Direkt ohne Einleitung ein Beispiel: Wer von euch denkt heute noch an die Menschen von Fukushima? Wer fragt sich noch regelmäßig wie es den Menschen geht? Hm...gut, ist eigentlich auch nicht so wichtig. Aber viel wichtiger ist, hören wir heute Nachrichten im Fernsehen oder lesen wir einen Artikel zum Thema Fukushima sind wir zumeist genervt von diesem leidigen Thema, überfliegen vielleicht kurz die wichtigsten Abschnitte oder hören nur mit einem Ohr zu. Vor ein paar Monaten noch hätten wir unsere Kinder zum Spielen geschickt, damit wir auch wirklich jedes einzelne Wort verstehen oder lesen können. Aber heute, heute ist es alles nicht mehr soooo wichtig. Nun gut, und warum ist das so? Weil wir emotional abgestumpft sind - auf das Thema Fukushima bezogen.

Freilich geht es nicht jedem so. Natürlich gibt es auch Menschen, die sich noch immer von den Schlagzeilen (sofern es noch welche geben mag) mitreißen lassen - aber sind es schon längst nicht mehr so viele, wie es einmal waren.

Emotional abgestumpft (Bild: Bildquellenangabe: Gerd Altmann / pixelio.de)

Noch ein Beispiel? Marco W. mit 17 Jahren für 247 Tage im türkischen Gefängnis. Wir alle waren von den Schlagzeilen hin und her gerissen. Wollten unbedingt wissen was mit dem Jungen passiert, wie es ihm geht, wie es weiter geht? Wann und ob er nach Hause darf. Freilich brauchen wir uns heute keine Gedanken mehr darüber machen. Schließlich ist er zu Hause - alles ist gut? Hm...wenn heute eine Reportage im Fernsehen kommen würde, Hauptthema Marco W., wie viele Menschen würden diese Reportage ansehen? 

Und wie viele Menschen würden sagen: "Mensch, das ist doch schon ewig her, interessiert doch keinen mehr, ihm gehts doch jetzt gut, also was soll das Gelabere darüber noch?" Warum würden diese Menschen das sagen? Weil Sie emotional angestumpft sind - jedenfalls in Bezug auf Marco W. Aber, das ist vollkommen normal!

Und weil alle guten Dinge drei sind noch ein letztes Beispiel. Natascha Kampusch. Oh ja, jetzt wirds brenzlich. Mal ehrlich, sogar während der Zeit als Natascha Kampusch Schlagzeile Nummer 1 war, wurde öffentlich hitzig diskutiert. Mal ehrlich, es gibt sogar eine "Natasche Kampusch Nervt" Facebook Gruppe - auf die ich aus Respekt-Gründen nicht verlinken mag. Und diese Gruppe wurde während der Berichterstattungs-Zeit gegründet. Daneben gab es noch andere Facebook Gruppen, die jedoch nach Aufforderung Kampuschs Anwalt gelöscht wurden.

Aber, was ich damit sagen möchte, nach der 5. oder 10. Meldung über Natascha Kampusch hat es doch kaum noch jemanden interessiert. Der Fernseh wurde ausgeschaltet und man sagte/dachte sich: "Nicht die schon wieder" Aber das ist vollkommen normal.

Warum ist das aber so?

Ganz einfach, weil uns die zahlreichen Schreckensmeldung im Fernsehen, Radio und in der Zeitung irgendwann abstumpfen. Die Schreckensmeldungen werden zur Gewohnheit! Dieser Prozess hat sogar einen Namen: "Habitualisierung"

Der Medienpsychologe Frank Schwab hat die Habitualisierung ganz simpel erklärt. So sagte er: "Wenn ich buh mache, erschrecken Sie beim ersten Mal mehr, als beim zweiten oder dritten Mal". Und wie der Medienpsychologe weiter verlauten lässt, ist dies ein vollkommen normaler, biologischer Prozess. Wir brauchen uns also keine Sorgen machen, dass wir anders sind, wenn unsere Reize abstumpfen, unser Interesse schwindet und wir einfach nur noch genervt sind.

Ist es moralisch korrekt?

  1. Ist es moralisch korrekt, das Schicksal - schlimme Schicksal - anderer Menschen zu vergessen? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Möglicherweise sollten wir uns an dieser Stelle die Frage stellen, wie es uns gehen würde, wenn uns etwas Schlimmes passiert und sich kein Mensch dafür interessiert.
  2. Ist es moralisch korrekt, das Schicksal anderer ins Lächerliche zu ziehen? Als nervend zu betrachten und dies sogar in der Öffentlichkeit preiszugeben? Ganz gewiss nicht!
Autor seit 5 Jahren
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