Was geschah ab März 2020?

Im Jahre 2002 feiert das Hugo, wie das Hugo-Junkers-Gymnasium liebevoll genannt wird, sein 175-jähriges Jubiläum. Das traditionsreiche Gymnasium steht an der Brucknerallee, in Rheydt, einem Stadtteil von Mönchengladbach, im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Schule wurde 2019 für das Pilotprojekt der Stadt: digitale Pilotschule ausgewählt.

Als in der Mitte März 2020 die Schulen, um die weltweite Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, vorsorglich geschlossen wurden, stand die Gemeinschaft der Schule vor einer Bewährungsprobe des gerade entwickelten digitalen Lernsystems. Es sollte, digital, der Unterrichtsstoff zu den Schülern des Hugo-Junkers-Gymnasiums gebracht und der Kontakt zu den "Hugoianern" gehalten werden.

Was stellte sich bei der Umsetzung als Vorteil heraus?

Anders als in den übrigen Schulen der Stadt war das Kollegium digital schon auf Kurs. Dieses System war in der Krisensituation das Mittel, dass alle benötigten Anforderungen erfüllen konnte.

  • Da es bereits eine funktionierende Homepage an der Schule gab, konnten, nachdem die Schulen überraschenderweise geschlossen werden mussten, Lehrer und Schüler aller Klassen und Jahrgänge, digital erreicht werden.
  • Mit Beginn der Woche konnten Lehrer Unterrichtsmaterial für die Schüler bereitstellen
  • Dienstliche E-Mail-Adressen und Telefonnummern standen zur Verfügung
  • So standen Lehrer und Schüler, bis zu den Osterferien bereits im Kontakt

Während der Schulferien wurde, von den verantwortlichen Lehrern die Onlineplattform "WebExTeams", für die rund 60 Lehrer und rund gerechnet 700 Schüler eingerichtet. Damit war die Voraussetzung geschaffen, noch in den Osterferien, früher als in anderen Schulen, miteinander zu kommunizieren und sich praktisch in das System ein zu arbeiten.

Was sagen Teilnehmende und Beobachter zum Projekt?

Torsten PetterDer Schulleiter Torsten Petter findet die gewählte Plattform gut, weil mit ihr, in Videokonferenzen, im virtuellen Klassenzimmer, mündlich und schriftlich, miteinander, kommuniziert werden kann. Zusätzlich haben die Lehrer, vor und während der Onlinestunde, die Möglichkeit Material zur Verfügung zu stellen. Petter erklärt, dass in der ersten Woche nach den Osterferien weiterführende Erfahrungen mit dem System gesammelt wurden. Demnach machte es Lehrern und Schülern Spaß, gemeinsam, in Feldversuchen, eine neue Unterrichtswelt zu erkunden. Gleichzeitig stand den Schülern, auf der Schulhomepage, fortwährend, das Unterrichtsmaterial zur freien Verfügung.

Foto: Torsten Petter, Schulleiter

 

  • Seit März wurden, mit der Hilfe von "Videoknferenz-Stundenplänen" täglich 6000 Nachrichten, zwischen Schülern und Lehrern ausgetauscht und rund gerechnet 400 Begegnungen (Meetings) in der Woche durchgeführt.
  • Seit dem 27. Mai, der zweiten Woche nach den Osterferien, fand der gesamte Unterricht über die Lernplattform statt.
  • Auch der Vater eines Schülers, Tobias Brüggen, freut sich über die Vorteile, die im digitalen Miteinander bestehen. Es werden, so seine Erfahrung, bei den Schülern Eigenverantwortung und Selbstständigkeit gefördert. Er findet es ebenfalls gut, dass jeder Schüler sein Lerntempo bestimmen kann.
  • Der Achtklässler Jonas, des Hugo, empfindet die neue Situation prima. Die Lehrer seien entspannter. Er könne sich besser konzentrieren, weil die Unruhe im Präsenzunterricht nicht mehr da sei.
  • Hanna ist eine Schülerin der Jahrgangsstufe 7. Sie findet das Homeschooling toll, weil dass digitale Medium zukunftsweisend sei.
  • Der Deutsch- und Geschichtslehrer Reinhard Bitter zählt zu den Pädagogen am Hugo-Junkers-Gymnasium, die nicht mit den digitalen Medien aufwuchsen. Er ist über die neue Art miteinander zu kommunizieren begeistert. Bitter erinnert sich bei seiner Ausbildung an der Universität in Köln seine Seminararbeiten noch, damals fortschrittlich, mit der Schreibmaschine geschrieben zu haben. Bitter freut sich heute seine Klassen in Videokonferenzen zu erreichen. Diese könnten den direkten Kontakt nicht ersetzen, hätten aber den Vorteil, sich ohne Gesundheitsrisiken miteinander zu unterhalten und zu unterrichten.

Was wünscht sich der Schulleiter für die digitale Zukunft des Projektes?

Der Schulleite Torsten Petter ist mit dem bisherigen Ergebnis des digitalen Klassenzimmers, angesichts der Zahlen und Reaktionen von Lernenden, Eltern und Kollegium zufrieden. Für die Zukunft sieht er weitere Herausforderungen.

Die am 25. Mai vorsichtig begonnene - und im Vorfeld intensiv vorbereitete - Zusammenführung von Online- und Präsenzunterricht werde sehr anspruchsvoll, da die Klassen bis zu den Sommerferien an einem Tag in der Woche in die Schule kämen, viele der Kollegen aber an mehreren Tagen in der Woche unterrichten. Dann bestünde die Gefahr, für Videokonferenzen nicht genügend Zeit zur Verfügung zu haben. Er ist sich gewiss, gemeinsam eine Lösung erarbeiten zu können. Im Sinne der Digitalisierung des Hugo-Junkers-Gymnasiums sei die jetzige Situation eine Fortbildung pur - und gibt den Beteiligten, für das kommende Schuljahr, Sicherheit.

