Kunst oder Vandalismus?

Diese Frage beschäftigt unsere Gesellschaft bereits seit vielen Jahren und wird es wohl weiterhin noch tun. Denn das Thema Graffiti ist eins, welches stark polarisiert, eine neutrale Position in der Mitte nehmen nur die wenigsten ein. Ich persönlich bin der Meinung, dass man sich zumindest mal mit dem Thema Graffiti befassen sollte, bevor man es bewertet – ob positiv oder negativ ist schlussendlich jedem selbst überlassen.  Lasst euch ein auf eine kurze Reise durch die Welt der "Straßenmalerei".

Geschichte von Graffiti

Einhergehend mit der geschichtlichen Entwicklung von Graffiti, entstehen im Laufe der Jahrtausende zahlreiche Formen und Ausprägungen. Richtig gelesen: Jahrtausende! Denn betrachtet man die Definition, so lassen sich erste Graffiti bis ins Zeitalter des Alten Ägyptens zurückverfolgen, wo man private, gekratzte Inschriften auf Tempeln, in Gräbern sowie auf Felsen und Statuen entdeckt hat.

Die heutige Graffitiform, wie wir sie kennen und wahrnehmen, in all ihren Ausdrucksformen und Facetten brachte bereits zahlreiche international anerkannte Künstler hervor. Es gibt Beispiele, wie die von Harald Naegeli, welcher als der "Sprayer von Zürich" bekannt geworden ist und in den 80er Jahren wegen Sachbeschädigung und Vandalismus mit einer hohen Geld- und Haftstrafe belegt wurde. Mittlerweile rehabilitierte die Stadt Zürich Harald Naegeli, bezeichnet seine einstigen Werke als Kunst und somit schützenswert.

Wie es bei Kunst so üblich ist, unterliegen Motive, Stil und Techniken einer stetigen Veränderung. Getreu dem Motto: der Weg ist das Ziel. Die Gegenwart stellt lediglich einen weiteren Meilenstein auf der Zeitleiste dar.

Graffiti in ihrer ganzen Vielfalt

Dem Ottonormalbürger mag es kaum auffallen, doch es gibt – wie bereits erwähnt –  eine Vielzahl von verschiedenen Ausdrucksformen in der Szene. Formen und Stile von Graffiti, die sich voneinander unterscheiden, deren Abgrenzungen untereinander jedoch kaum eindeutig zu bestimmen sind.

Stencil-Art in Hamburg-MitteStyle-Writing, Scratching oder Stencils sind Begriffe, die bei vielen Menschen ein Fragezeichen über dem Kopf erzeugen. Dies sind lediglich drei Techniken bzw. Formen, mit denen Graffiti erzeugt werden. Allein dadurch ergeben sich für den Künstler endlos viele Möglichkeiten sich zu verwirklichen und seiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

Ebenso unterschiedlich wie die Möglichkeiten bei der Malerei, ist die Motivation der einzelnen Künstler. Der eine strebt nach Verbesserung, Fortschritt und Selbstverwirklichung, ein anderer nutzt dieses Hobby, um Grenzerfahrungen zu machen, Angst und Gefahr zu erleben, zu überwinden und vom tristen Alltag abzuschalten. Wiederum andere möchten ihre Ideen und Vorstellungen kreativ umsetzen, ihre Gefühle ausdrücken und den Zusammenhalt der Szene erleben. Ich vermute bei den Meisten ist es ein bisschen was von allem.

Wo bleibt denn der Vandalismus?

Selbstverständlich wird euch aufgefallen sein, dass der Text bislang viele positive, jedoch kaum negative Aspekte von Graffiti erörtert hat. Um sich ein objektives Bild in Bezug auf ein Thema machen zu können, sollte man es stets hinterfragen bzw. sich in dem Fall auch mit der Schattenseite von Graffiti befassen. Offiziell ist das Anbringen von nicht genehmigten Graffiti in Deutschland verboten und kann zivil-und strafrechtliche Folgen für den Künstler haben.

Laut dem Gesetz erfüllt Sprayen und anderweitiges Anbringen von Graffiti den Tatbestand der Sachbeschädigung und kann mit Geld- sowie Haftstrafen belegt werden. Nach Angaben des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundeigentümer entstehen, durch die Entfernung von unerlaubt angebrachten Graffiti an Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln jährlich Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro.

 Es gibt jedoch eine Vielzahl von Präventions- und Gegenmaßnahmen, um dies zu verhindern – sowohl von privater, als auch von öffentlicher Seite aus. Zahlreiche Kommunen und Städte erlauben die künstlerische Gestaltung von Freiflächen und öffentlichen Objekten, um somit die "Wildmalerei" einzudämmen. Aus privater Sicht werden zahlreiche Wettbewerbe und Contests veranstaltet, um zum einen den Jugendlichen eine legale Basis für die Ausübung ihres Hobbys zu bieten und um dem Graffiti an sich eine Lobby aufzubauen und sich nach außen hin der Gesellschaft zu präsentieren.

 

Abschließen möchte ich diese kurze Entführung ins Reich der "Wandmalerei" mit einem Zitat des deutschen Künstlers Joseph Beuys, welches lautet:

"Weder durch legales noch durch illegales Hervorbringen von Kunstwerken entsteht der Gesellschaft oder dem Einzelnen Schädigung. Hingegen bedeutet deren willentliche Vernichtung Unterdrückung von Möglichkeiten zur Bewusstseinsbildung." 

 

Information: Sämtliche Fotos wurden von mir gemacht. Sämtliche Bildrechte liegen somit bei mir.

Autor seit 3 Jahren
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