7 x 30 oder 8 x 40 - was bedeutet das?

Was bedeutet die Angabe 7 x 30 wirklich? Es sind wohl die ersten Überlegungen, die Sie anstellen, wenn Sie ein Fernglas kaufen wollen. Vermutlich wissen Sie, 7 x … bedeutet, siebenfache Vergrößerung. Aber ist das nicht zu wenig? Und was steckt hinter der 30? Die zweite Zahl gibt die Größe der Objektivöffnung in Millimetern an. Die 30 sagt also aus, das dieses 30 Millimeter groß ist. Übliche Angaben sind 8 x 40, 8 x 42, 10 x 50 und darüber hinaus. Wer glaubt, je höher die Werte, desto besser ist das Fernglas, unterliegt einem Irrtum. Denn die Bedürfnisse der Nutzer sind verschieden. Wer sein Glas nur ab und zu im Urlaub verwendet, braucht nicht unbedingt eines mit einer zehnfachen Vergrößerung. Und selbst der Ornithologe ist mit den höchsten Werten nicht immer am besten bedient. Wenn Sie oft durch den Wald streifen und hier Vögel beobachten wollen, brauchen Sie ein Fernglas, das auf kürzeren Distanzen gutes Sehen ermöglicht. Dann passt eine kleinere Vergrößerung (7 x oder 8 x) besser. Im weitflächigem Land, wo Sie häufig über weite Distanzen schauen, ist ein Fernglas mit höherer Vergrößerung besser. Allerdings kaufen sich auch hier Ornithologen selten ein Glas mit höheren Werten als 10fach. Der Unterschied liegt darin, dass eine kleinere Vergrößerung dafür ein größeres Gesichtsfeld bietet. Das ist ein entscheidender Vorteil, wenn Sie winzige, flinke Vögel mit einem Fernglas beobachten wollen. Auch lässt sich ein solches Glas leichter scharf stellen. Höhere Vergrößerungen ermöglicht dafür, dass Sie mehr Details erkennen. Auch ist dann die Objektivöffnung größer. Das bedeutet, dass mehr Licht einfallen kann. Sie sehen die Bilder heller und können auch in der Dämmerung noch mehr erkennen. Jäger wählen daher oft ein solches Glas, da Sie häufig in den frühen Morgenstunden oder Abends unterwegs sind. Gläser mit sehr großem Objektivdurchmesser sind spezielle Nachtgläser. Natürlich liegen sie entsprechend schwer in der Hand. Die stark vergrößernden Varianten müssen oft mit einem kleineren Gesichtsfeld auskommen. Eine spezielle Technik versucht, dies auszugleichen. Dann kann es aber sein, dass das Bild in der Mitte scharf ist und am Rand unscharf.

Fernglas unbedingt selbst testen

Nur diese wenigen Hinweise machen deutlich, was als wichtigste Regel für jeden Kunden gilt: Kaufen Sie nie ein Fernglas, durch das Sie nicht selbst hindurch geschaut haben! Aus eigener Erfahrung kann ich dies bestätigen. Meine Tochter wünschte sich ein Fernglas anlässlich eines runden Geburtstages. Der Preisrahmen stand fest, es durfte maximal 300 Euro kosten. Sie fand das sehr viel, ich hatte im Internet gesucht und war über eine riesige Auswahl verunsichert. Beide entschieden wir uns daher, das Fotogeschäft vor Ort zu nutzen. Bevor wir zusammen hingingen, hatte ich die Inhaberin über den Kaufwunsch und die Preisvorstellung informiert. Als wir dann beide dort erschienen, hatte sie zu der bereits vorhandenen Auswahl noch weitere Gläser aus einer anderen Filiale besorgt. Dann ging das Testen los. Schon das Scharfstellen eines Fernglases funktioniert nicht so einfach wie gedacht. Den Rat der Verkäuferin haben wir mehrfach gebraucht und die Gläser immer wieder verglichen. Dazu sind wir auf die Straße gegangen und haben uns dort ein Objekt ausgesucht. So ließen sich deutlich die Unterschiede erkennen, wobei die teureren nicht unbedingt die besseren waren. Und nicht nur das Sehen selbst will verglichen sein, sondern auch die Handhabung, Gewicht und Lage in der Hand. Je größer die Objektivöffnung wird, desto größer und schwerer wird das Fernglas. Auf Wanderungen spielt das eine wichtige Rolle. Als dann noch die Frage aufkam, ob nicht ein kleines Glas besser ist, um es auch einmal im Theater zu nutzen, riet uns die Verkäuferin, zwei Gläser zu kaufen. Wir haben es am Ende tatsächlich so gemacht. Der Favorit für Naturbeobachtungen war ein Glas 8 x 40, wasserfest, kompakt und robust. Dazu kam ein winziges Opernglas für ganze 12 Euro. Der Blick hindurch bestätigte, es reicht für's Theater. Als solches wurde es schließlich hergestellt. Für beide Ferngläser zusammen zahlte ich 220 Euro. Mag sein, dass wir das gleiche bei Ebay oder im Internet preiswerter bekommen hätten. Dafür konnten wir vor Ort ausgiebig vergleichen und ausprobieren.

