Allsamstaglich gegen 19 Uhr wurde die Fernsehgemeinschaft der Leiden und Freuden einer zwar nicht vollständigen, aber intakten Sippe teilhaftig. Sie bestand aus drei Söhnen, ihrem Großvater und dem Vater selbst. Der Witwer nahm sich mit sehr viel Humor und Verständnis, aber auch – wenn's denn wirklich einmal sein musste – mit strengem Blick und energischem Wort der juvenilen Nöte seiner halbwüchsigen Sprösslinge an. Am Ende einer jeden Episode verweilte die Kamera (obligatorische Schlusseinstellung derartiger Serien) auf den lachenden Gesichtern der Akteure. Zwölf Jahre lang lief die Serie in Amerika – ein nicht nur für damalige Verhältnisse beispielloser Erfolg.

Zu allen immer freundlich

"Vater ist der Beste" hieß der TV-Import, der sich fugenlos ins Familienbild der bundesrepublikanischen Gründerjahre einpasste. Man hätte sich kaum einen besseren Darsteller für die Titelrolle vorstellen können als Fred MacMurray, über den der Regisseur Billy Wilder einmal gesagt hat: "Fred ist der personifizierte nette Kerl von nebenan. Er gibt den Leuten das Gefühl, stets zu allen freundlichen zu sein – zu Hunden, Kindern, Müttern und Witwen."

Als netter Kerl begann er 1935 seine Filmlaufbahn, und dieses Image half ihm auch noch ein Vierteljahrhundert später – da war sein Ruhm merklich ausgeblasst – zu einer zweiten Karriere. Damals bot man ihm nicht nur die die Rolle in der eingangs erwähnten TV-Serie an (die im Original übrigens "My three sons" hieß); er drehte auch einige Filme für die Disney-Studios, was ihm die etwas zweifelhafte Ehre einbrachte, nach Mickymaus die bekannteste Figur zu sein, die das Studio bis dato hervorgebracht hatte. Die Filme (etwa "Follow me, boys" oder "The happiest millionaire") wurden von der Kritik mit Hohn übergossen (was ja bekanntlich immer noch besser ist, als sie gar nicht zur Kenntnis zu nehmen).

Erfolg als Mörder wider willen

Nur selten wurde MacMurray gegen seinen Typ besetzt – aber seltsamerweise bleibt er in die diesen Filmen am nachhaltigsten Erinnerung. Zum ersten Mal geschah das 1943 in Billy Wilders "Frau ohne Gewissen". Hier spielt er einen an sich harmlosen Versicherungsagenten, der einer Frau (Barbara Stanwyck) verfällt und sich von ihr zum Mord an ihrem Mann anstiften lässt.

MacMurray gefiel sich in der Rolle des Bösewichts, und er erhielt ähnlich Parts in "Die Caine war ihr Schicksal" oder "Das Apartment". Er stellte die Doppelbödigkeit der Charaktere so überzeugend dar, dass diese drei Filme fraglos zu den besten in seiner Karriere zählen (die von den Oscar-Juroren allerdings schmählich missachtet wurden: Fred  MacMurray hat die begehrte Trophäe  nie erhalten).

Die Stationen in Fred MacMurrays Leben klingen nicht sonderlich aufregend. Am 30. August 1908 wurde er in Kanakee, Illinois, geboren. Anschließend lebte die Familie in Beaver Dam, Wisconsin, und Gilroy, Kalifornien. Schließlich landete MacMurray in Waukesha, Wisconsin, wo der Sohn eines Konzertgeigers an der Musikhochschule studierte.

Vom Orchestergraben auf die Bühne

Dem jungen Mann, der ganz leidlich das Saxophon blies, hatte zunächst eine Karriere als Tanzmusiker vorgeschwebt. Als solcher landete er am Broadway, und dort geriet er 1930, durch reinen Zufall, vom Orchestergraben auf die Bühne, wo er in der längst vergessenen Show "Three's a crowd" einen Auftritt hatte.

Die Provinzflecken, in denen MacMurray seine Jugend verbrachte, schienen symptomatisch für den Charakter des Schauspielers zu sein. Er war kein Frauenheld wie Clark Gable, er besaß nicht die mondän-lässige Eleganz eines Robert Taylor, und er war alles andere als ein Abenteurer wie Erroll Flynn – allesamt Filmstars seiner Generation. Selbst als vom Wege abgekommener Versicherungsvertreter brachte er eine Brise frischer Lust in das stickig-dunkle Haus der Gattenmörderin Phyllis Dietrichson (Stanwyck).

Selbstverständlich führte er ein Leben fernab von Skandalen – wenn man einmal davon absieht, dass er ein glühender Verehrer und Unterstützer von Richard Nixon war. Am 5. November 1991 ist er im Alter von 83 Jahren gestorben. Zu einem Oscar hatte es in seiner Karriere, wie erwähnt, nicht gereicht. Aber wenigstens zu einem Stern auf dem "Hollywood Walk of Fame".

 © Rainer Nolden

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