Judas verrät als 13. Gast Jesus

Bestimmt kennen Sie eine dieser beiden Erklärungen dafür, warum ein Freitag, der auf den Dreizehnten fällt, als Unglückstag gilt. Zum einen existiert angeblich ein christlicher Ursprung. So gelte die Zwölf als ganz besondere Zahl. Bereits in der griechischen Mythologie repräsentierte die Zwölf die Anzahl der Olympischen Hauptgötter und Herakles musste zwölf Prüfungen bestehen. Auch im Christentum wurde der Zwölf eine ganz besondere Bedeutung beigemessen. Nicht zufälligerweise folgten Jesus zwölf Jünger. Während die Zwölf ein Symbol für Ordnung darstelle, bringe die Zahl 13 alles wieder durcheinander. Versinnbildlicht wird dies beim letzten Abendmahl mit einem gewissen Judas als 13. Gast neben den 12 Aposteln. Bekanntermaßen sollte Judas Jesus später verraten, was die Zahl 13 als Unglückszahl ausweise. Allerdings wankt diese Interpretation, da ja mit Jesus insgesamt 14 Gäste anwesend waren.

Leonardo da Vincis "Letztes Abendmahl"

Leonardo da Vincis "Letztes Abendmahl" (Bild: https://pixabay.com)

Dem nicht genug, wurde Jesus am Karfreitag gekreuzigt. Was läge näher, als die 13 und den Freitag zu verbinden? Noch dazu, wo der Sündenfall im Paradies samt Vertreibung – Gott fackelte nicht so lange wie heutige Gerichte – an einem Freitag stattgefunden haben soll?

Dem steht allerdings gegenüber, dass im Judentum die 13 als ausgesprochene Glückszahl gilt. Gemäß dem Buch Ester habe Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen König Xerxes I., beschlossen, sämtliche Juden des persischen Reiches zu töten. Dies sollte an einem 13. geschehen. Doch die in Persien lebenden Juden wussten sich der Bedrohung zu erwehren, was schlussendlich Haman selbst den Kopf kosten sollte. Seither feiern Juden das so genannte Purimfest als Symbol der Errettung ihrer Vorfahren. Interessanterweise hat die 13 noch eine andere göttliche Bedeutung: Im Hebräischen werden Zahlen, wie etwa im Lateinischen, durch Buchstaben ausgedrückt. Das Eigenwort des israelischen Gottes lautet demnach JHWH (später vermutlich vom Dominikanermönch Raymundus Martinus in das uns geläufige Jehova oder Jehovah übersetzt), was eine Quersumme von 26 ergibt. Teilt man diese durch 2, ergibt sich die 13.

Doch auch abseits der Zahlenmystik galt in weiten Teilen Deutschlands der Freitag allgemein als Glückstag und somit als gutes Omen für eine Hochzeit an einem Freitag. Wirklich belegen lassen sich somit weder eine allgemein positive, noch negative Assoziation der Zahl 13, insbesondere in Verbindung mit einem Freitag. Die religiöse Erklärung für den Unglückstag kann also nicht stimmen - wie wäre es deshalb mit einer historisch belegten?

Auslöschung des Templerordens am Freitag den 13.

Am Bekanntesten dürfte folgende Erklärung dafür, weshalb ein Freitag der 13. als Unglückstag gilt, sein: Es war jener Tag, an dem der mächtige Templerorden fast völlig ausgelöscht wurde. Am Freitag den 13. Oktober 1307 ließ der französische König Philipp IV. in einer penibel koordinierten, bis zu jenem Tag streng geheim gehaltenen Aktion zahlreiche Mitglieder des Ordens in Abstimmung mit dem Papst verhaften. Der Hintergrund war, wie so oft, ein finanzieller: Die erstaunlich geschäftstüchtigen Templer kontrollierten das französische Bankensystem und hatten sagenhafte Reichtümer angehäuft. Beides war dem König ein Dorn im Auge und er sah die Möglichkeit, auf einen Schlag den klammen Haushalt zu sanieren und die Kontrolle über die Banken zu gewinnen. Unter grausamster Folter presste der König absurde Geständnisse ab, die zeigen sollten, dass der Templerorden schwerste Ketzerei wider die Kirche betrieb. 

Die Intrige brachte Philipp IV. selbst aber nicht viel Glück, da die konfiszierten Reichtümer weitaus weniger als erhofft abwarfen. Sieben Jahre später, am 18. März 1314, landete schließlich Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Templerordens, in Paris auf dem Scheiterhaufen.

Überliefert ist, dass er noch einen allerletzten Fluch gegen den König ausgestoßen haben soll. Offenbar mit Erfolg, denn acht Monate später starb König Philipp IV. mit nur 46 Jahren.

