Klingt hervorragend. Doch die Annahme einer beeindruckenden, anglisierten Berufsbeschreibung als Freelancer und Entrepreneur ist auch mit Nachteilen gegenüber einem hochstrukturierten Büroalltag verbunden. Diese beschränken sich nicht nur auf die vergleichsweise banale Notwendigkeit der Selbstverantwortung für Krankenversicherung, Steuererklärung und Rente. Die wahre Herausforderung des Selbstangestellten liegt in eben jener Flexibilität, die auch eine der großen Vorteile eben jener Arbeitsform darstellt.

 

Die Nachteile der ständigen Erreichbarkeit


Einer Studie des Deutschen Ärzteblatt zu Folge betrifft das Burnout-Syndrom hauptsächlich Patienten, denen es schwer fällt, das Berufsleben vom Privatleben zu trennen. Manager und Selbstangestellte sind überdurchschnittlich häufig betroffen.


Infolge einer mangelnden Trennung zwischen Berufsstress und Freizeitentspannung kann eine Vertiefung in Probleme der Arbeitswelt erfolgen, welche eine wahre Entspannung unmöglich macht. Ein Beamter mit festen Arbeitszeiten (zum Beispiel von 8.00 bis 17.00 Uhr) kann nach abgeschlossenem Arbeitstag die metaphorische Tür zur Tagestätigkeit schließen, um sie erst am folgenden Morgen wieder zu öffnen. Sein vom Arbeitgeber vorgegebener Tagesrhythmus sieht also eine tägliche 14-stündige Arbeitspause vor, in welcher der fragliche Angestellte unter keinerlei Obligation steht, sich mit Fragen seiner Anstellung zu beschäftigen.


Einerseits ist der Freelancer – im Gegensatz zum oben beschriebenen Szenario des fest angestellten Beamten – in der Lage, seinen Arbeitsalltag selbst zu bestimmen, und Arbeitszeiten an andere wichtige Umstände anzupassen. Andererseits ist es häufig eben diese Freiheit, die dazu führt, dass Arbeitszeiten und Freizeit eines Selbstangestellten auf negative Weise ineinander verfließen: anders als im Beamten-Szenario, stehen einem Freelancer keine vertraglich festgeschriebenen arbeitsfreien Stunden zu. Internetanschluss, Mobiltelefone und durch Cloud Services sogar die eigene Festplatte sind allgegenwärtig: Apps ermöglichen eine Datenverbindung von Handy und Laptop, selbst wenn letzteres Gerät nicht zur Hand ist.


Wenn viel Arbeit ansteht, ist die Gefahr der Überbelastung durch mangelnde Balance daher groß. Arbeitsarme Phasen hingegen werden selten als Entspannung wahrgenommen, sondern sorgen stattdessen häufig für Anspannung ob der vergleichsweise lauen Auftragslage. Diese durch Nicht-Arbeiten hervorgerufene Anspannung kann wiederum die Gefahr der Überbelastung in arbeitsreichen Phasen verstärken.


Bringen Sie Struktur in den Arbeitsablauf


Was, also, ist die Lösung? Diese liegt in der Tages- und Arbeitsstruktur. Eine der größten Schwierigkeiten gerade für den beginnenden Freelancer ist die Notwendigkeit für ständige Erreichbarkeit durch potentielle Klienten. Trotz dessen sollten frühstmöglich Grenzen der Arbeitsbereitschaft gesetzt werden, welche nicht zu überschreiten sind. Diese können zeitlich-bestimmte Grenzen sein (zum Beispiel durch Ausschalten des Mobiltelefons um 20.00 Uhr), oder sie können sich auf eine bestimmte Zahl an wöchentlich angenommenen Aufträge beziehen. Wochenenden sollten ebenfalls überdacht werden; zumindest ein arbeitsfreier Tag in der Woche ist zu empfehlen. Nur durch solche (nur in absoluten Notfällen zu überschreitenden) Grenzen ist es möglich, sich ein gesundes Privatleben neben der Selbstanstellung zu garantieren – und ausgeglichene Menschen leiden nicht an Burn-out!

 

Bildquellen: eamoncurry123/Alan Cleaver

Autor seit 4 Jahren
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