Von der Idee zum konkreten Vorhaben: Sinn und Ziel bedenken

Kaufmännisch betrachtet, ist der Erwerb eines Oldtimers nicht sehr vernünftig. Man investiert immerhin in ein altes Fahrzeug. Mit dem gleichen Aufwand an Zeit und Geld ließe sich auch ein moderner Wagen beschaffen. Keine Frage also: Oldtimer sind nicht allein eine Sache des Verstandes. Wie bei jedem Hobby spielen Emotionen eine große Rolle.
Dennoch sollten künftige Oldtimerbesitzer ihre Vernunft nicht völlig abschalten, sondern vielmehr besonders kühl und sorgfältig bedenken, was sie wirklich wollen und was dabei auf sie zukommt. Grundsätzliche Überlegungen könnten beispielsweise sein:

  • Ist das Fahrzeug für den häufigen, vielleicht sogar alltäglichen Gebrauch gedacht?
  • Wie gestaltet sich die Ersatzteilsituation?
  • Über welche Möglichkeiten und welche Fähigkeiten verfügt man selbst im Bereich der Kfz-Technik?
  • Soll das Auto ein Schrauberhobby oder Tuningfahrzeug sein, das (wie bei einer Modelleisenbahn) quasi nie wirklich vollendet scheint?
  • Liegt der Schwerpunkt andererseits doch lieber darauf, einen originalgetreuen Oldtimer zu besitzen?
  • Soll es vielleicht sogar eine Art Museumsstück werden, das nicht oder nur auf kurzen Distanzen fahrbereit sein muss?

Vor allem Anfänger im Oldtimermarkt sollten sich zudem vor einem Trugschluss hüten: Den Oldtimer als Wertanlage zu betrachten. Das gelingt mit den wenigsten Modellen, denn selbst ein nicht zugelassenes Fahrzeug erzeugt Kosten. Oldtimer als Wertanlage sind daher meist nur in den oberen Preissegmenten zu finden und bedürfen einer genauen Kenntnis der Marktlage.

Die Suche: Zeit spart Geld

Wer sich über diese Rahmenbedingungen im Klaren ist, steht vor der nächsten Herausforderung: Wo gibt es ein kostengünstiges und gut erhaltenes Fahrzeug? Vermutlich die meisten Oldtimerfreunde interessieren sich für ein ganz bestimmtes Modell, mit dem sie Jugendträume, Begeisterung oder Erinnerungen verbinden.
Erstaunlicherweise, solange es sich nicht um Exoten handelt, ist aber häufig nicht die Verfügbarkeit das Problem. In klassischen Kleinanzeigen, Fachmagazinen, bei ebay oder auf sonstigen Internetportalen gibt es zahlreiche Angebote zu vielen Typen. Doch auch hier gilt natürlich die alte Grundregel: Nicht um jeden Preis kaufen. Auch Besitzer alter Rostmühlen wissen genau um den Hype am Oldtimermarkt. Bisweilen werden tatsächlich utopische Summen verlangt. Diese Offerten sind ebenso genau zu prüfen wie extrem billige Angebote.
Einen Oldtimer sollte man daher nicht mit ein paar Klicks beim abendlichen Surfen im Internet erwerben. Ein Kauf, an dem man (trotz einzukalkulierender Folgekosten) später weiterhin Freude haben möchte, braucht (bei aller verständlichen Ungeduld) doch ausreichend Zeit. Niemand sollte sich daher von Versteigerungsfristen oder ähnlichen Lockmitteln zu vorschnellem Handeln hinreißen lassen.
Wer als Einsteiger in die Oldtimerwelt keinen Wert auf ein ganz bestimmtes Fahrzeug legt, ist außerdem gut beraten, nicht sofort ein besonders edles oder seltenes Modell zu kaufen. Wenn stattdessen beispielsweise auch ein Ostblockfahrzeug, ein VW Käfer, eine "Ente" oder ähnliches in Frage kommt, kann das zahlreiche Vorteile bieten: Diese Modelle verfügen aufgrund hoher Produktionszahlen über ein großes Verbreitungsgebiet und überschaubare Technik, was bei Reparaturen und Ersatzteilbeschaffung durchaus günstig ist. Denkfehler, die wahrscheinlich jeder Neuling in diesem Metier begeht, wirken sich bei solchen relativ kostengünstigen Fahrzeugen weniger schlimm aus. Zudem ist so die Wahrscheinlichkeit höher, in Internetforen und bei Oldtimerclubs Gleichgesinnte zu finden, die bereits vor dem Kauf (und erst recht danach) wertvolle Tipps geben können.