Profis achten auf noch viel mehr

Wenn Sie sich mehr Zeit nehmen für Ihre Entscheidung, stolpern Sie über weitere beachtenswerte Dinge. So gibt es zum Beispiel Ferngläser, bei denen es heißt, sie sind phasenvergütet. Was bedeutet dies? Es hat etwas mit den Phasen der Lichtwellen zu tun. Um es auf's einfachste zu erklären: Der Lichtstrahl im Feldstecher wird im Inneren mehrfach reflektiert und in zwei Phasen getrennt. Dadurch verschieben sich die Phasen der Lichtwellen mit der Folge, dass Kontrast und Auflösung leiden. Mit einer besonderen Beschichtung wird dieses Phänomen korrigiert. Das Glas ist dann phasenvergütet.

Als weiteres stellt sich die Frage, ob Porroprismen- oder Dachkantgläser die besseren sind. Wieder zwei Begriffe, die den Laien verwirren. Merken Sie sich, dass es von beiden Varianten gute und weniger gute Feldstecher gibt. Eine eindeutige Regel, welche Art besser ist, gibt es nicht.

Wichtig ist es für Brillenträger, darauf zu achten, ob das Fernglas für sie geeignet ist. Nicht alle Gläser sind als solche gekennzeichnet und manche direkt ungeeignet. Solche ungeeigneten Varianten haben ein nur kleines und abgeschnittenes Sehfeld. Fragen Sie also nach und probieren Sie, ob Sie mit dem Abstand und den Augenmuscheln zurecht kommen. Die Augenmuscheln sind oft drehbar, können also an den Betrachter angepasst werden. Sie bestehen meistens aus Hartplaste oder sind gummiert. 

Bei großen Vergrößerungen lohnt es sich, über einen Bildstabilisator nachzudenken. Je stärker die Vergrößerung, desto wackeliger sehen Sie das Bild. Schon ab 10 oder 12-facher Vergrößerung kann das empfehlenswert sein, besonders für Menschen mit einer unruhigen Hand. Im Inneren des Glases sorgen dann elektronische Sensoren dafür, dass kleinste Zitterbewegungen ausgeglichen werden. Solche Gläser haben ihren Preis. Für leidenschaftliche Naturbeobachter lohnt sich die Anschaffung, zusätzlich eventuell ein Stativ. Die meisten Menschen kommen jedoch mit preiswerteren Geräten gut zurecht.

Abkürzungen auf einem Fernglas

Die folgende Liste erläutert eine Auswahl von möglichen Abkürzungen (Buchstaben) auf den Ferngläsern. Sie erhebt nicht den Anspruch, vollständig zu sein!

  • WP wasserfest - Das Glas ist mit speziellen Dichtungen ausgestattet, im Inneren wird das Vakuum mit Stickstoff gefüllt, damit kein Wasser eindringen kann. Solche Gläser sind für Wassersportler oder Bergsteiger empfehlenswert.
  • G, GA oder RA - gummiarmiert - Das Fernglas ist durch eine Gummiarierung gegen Stoß, Schlag und Spritzwasser geschützt.
  • B - für Brillenträger geeignet
  • W, WF, WW oder Wite - Weitwinkel - Diese Ferngläser zeichnen sich durch ein großes Gesichtsfeld aus. 
  • UC - ultracompakt - Meistens aus Aluminium, machmal aus Titan, für alle, die ein besonders leichtes Fernglas suchen.
  • MC für Mehrschichtvergütung (vermindert Reflexionen und erhöht die Lichtdurchlässigkeit)
  • D - Dachkant 
  • IS bedeutet Bildstabilisator (Image Stabilisator)
  • CF steht für Central-Fokus oder Close-Fokus (hat etwas mit der Naheinstellentfernung zu tun)
  • HP - HighEypoint - große Austrittspupillenöffnung, ist für Brillenträger wichtig

Da sich dieser Artikel eher an "normale" Verbraucher richtet, die Ihr Fernglas nur gelegentlich verwenden, soll es bei den benannten Hinweisen bleiben. Wie bei einer Fotokamera können Sie sich bei Feldstechern mit vielen speziellen Details beschäftigen. Für Spezialgläser steht Ihnen der Jagdhandel, Outdoor-Handel oder auch das Fotofachgeschäft zur Verfügung.

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Zusammenfassung

Kaufen Sie kein Fernglas, ohne es auszuprobieren. Achten Sie auf Ihre Bedürfnisse: Gewicht, Robustheit, für Sie geeignete Vergrößerung, Nutzung bei Tag und/ oder in der Dämmerung und in welchem Gelände? Besonders für Brillenträger ist eine Beratung vor Ort wichtig. Auf gute Linsen ist eine reflexmindernde Schicht aufgedampft. Durch sie kann das volle Licht hindurch gelangen. Nicht nur die Vergrößerung, sondern auch die Lichtdurchlässigkeit und das Gesichtsfeld sind von Bedeutung. Da Sie vermutlich nicht oft im Leben ein Fernglas kaufen, nehmen Sie sich Zeit für die Entscheidung.

Den Ausschlag für unsere persönliche Entscheidung gab der Bildeindruck beim Durchschauen. Eines der Gläser zeichnete sich durch ein sehr plastisches, natürlich wirkendes Bild aus. Die Qualität bei der Wiedergabe von wirklichkeitsnahen, farbtreuen Bildern kann auch bei ähnlich teuren Ferngläsern verschieden sein. 

Bei den hochpreisigen Marken haben Gläser von Zeiss und Leica die Nase vorn. Sie bieten unangefochten, qualitativ hochwertige Gläser. Gute und hochwertige Marken sind auch Steiner und Nikon. Neben diesen können sich weitere, gute Firmen behaupten. In jedem Preissegment gibt es Ferngläser, bei denen Sie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis vorfinden.

Autor seit 5 Jahren
128 Seiten
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