Eine Grammatik kann das Regelwerk selber oder auch eine Theorie sein. Sie weist einige Gemeinsamkeiten mit anderen Gebieten auf, zum Beispiel die Beschäftigung mit der kleinsten bedeutungsunterscheidenden Einheit aus der Phonologie oder die Bildung von Klassen und Kategorien, wie man es auch in der Semantik findet. Weiterhin enthalten sie Regeln zu Schrift und Aussprache, zu Orthographie und Interpunktion, zur Deklination von Substantiven und Adjektiven in Singular und Plural und zur Konjugation der Verben in allen Zeiten. Pronomen, Numerale, Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen werden behandelt, ebenso Partikel und Interjektionen sowie Regeln zum Satzbau und zur Wortbildung.

Grammatiken in der Antike und im Mittelalter

Weit verbreitet war der Naturalismus, die Ideenlehre. Man verstand darunter, dass die Sprache ohne menschliches Zutun existiert. Dieser Erklärungsansatz war verbunden mit dem Konventionalismus. Nach dieser Theorie nahm man an, dass Sprache auf willkürlichen Regeln basiert. Die Regeln der Sprache – also die Grammatik – wurden von Grammatikern übernommen und ins Lateinische übertragen, sie waren lange Zeit auf Bibelsprachen beschränkt. Andere Sprachen erhielten erst nach und nach ein Regelwerk, das ebenfalls die Regeln nicht be- sondern vorschrieb. Grammatiken waren in ihren Anfängen also ausnahmslos präskriptiv und nicht deskriptiv. Oft enthielten sie auch philosophische und logische Überlegungen.

Grammatiken in der Neuzeit und in der Moderne

Der Empirismus kam auf und verwarf den Naturalismus. Kritik an der naturalistischen Lehrmeinung war, dass der Mensch kann nur durch Erfahrung zu Wissen gelangen kann und das sprachliche Wissen daher auch nicht einfach so da sein kann. Das löste einen Forschungsdrang aus, das Geheimnis der Sprache zu erklären. Die Erforschung des Sanskrit führte zur Entdeckung der indogermanischen Sprachen, was zu grammatischem Interesse führte. Nach Herders Theorie war Sprache das Ergebnis bestimmter Sprachgemeinschaften. Der verstärkte Forschungswunsch ließ eine rein präskriptive Grammatik nicht mehr zu: Ein Regelwerk, welches lediglich vorschreibt, lässt sich schwer für Forschungsfragen einsetzen. Ein beschreibendes Regelwerk hingegen bot Raum für Beobachtungen, Analysen und letztlich auch Forschungsergebnisse – die deskriptiven Grammatiken entstanden und innerhalb dieser dann normative und formale Systeme. Als Vorreiter ist hier Ferdinand de Saussure zu nennen.

Universalgrammatik

Die Existenz einer Universalgrammatik ist eine linguistische Theorie, nach welcher alle Sprachen Prinzipien folgen und diese Prinzipien allen Menschen angeboren sind. Die Theorie konnte bislang noch nicht endgültig bewiesen werden, aber auch nicht widerlegt. Bewiesen ist nur, dass die Fähigkeit zum Sprechen beim Menschen vorhanden ist, wie dieses Sprechen allerdings genau aussieht – also ob die Sprecher unwillkürlich bestimmten Regeln folgen – darüber ist sich die Forschung nicht einig. Die Verfechter der Theorie beziehen sich auf den Erwerb der Muttersprache. Diese wird unbewusst erlernt. Es wird die Gewohnheit eingeübt, bestimmte Wendungen zu gebrauchen, ohne dass dafür eine Grammatik nötig ist. Einige Lehrprogramme für Fremdsprachen basieren auf diesem Prinzip. Nur durch Einübung von Analogien kann die Fremdsprache wie die Muttersprache ohne Grammatik gelernt werden. Andere Lernprogramme hingegen verwenden Grammatiken als Regelwerk, welches es zu lernen gilt und das erlernte Gerüst dann mit Vokabeln gefüllt wird.

 

Da jeder Mensch die Sprache anders und zu anderen Zwecken verwendet, gibt es mehrere Sprachgebräuche, die auch anerkannt werden. Richtige Sprache ist eine ungefähre Gewohnheit. Zu viele Individualitäten kann aber kein Wörterbuch und keine Grammatik aufnehmen.

Grammatik als Bestandteil der Sprache

Sprache setzt sich aus Grammatik und Pragmatik zusammen. Grammatik ist das System zur Produktion und Interpretation von Aussagen. Die Pragmatik stellt eine Sammlung von Strategien zur erfolgreichen Kommunikation dar.

 

In Grammatiken nicht berücksichtigt werden besondere Betonungen, um die Aussage leichter erfassbar zu machen oder andere Sprachmodalitäten wie zum Beispiel eine beschleunigte Sprechweise. Einigen Theorien zufolge ist eine perfekte Grammatik unnötig, um Quasi-Muttersprachlichkeit zu erreichen, weil Muttersprachler mit ihrer eigenen Grammatik nachlässiger umgehen. Die Kommunikation klappt aber trotzdem.

Sophie1975, am 04.01.2014
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