Kritiker fragen

  • Schweben die Kinder den Eltern nun digital davon?
  • Wer finanzierte die Geräte und das Zubehör?
  • Wie stehen weniger betuchte Eltern zum Projekt?
  • Wie reagieren Kollegen, Eltern und Kinder anderer örtlicher Schulen?

"Laschet muss Digitalisierung in Schulen zur Chefsache machen"

Der Lehrerverband NRW geht davon aus, dass zum Beginn des neuen Schuljahres etwa 20 bis 30 Prozent, der Lehrkräfte, coronabedingt, nicht zum Unterricht erscheinen werden.

Der Verbandspräsident Andras Bartsch sagte der Düsseldorfer Rheinischen Post in einem Gespräch, dass in dem Fall eine Mischform aus Präsenz- und Fernunterricht zum tragen komme.

Die Voraussetzungen dazu, eine deutliche Aufstockung des Personals und eine Schaffung der digitalen Infrastruktur, müssten erst geschaffen werden.

Momentan sei es Realität, dass etwa nur 30 Prozent der Kommunen das dazu bereitgestellte Geld abgerufen habe. Das sei zu wenig, erläutert Bartsch und mahnt, dass der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, das Thema Digitalisierung der Schulen jetzt zur Chefsache erklären müsse. Die Finanzmittel sollten dann zentral von oben verteilt werden.

In einem Kommentar in der Rheinischen Post von Maximilian Plück heißt es:

Schulen benötigen Zeit für das neue Lernen

Der Kommentator erläutert die wirtschaftliche Lage, beschreibt die Situation der Eltern beim Dauerstress im Homeschooling und hinterfragt, warum weiterführende Schulen weiterhin vom Präsenzunterricht ausgeschlossen würden. Eltern klagen auf eine Wiederaufnahme des Schulbetriebes. (Andere, auf das Recht der Kinder im Fall einer Pandemie die Schule nicht besuchen zu müssen. Anmerkung der Autorin)

Der Schlusssatz lautet: "Das Oberverwaltungsgericht NRW in Münster hat nun sehr klare Signale ausgesandt, dass es auf Grundlage der ab heute geltenden Corona-Schutzverordnung keine Gründe erkennen kann, wieso Grundschulen öffnen dürfen, weiterführende Schulen aber nicht - zumindest was die Sekundarstufe I anbelangt."

Katja Kipping (Linke) fordert Schul-Laptops mit mobilem Internet

Die Parteivorsitzende der Linken, Katja Kipping kritisierte die Zuschüsse der Bundesregierung zur Anschaffung von Digitalgeräten für Schüler als nicht ausreichend. Sie fordert Schullaptops mit mobilem Internetzugang für alle Kinder. Der Düsseldorfer Rheinischen Post sagte sie, dass die Förderung zur Geräteanschaffung nicht ausreichend und wenig zielführend sei. Die Schulen würden dadurch mit einem Chaos verschiedener Software und daraus folgenden Datenschutz- und Kompatibilitätsproblemen kämpfen. Zudem habe nicht jede Familie einen Internetanschluss zu Hause.

 Sie schlug als bessere Lösung:

* Die Anschaffung eines eigenen Computers für jedes Kind und einen mobilen Datenzugang, vor. Über SIM-Karten in Laptops sei es damit zusätzlich möglich, zu Hause zu arbeiten.

* Sie forderte mit Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie außerdem das Angebot einer Online-Hausaufgabenbetreuung für Kinder, die zu Hause unter schwierigen Bedingungen lernen müssten.

Man wisse nicht, wie der künftige Pandemie-Verlauf den Unterricht weiter beeinträchtigen werde, warnte Kipping. Statt auf baldige Rückkehr zur alten Normalität zu hoffen, sollten die Verantwortlichen die Digitalisierung des Lernens jetzt richtig angehen.

Wie funktioniert Homeschooling

Das ist das Hugo im Juni 2020

  • Im Treppenhaus des Altbaus ist die Dauerausstellung zum deutschen Ingenieur, Unternehmer, Hochschullehrer und Forscher, Hugo Junkers zu sehen
  • Das Hugo- Junkers-Gymnasium wurde 2019 für das Pilotprojekt der Stadt: "Digitale Pilotschule " ausgewählt
  • Im Jahr 2018 wurde das Hugo-Junkers-Gymnasium, für die vorbildliche MINT-Schwerpunktsetzung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) als MINT freundliche Schule zertifiziert
  • Nach umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten 2011 bis 2013, wurden die modernen Biologie und Chemieräume eröffnet. Gleichzeitig das neu eingerichtete SelstLernzentrum
  • Mehr Fläche zur Erholung wird seit dieser Zeit m grünen Klassenzimmer und sportliche Aktivität auf dem grünen Basketballfeld geboten.
  • Im Jahr 2010 unterzeichnete die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte des Gymnasiums eine Grundsatzverpflichtung zum Umgang miteinander. Demnach ist das Hugo-Junkers-Gymnasium, im Netzwerk Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage, eine der engagiertesten Schulen in Mönchengladbach
MonikaHermeling, vor 24 Tagen
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Bildquelle:
S.Hofschlaeger - pixelio.de (Aufsatz üben mit Grundschülern)

Autor seit 8 Jahren
191 Seiten
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