Kapelle mit Symbol des Templerordens (Bild: https://pixabay.com)

Doch auch dieses tragische Ereignis kann den Aberglauben rund um Freitag den 13. nicht erklären. Genauso wenig wie die Behauptung, der amerikanische Börsencrash 1929 habe am "schwarzen Freitag" stattgefunden. Tatsächlich ist dieser Tag als "Black Thursday", also als "schwarzer Donnerstag" bekannt. Auf Grund der Zeitverschiebung handelte es sich in Europa um einen Freitag, woraus sich dieser Irrtum erklärt. Im Übrigen fand der Börsencrash 1929 an einem 24., nicht an einem 13. statt. Somit wieder Fehlanzeige. Und warum gilt nun Freitag der 13. als Unglückstag?

Thomas Lawson "erfindet" einen Aberglauben

Die Erklärung ist, wie so oft, reichlich ernüchternd. 1907 schrieb ein gewisser Thomas Lawson den Roman "Friday, the Thirteenth" (auf Deutsch als: "Freitag, der Dreizehnte" erschienen). Darin rechnete er mit unmoralischen Manipulationen an der Börse ab, die auf seinen eigenen Erfahrungen beruhten. Ende des 19. Jahrhunderts hatte er bei dem letztendlich vergeblichen Versuch Henry Rogers und William Rockefellers (richtig: Ein Spross des Rockefeller-Clans) mitgeholfen, den Kupfermarkt zu monopolisieren. Mit seinem Roman prangerte er das skrupellose Treiben an den Börsen an – mit Erfolg: Der Roman wurde zum Bestseller.

Weitere Romane sollten jedoch weitaus weniger erfolgreich sein, weshalb er sich zur Rückkehr an die Börse gezwungen sah. Allerdings konnte er auch dort nicht mehr besonders reüssieren und starb 1925 in bescheidenen Verhältnissen. Eine makabre Pointe hielt die Geschichte für den "Erfinder" des Aberglaubens rund um Freitag den 13. als Unglückstag noch zu seinen Lebzeiten bereit. Das nach ihm benannte Segelschiff "Thomas W. Larson", damals das größte seiner Art, zerschmetterte am 13. Dezember 1907 an den Klippen einer Insel. Nur zwei der 19 Besatzungsmitglieder überlebten. Der 13. Dezember war ein Freitag …

Vorsicht: Triskaidekaphobie!

Durch Verwendung in Film und Literatur etablierte sich Freitag der 13. als Unglückstag. Falls Sie an Triskaidekaphobie leiden, also der Angst vor der Zahl 13, dürfen Sie beruhigt sein: Sie befinden sich in bester Gesellschaft. Von Napoleon ist überliefert, dass er an keinem 13. eine Schlacht führte. Der ehemalige US-Präsident Franklin Roosevelt hingegen weigerte sich, an einem Tisch mit 13 Personen zu sitzen. Außerdem vermied er Reisen an einem 13. und fürchtete Freitag den 13 ganz besonders. Er verstarb übrigens am 12. April 1945 – einem Donnerstag, womit er es immerhin vermeiden konnte, seine letzte Reise ausgerechnet am Freitag den 13. anzutreten. Ganz im Gegensatz zum gleichfalls an Triskaidekaphobie leidenden Komponisten Arnold Schönberg, der tatsächlich an einem Freitag den 13. starb – der Legende nach um 11:47 Abends, also 13 Minuten vor Mitternacht.

Dem Aberglauben wird noch heute von vielen Hotels und Fluggesellschaften Rechnung getragen, indem etwa der zwölften Etage die vierzehnte folgt und es in manchen Flugzeugen keine 14. Sitzreihe gibt. Interessanterweise wird der 13 in Afrika und Asien meist keine besondere Bedeutung beigemessen, während etwa in Spanien nicht Freitag der 13. sondern Dienstag der 13. als Unglückstag gilt. Auch der Aberglaube ist von regionaler Unterschiedlichkeit, was in einer zunehmender globalisierter und vernetzter werdenden Welt ein kleiner Trost ist: Wie schlimm wäre es doch, gälten überall dieselben Mythen und Legenden.

Freitag der 13.! Und dazu noch eine ...

Freitag der 13.! Und dazu noch eine schwarze Katze! (Bild: https://pixabay.com)

Und sollte Ihnen ausgerechnet am Freitag den 13. eine schwarze Katze über den Weg laufen, nehmen Sie's mit Humor: In anderen Ländern und Kulturen galten schwarze Katzen als Glücksbringer. Insbesondere auf Schiffen galten Katzen als Glücksbringer, und auch wenn es keine Aufzeichnungen darüber gibt, wird angenommen, dass Christopher Kolumbus auf seinen Schiffen wie damals üblich Katzen mitführte. Ob die amerikanischen Ureinwohner dies als Glücksfall bezeichnen würden, ist freilich eine ganz andere Geschichte.

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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