Youngtimer, Oldtimer und die Sache mit dem Kennzeichen

Ein altes Auto ist nicht gleich ein altes Auto. Nach derzeitiger Regelung (Stand: März 2015) gilt als Oldtimer meist nur das Fahrzeug, das mindestens 30 Jahre alt ist. "Jüngere" Wagen hingegen werden häufig als Youngtimer tituliert, wobei dies kein amtlicher Begriff ist. Bei Youngtimern stehen sich wichtige Vor- und Nachteile gegenüber. Für die Behörden gelten diese Autos nicht als schützenswertes, historisches Gut. Im Gegenteil: Im Prinzip verhindert die Benutzung eines Youngtimers ja, dass sich der Halter einen Neuwagen kauft, was Fahrzeugindustrie und Regierung nicht sonderlich freuen dürfte. Entsprechend teuer gestaltet der Gesetzgeber die Zulassung solcher Modelle: Sie erreichen beispielsweise nicht die aktuellen Umweltstandards, dürfen daher nicht in bestimmten Stadtgebieten fahren und kosten zudem höhere Steuern. Natürlich sind solche alten Autos auch verschleißfreudiger.
Die Youngtimer-Zeit ist sozusagen eine Durststrecke für Fahrzeug und Halter. Diese Periode überleben vermutlich die meisten Modelle nicht. Fahranfänger verunstalten solche billigen Autos durch Tuning oder verursachen Totalschäden. Bei der Hauptuntersuchung wird das Todesurteil für so manchen alten Wagen gefällt, und vom Rest trennen sich viele Besitzer wegen der unwirtschaftlichen Unterhaltskosten.
Genau diese Umstände machen Youngtimer auf dem Gebrauchtwagenmarkt aber preiswert. Wer also höhere laufende Kosten in Kauf nimmt, kompensiert dies teilweise mit einem geringen Anschaffungspreis. Sobald so ein Fahrzeug aber die magische Grenze zum Oldtimeralter überschritten hat, steigt bisweilen der Preis für gepflegte Modelle an, denn plötzlich ist wieder Interesse am Markt vorhanden.
Wer beabsichtigt, sein zehn oder 15 Jahre altes Auto einfach immer weiter zu benutzen, sollte daher neben akribischer Pflege über ein Saisonkennzeichen nachdenken. Als Alltagsfahrzeug wird ein Youngtimer nur schwerlich das Oldtimeralter erreichen. Wird er beispielsweise jedoch nur im Sommer und nicht als Hauptfahrzeug genutzt, stehen die Chancen besser.
Doch auch bei tatsächlichen Oldtimern hat der Besitzer die Qual der Wahl: Die ungünstigste Variante ist vermutlich eine ganz normale Zulassung, weil hier im Prinzip die gleichen Nachteile wie bei Youngtimern gelten. Als klassisches Oldtimer-Kennzeichen hingegen gilt ein rotes Nummernschild. Dies erfordert einiges an Kosten sowie eine technische Untersuchung auf Authentizität. Danach jedoch ist man vor ökologischer und sicherheitstechnischer Regulierungswut weitgehend geschützt. Der Nachteil: Das rote Kennzeichen ist nicht für die normale Nutzung als Fortbewegung gedacht. Im Prinzip darf der Wagen nur dann gefahren werden, wenn er auf Probefahrt ist oder auf dem Weg zu einem Oldtimertreffen bzw. zur Werkstatt.
Eine überdenkenswerte Synthese beider Möglichkeiten stellt das so genannte H-Kennzeichen dar, erkennbar am großen "H" am Ende des Nummernschildes. Auch hier ist zunächst eine technische Untersuchung auf historische Originaltreue nötig. Die Steuern sind jedoch feststehend, und das Fahrzeug darf ganz normal im Alltag genutzt werden, weitgehend frei von ökologischen und anderen Einschränkungen.

Wie original ist original?

Ein großes Diskussionsthema unter Oldtimerfreunden ist die Frage nach der Originalität. Wer heute beispielsweise (außerhalb von Museen) Fahrzeuge aus den 1920er Jahren sieht, dürfte nur wenige Teile daran entdecken, die tatsächlich noch aus dieser Ära stammen. Verschleiß und Restauration bedingen nun einmal, dass Teile ausgetauscht oder sogar nachgefertigt werden. Was dabei vom ursprünglichen Auto noch übrig bleibt, kann sich wohl jeder selbst denken.
Doch selbst unter dieser Voraussetzung gibt es verschiedene Ansichten: Puristen schwören darauf, nur originale Austauschteile, beispielsweise aus der Autoverwertung, zu verwenden. Nachbauten kommen nicht in Frage. Dafür nehmen solche Oldtimerfreunde zeitaufwendige Ersatzteilsuchen und erhebliche Kosten in Kauf. Nicht wenige Glücksritter am Oldtimermarkt versuchen, davon mit überzogenen Preisen zu profitieren. Ein in Einzelteilen verhökertes Fahrzeug bringt eben manchmal mehr ein, als das Fahrzeug im Ganzen.
So mancher Autofreund ist wiederum der Meinung, ein Oldtimer muss nicht aussehen wie ein Neuwagen. Man darf ihm bis zu einem gewissen Grad ruhig die Gebrauchsspuren inklusive Dellen und Kratzer ansehen.
Andere Oldtimerbesitzer hingegen möchten optisch den besten Eindruck vermitteln. Das Fahrzeug wird gehegt und gepflegt, poliert, lackiert und zur Not eben auch mit nachgefertigten Teilen wieder auf fabrikneu getrimmt. Bisweilen kommt es dann vor, dass Oldtimer mit edler Lackierung aufwarten, wie sie im damaligen Straßenbild keineswegs üblich war.
Doch eigentlich ist das außerhalb der Oldtimerszene eher nebensächlich. Viele Menschen begeistern sich einfach, wenn sie gut erhaltene oder restaurierte Fahrzeuge aus längst vergangenen Zeiten sehen. Die Besitzer dieser Schätze hingegen freuen sich, wenn anderen Leuten ihr automobiles Schmuckstück gefällt.

 

Dieser Text bildet die Situation in Deutschland ab. Er hat rein informativen Charakter und stellt keine Rechtsauskunft dar.

Autor seit 5 Jahren
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