Solo Sunny – starke Bilder, starke Musik, starke Frau

Die DDR um 1980. Der Verfall ist überall sichtbar. Während seelenlose Wohngebiete aus gleichförmigen Betonplatten entstehen, wohnt die Mehrheit der Bürger in ruinenhaften Altbauten. Auch die junge Sängerin Sunny lebt unter solchen Bedingungen. Subtile Bilder zeigen die marode Substanz. Unter einem von Sunnys Fenstern weist die Wand ein großes Loch auf, das durch einen Schrank ausgefüllt wird. Wohl fühlen sich hier nur die Tauben.

Im Gegensatz zu ihrer erstarrten Umwelt pflegt Sunny jedoch einen unangepassten Lebensstil. Sie verdient gut, hat zahlreiche Verehrer und muss nie allzu lange in ihrer Mietskaserne aushalten. Als Mitglied einer Künstlertruppe reist sie stattdessen häufig durch die Republik.

Doch auch hier zeigt sich der Stillstand deutlich: Marode Landgasthöfe bilden den tristen Background für das immer gleiche Programm: Seit Jahrzehnten veraltete Varieté-Nummern, müde Witze und Schlager, die längst keiner mehr hören will.

Als der chauvinistische Chef der Künstlertruppe Sunny auf der Bühne beleidigt, bricht diese den Auftritt ab und fliegt darauf aus dem Ensemble. Von da an scheitert Sunny: Die Affäre mit einem Philosophen ist nur kurz interessant. Auch an der Seite ihres hartnäckigsten Verehrers hält sie es nicht lange aus. Als sie schließlich geregelte, aber öde Fabrikarbeit annimmt, bricht Sunny kurz darauf seelisch zusammen. Wird sie ihren Weg doch noch finden?

Legendär ist nicht nur der Film selbst, sondern auch die dazugehörige Titelmusik mit dem markanten Saxophon-Thema.

 Im Jahr 2016 gab es übrigens in der Fernsehserie "Lindenstraße" gleich zwei Erinnerungen an diesen großartigen Film: Einige Folgen lang spielte Sunny-Darstellerin Renate Krößner eine Nebenrolle in der "Lindenstraße" als unkonventionelle Millionärin. Wenn man so will, hat Sunny es quasi geschafft.

Ungefähr gleichzeitig entscheidet sich der transsexuelle Seriencharakter Marek für den Namen Sunny. Er findet, dass dieser Film eine starke Persönlichkeit porträtiert, die ihren Weg gegen alle Widerstände geht.

Einer trage des Anderen Last

Dass dieser Film 1988 in die Kinos der DDR kam, ist vielleicht das Erstaunlichste an ihm. Immerhin werden hier andere Weltanschauungen auf Augenhöhe mit dem sozialistischen Lebensentwurf dargestellt.

Die DDR im ersten Jahr ihres Bestehens: Alles ist noch etwas chaotisch. Eine private Lungenheilanstalt in einem alten Schloss blieb deshalb bis dato unbehelligt von staatlicher Einflussnahme. Die dort gepflegten, guten Sitten entstammen offenbar noch der Kaiserzeit. Der Chefarzt wurde einst Mitglied der NSDAP, um weiterhin seine Arbeit tun zu können. Die Patienten wiederum bilden eine interessante Gemengelage: Feine Adelsdamen, Altkommunisten, ein knallharter Fabrikant und ein schmieriger Schmuggler, der die schlechte Versorgungslage für lukrative Geschäfte nutzt.

In dieses fein austarierte Biotop fernab der großen Politik werden eines Tages ein marxistischer Grenzpolizist sowie ein evangelischer Vikar eingeliefert. Das Schlimme ist, dass sich beide ein Zimmer teilen müssen. Doch ihre ideologischen Grabenkämpfe bleiben nicht im Raum, sie erfassen bald das ganze Haus!

Das Einzigartige an diesem Film ist die geniale Paarung aus Humor (der Marxist heißt beispielsweise mit Nachnamen "Heiliger") und Tiefsinnigkeit. Es gibt überraschende Wendungen und nicht für alle ein Happy End. Keine Seite siegt über die jeweils andere, aber man lernt, sich gegenseitig zu respektieren und einander zu helfen. Für einen DDR-Film ist dies bemerkenswert, ebenso wie die Tatsache, dass ausgerechnet der ehemalige Nazi-Chefarzt den Konsens zwischen Christen und Kommunisten vermittelt.

Die Söhne der großen Bärin

Es gab in der DDR zahlreiche Indianerfilme. Chefindianer war meist der jugoslawische Schauspieler Gojko Mitic, welcher auch in drei westdeutschen Winnetou-Filmen eine kleine Nebenrolle besetzte. Dennoch war "Die Söhne der Großen Bärin" eine Besonderheit unter den DDR-Western. Der Film basiert auf auf Lieselotte Welskopf-Henrichs gleichnamigem Romanzyklus, einem Bestseller der DDR-Literatur. Die auf historischen Fakten aufgebaute Filmhandlung umfasst allerdings nur die Bände vier bis sechs, welche den ursprünglichen Kern der Romanreihe darstellten: Ein junger Dakota-Häuptling beobachtet den Mord an seinem Vater, der durch Suff und Intrigen alle Würde verloren zu haben scheint. Dennoch weigert sich der alte Mann, einen versteckten Goldschatz seines Stammes zu verraten und wird daher getötet.

