Ein Jagd-Flugboot mit Anforderung aus der Kriegszeit

Die Gruppe der Wasserflugzeuge, dazu gehören Schwimmerflugzeuge, Flugboote und Amphibien, wurde nach dem letzten großen Krieg so gut wie nicht mehr gebraucht und entwickelte sich zu einer aussterbenden Gattung. Nur in sehr wasserreichen Gebieten unseres Erdballs werden sie noch heute vielfältig zivil genutzt.

Das britische Luftfahrt- und Marine-Maschinenbau-Unternehmen, mit Sitz in East Cowes auf der Isle of Wight in Südengland, baute unter der Leitung von Chefdesigner Henry Knowler das weltweit erste Jagdflugboot mit Jet-Antrieb. Die noch aus dem 2. Weltkrieg stammende Anforderung des Air Ministry mit der Spezifikations-Nr. E.6/44 forderte die Entwicklung eines Hochgeschwindigkeit-Jagdflugbootes, das speziell in den Küstengewässern im Pazifischen Raum zum Einsatz kommen sollte. Ende 1946 wurde der erste Prototyp fertig gestellt und auf die ersten Testflüge vorbereitet.
Der mit zwei Metropolitan-Vickers-Turbinen vom Typ F2/4 "Berryl" angetriebene Schulterdecker, dessen Triebwerke nebeneinander im Rumpf installiert wurden, absolvierte seinen Erstflug im Juli 1947.

Erster Prototyp der SR. A/1 - TG 263 (Bild: Saunders Roe)

Drei Prototypen mit Schleudersitz

In der Rumpfnase des stromlinienförmigen Bootskörpers befand sich der zentrale Lufteinlauf für die beiden Metrovick-Jet-Triebwerke. Die Abgase wurden durch jeweils ein Rohr an der hinteren, oberen Flügelkante abgeführt. Zwei zusätzliche einziehbare Stützschwimmer, die ungefähr auf Höhe der 2/3 Position jeder Tragfläche montiert waren, brachten hervorragende Stabilität bei Bewegungen auf der Wasseroberfläche. Das einsitzige Cockpit war eine in sich geschlossene Einheit und mit einem Martin-Baker-Schleudersitz ausgestattet. Als Bewaffnung sollten vier 20 mm- Hispano Mk5 zur Anwendung kommen, die über der Ansaugöffnung in der Rumpfnase Platz fanden. Das Fassungsvermögen der internen Tanks konnte mit Hilfe von abwerfbaren Außentanks unter den Innenflügeln um 60 % erhöht werden.

Drei Prototypen wurden fertig gestellt und erhielten die Kennzeichnung TG 263, TG 267 und TG 271.

Saunders Roe SR A.1

Testergebnisse waren akzeptabel

Der erste Prototyp wurde von Testpilot Geoffrey Tyson bei East Cowes am 15. Juli 1947 geflogen. Hierbei wurden Geschwindigkeiten von bis zu 830 km/h erreicht.

Die Testergebnisse waren nach den ersten Versuchsflügen sehr zufrieden stellend. Das Flugzeug war leicht zu manövrieren und somit in der Luft sehr wendig. Lange Zeit war dieses Flugboot das schnellste der Welt.

Die beiden nachfolgenden Prototypen flogen erst 1948 mit jeweils weniger gedrosselten bzw. ungedrosselten Triebwerken. Zur Verbesserung der Rundumsicht wurde eine neue tropfenförmige Plexiglashaube auf den Rumpfrücken gesetzt.
Die TG 267 und TG 271 gingen später durch Unfall verloren.

Kombination von Flugboot und TL-Antrieb brachte keinen Erfolg

Auch wenn die Verantwortlichen sich immer wieder einen Blick auf wasserreiche Gebiete unseres Planeten gönnten, um die Notwendigkeit eines Jagd-Flugbootes zu rechtfertigen, konnten die erlangten Leistungen nicht darüber hinweg täuschen, dass ein Land-Flugzeug in jeder Situation überlegen gewesen wäre, auch wenn sich der Einsatz eines Jagd-Flugbootes in wasserreichen Gebieten als nützlicher erwiesen hätte.

Saunders Roe konnte durch die gemachten Erfahrungen mit dem SR. A/1, vor allem was die Verwendung von Strahltriebwerken betraf, wichtige Ergebnisse in die Entwicklung des nächsten großen Projektes, dem Verkehrs-Langstreckenflugboot "Princess", einfließen lassen.
Mit der unrichtigen Annahme, dass die Zeit der Verkehrsflugboote noch nicht vorbei sei, ließ man sich bei Saunders Roe von den goldenen Jahren der britischen Verkehrsfliegerei inspirieren.
Beide Projekte standen unter keinem guten Stern und waren letztendlich die spektakulärsten Reinfälle in der britischen Luftfahrtgeschichte.

TG 263 Hall of Aviation, Southampton 2005 (Bild: Rainer Lüdemann)

Quellen:
- Adrian B. Rance, Sea Planes & Flying Boats of the Solent, Veröffentlichung der Southampton University (Industrial Archaeology Group) in Zusammenarbeit mit dem Southampton City Museum, 1981
- Flying Boats & Seaplanes since 1910, Kenneth Munson, Blandford Press, London, 1971

- Flight No. 0035 / 13.01.1956

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