik. Das gebaute Exemplar wurde im Krieg zerstört – ein rekonstruiertes Modell ist im Deutschen Museum in München zu sehen.

 Auch die erste Programmiersprache stammt von Zuse

 Mit dem Z3 war die Arbeit aber längst nicht zu Ende: Ein Nachfolgemodel, Z4, entstand in den letzten Kriegstagen, wurde aus Berlin geschmuggelt und im Allgäu – unentdeckt von den kriegführenden Parteien – versteckt. Dieses Modell überdauerte die Kapitulation des Deutschen Reiches und ging im Jahr 1949 an die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich. In den Jahren 1945/46 hatte Zuse zusätzlich mit dem "Plankalkül" die erste höhere Programmsprache entwickelt. Und im Jahr 1949 gründete er die erste Computerfirma in Deutschland. Hier wurde auch der erste Plotter mit der Bezeichnung Z64 gebaut.

 Maler mit dem Pseudonym Kuno See

 Der Erfinder blieb im Erfolg stets bescheiden. Es habe viele neben ihm gebraucht, um den Computer, wie er heute bekannt ist, zu entwickeln, war stets seine leicht abwehrende Reaktion auf zu viel Lob. Der Computer war ihm auch nicht alles. In seiner Freizeit malte er gern; seine Werke nahmen an vielen Ausstellungen teil – und etliche wirken so wie Computerbilder des 21. Jahrhunderts. Die Bilder signierte er mit dem Pseudonym Kuno See. Und zur Abwechslung baute er zwischendurch auch mal einen Windturm zur optimalen Ausnutzung der Windenergie. Den PC-Boom in aller Welt hat er nicht mehr erlebt: Zuse starb am 18. Dezember 1995. Verewigt worden ist er in der Berliner "Strasse der Erinnerungen" in der Reihe "Helden ohne Degen".

 Zuse als Künstler 

Schon während seiner Jugendzeit hatte Zuse ein Talent, seine Visionen auch in künstlerischer Form auf Papier zu bringen. "Ich habe zwar kein Kunststudium, aber ein Informatikstudium habe ich auch nicht," sagte er über sich selbst. Seine Ölgemälde, Kreidezeichnungen und Linolschnitte signierte er zeitweise mit dem Pseudonym Kuno See. Ein Großteil des künstlerischen Nachlasses befindet sich in der Staatlichen Grafischen Sammlung München. Einige Werke sind im Hünfelder Konrad-Zuse-Museum und im Astronomisch-Physikalischen Kabinett in Kassel ausgestellt. Anlässlich des einhundertsten Geburtstages Zuses zeigte das Weiterbildungsinstitut (WbI) in Oberhausen eine Ausstellung von mehr als 130 Werken von Zuse. 2012 wurden im Rahmen der documenta 13 in Kassel Bilder von Konrad Zuse ausgestellt.

 

 

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