Der junge Häuptling führt daraufhin einen erbarmungslosen Guerilla-Krieg gegen die weißen Eindringlinge. Im folgenden letzten Freiheitskampf verlieren die Indianer zunächst auf ganzer Linie und müssen in die Reservation. Der durch Verrat gefangen genommene, junge Häuptling wartet auf den Tod, kommt aber überraschend frei. Daraufhin flieht er mit seiner kleinen Stammesgruppe aus der Reservation nach Kanada. Kurz vor dem Ziel, im Grenzgebiet am Missouri, kommt es zum Showdown zwischen dem Häuptling und dem Mörder seines Vaters, der die Verfolger anführt…

Der Film erreicht nicht ganz die Vielschichtigkeit und Tiefe der Romanreihe. Jene ist daher eine absolute Leseempfehlung. Die Schriftstellerin setzte ihre Erzählung übrigens mit einer weiteren, fünfbändigen Romanreihe fort, welche rund einhundert Jahre danach an die alten Schauplätze zurückführt und ebenfalls auf historischen Fakten beruht.

Heißer Sommer

Der Musikfilm "Heißer Sommer" aus dem Jahr 1968 gehörte in der DDR zu den absoluten Publikumslieblingen. Nicht unwesentlich am Erfolg beteiligt war sicherlich das damalige Traumpaar des DDR-Schlagers, bestehend aus Chris Doerk und Frank Schöbel, welche die Hauptrollen spielten.

Die Handlung ist denkbar simpel: Eine Gruppe Oberschüler und einige gleichaltrige, junge Frauen machen sich zeitgleich per Anhalter auf den Weg von Sachsen an die Ostsee. Unterwegs kreuzen sich ihre Routen immer wieder, wobei sich meist die Damen als cleverer erweisen, wenn es um die nächste Mitfahrgelegenheit geht. Am Ziel verbringen beide Gruppen einen seltsamen Mix aus Arbeit und Ferien. So ganz klar wird das dem Zuschauer nicht verdeutlicht. Es gibt ein paar Liebeleien, Streiche und etwas Eifersucht…

Auch heute noch wird der Film gelegentlich ausgestrahlt, obwohl dieses Genre heute nicht mehr gefragt zu sein scheint und die dargestellten, gesellschaftlichen Umstände schwer nachvollziehbar sind. Aber "Heißer Sommer" ist eben Kult!

Die Legende von Paul und Paula

Dieser Klassiker des DDR-Films trägt die Legende nicht nur im Titel, er wurde selbst zu einer solchen. Die Handlung an sich ist nicht sonderlich umfangreich, dafür enthält der Streifen aber eine für DDR-Verhältnisse gehörige Portion an Dramatik.

Die Story an sich ist einfach: Der unglücklich verheiratete Paul gerät in eine Affäre mit der alleinerziehenden Paula. Diese nimmt die Sache zunächst ernster als Paul, der den Anschein einer funktionierenden Ehe trotzdem nicht aufgeben will. Erst durch eine dramatische Änderung der Umstände entscheidet sich Paul vollends für Paula. Diese trägt gegen den Rat der Ärzte das gemeinsame Kind aus und verstirbt an den Folgen der Schwangerschaft.

In der Heile-Welt-Kinolandschaft der DDR avancierte der konfliktreiche Streifen zum absoluten Kultfilm. Das änderte sich auch nicht, als der Film nach dem Weggang der beiden Hauptdarsteller in den Westen fast völlig aus der Öffentlichkeit verschwand. Den Soundtrack zum Film lieferten übrigens die Puhdys, einer der erfolgreichsten Bands der DDR. Heute sind Band und Film immer noch gleichermaßen Kult.

Weitere sehenswerte Filme aus der DDR

 Der in der DDR verbotene Film zeigt Manfred Krug in seiner gewohnt lässigen Art als einen, der den sozialistischen Führungskadern respektlos begegnet.

 

 

 

 

Karbid und Sauerampfer: Basierend auf einer wahren Begebenheit, thematisiert der Schwarz-Weiß-Film die von Mangel geprägte Nachkriegszeit. Ein Schlitzohr macht sich auf den Weg, um einige Fässer Karbid zu organisieren, die für den Wiederaufbau einer Fabrik benötigt werden. Er hat weder ein Transportmittel, noch ausreichend Geld, nur seinen Einfallsreichtum.

 

 

 Coming out: Ähnlich wie "Die Legende von Paul und Paula" behandelt der Film ein für DDR-Verhältnisse heikles Thema, in diesem Fall Homosexualität. Beide Filme wurden vom gleichen Regisseur umgesetzt. Der Film kam im letzten Jahr der DDR in die ostdeutschen Kinos.

Autor seit 5 Jahren
154 Seiten
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