Der Naturpark Schöneberger Südgelände

Mitten in der Stadt gelegen und doch eine Oase der Natur – das trifft wohl auf wenige Gebiete passender zu als auf diesen ehemaligen Güterbahnhof. Als der ab dem Jahre 1952 schrittweise seinen Betrieb einstellte, nutzten alsbald Bäume, Gräser und Sträucher den neuen Siedlungsraum. Sie zogen Tiere nach, die hier nun ein weitgehend ungestörtes Leben führen konnten. Eingerahmt von Gleisen gleich mehrerer, heute noch genutzter S- und Fern- bzw. Regionalbahnstrecken nennen mittlerweile viele seltene Arten den Naturpark ihr Zuhause, beispielsweise Zauneidechsen, Wespenspinnen, diverse Gattungen Libellen und Bienen, aber auch Habichtskräuter. Seinen ganz besonderen Charme gewinnt dieses Areal aber aus der Kombination von vordringender Natur und zurückweichender Kultur. Denn die alten Gleise und Bahnbetriebsgebäude wurden (man möchte sagen: glücklicherweise!) nach Aufgabe der Nutzung nicht entfernt und rosten inmitten von zumeist Birken vor sich hin.

Der Wasserturm im Südgelände

 

Der alte Wasserturm, welcher zum Wahrzeichen des Naturparks avancierte, eine Drehscheibe, ein Lokschuppen sowie gar eine Dampflok zeugen als Überreste von der Industrie – und in der früheren "Brückenmeisterei West" kann man heute Kaffee und Kuchen genießen. Daneben dient das Gelände als "Open-Air-Galerie" für moderne Kunstwerke und legales Graffiti, und im Sommer bespielt die Shakespeare Company Berlin regelmäßig ein kleines, hölzernes Amphitheater. Zahlreiche weitere Veranstaltungen wie Naturlehrgänge für Kinder oder auch klassische Konzerte in der Lokhalle runden das kulturelle Angebot ab. Diese Mischung aus Natur, Technik und Kunst ist europaweit einmalig und erlangte als Projekt im Rahmen der EXPO 2000 weit über Berlin hinaus Bekanntheit. Der Naturpark Schöneberger Südgelände - wahrlich ein Geheimtip für alle BerlinerInnen und Besucher, die die Natur lieben!

 

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Das Dorf Lübars und seine Umgebung

Am nördlichen Rand Berlins gelegen, im Bezirk Reinickendorf, finden wir das Dorf Lübars. Ganz recht, es hat sich trotz Eingemeindung in die große Stadt seinen ländlichen Charakter bewahrt. Eine Dorfkirche aus dem 18. Jahrhundert und Bauernhöfe (einige der ganz wenigen in Berlin, die noch bewirtschaftet werden) laden ebenso zum Entdecken des pittoresken Lübars ein wie seine grüne Idylle. Das Tegeler Fließ prägt diesen Landstrich – in der letzten, sogenannten Weichsel-Kaltzeit (bis vor etwa 12.000 Jahren) formte sich unter einem Gletscher vermittels Erosion eine Abflussrinne für das schmelzende Eis – das Tegeler Fließ. Die Kaltzeit-Vergangenheit weist uns bereits darauf hin, dass wir hier in und um Lübars eine hügelige Landschaft vorfinden werden. Schon vor langer Zeit ließen sich Menschen an dieser Stelle nieder - die frühesten menschlichen Spuren im Raum Berlin (genauer: aus der Bronzezeit) stammen von Fundorten entlang des Fließ.

Das Dorf bietet sich auch hervorragend als Ausgangspunkt für eine längere Erkundung des insgesamt gut 30 km langen Tegeler Fließes an, das in seinem Verlauf gleich mehrere Naturparks, Landschafts- und Naturschutzgebiete in Berlin und Brandenburg streift. Das Fließ weist viele unterschiedliche Landschaftsformen auf, sogar Moore sind hier zu finden (das Foto zeigt Niedermoorwiesen im Barnim), und entsprechend groß ist die Biodiversität in Flora und Fauna.

Niedermoorwiesen im Barnim, entlang des Tegeler Fließ

 

Lernen kann man entlang des Fließes übrigens auch etwas – am Köppchensee verläuft der Berliner Mauerweg (sichtbar sind heute noch Teile der Wassersperre – das Tegeler Fließ war einst Teil der Grenze zwischen West-Berlin und der DDR), und in Lübars selbst können Kinder auf speziellen Bauernhöfen das Landleben bzw. die Tierhaltung auf solchen kennenlernen.

Der Landschaftspark Wartenberger Feldmark

Unser letztes Ausflugsziel für heute führt uns bis zur Endstation der S-Bahnlinie 75 – wir sind in Wartenberg angekommen, Teil des Bezirks Lichtenberg. Die ehemaligen Rieselfelder, in denen die Abwässer der Berliner ab dem Jahr 1883 gereinigt wurden, wurden zur Feier des 750-jährigen Bestehens Berlins (1987) teilweise aufgeforstet und ab 2000 in einen Landschaftspark umgewandelt. Der daraus entstandene heutige Landschaftspark Wartenberger Feldmark zeichnet sich durch ausgebaute Skater- und Radwege aus, welche die Gegend durchziehen und so die nahe Natur erlebbar machen. Erscheint man im Frühling und Sommer ganz früh und vermeidet es, Lärm zu verursachen, kann man den Stimmen vieler, teils bedrohter Singvögel lauschen. Greifvögel gleiten mal anmutig durch die Lüfte, mal fliegen sie pfeilschnell umher. Der plötzliche Übergang von Stadt zu Land ist ein weiteres Merkmal Berlins – solch ein krasser Wechsel könne nirgendwo sonst auf dem Kontinent beobachtet werden als an der Grenze Berlins und Brandenburgs, betont eine Schrift zu den Regionalparks in der Hauptstadtregion. Interessant auch, dass sich die Pflanzen und vor allem natürlich die Tiere an die nahe Stadt angepasst und diese auch teilweise als neuen Lebensraum angenommen haben.

Rad- und Skaterweg im Landschaftspark

 

Ein weiteres Ausflugsziel ganz in der Nähe der Wartenberger Feldmark ist das westlich von ihr gelegene Naturschutzgebiet Malchower Aue. Hier fühlen sich besonders Pflanzen wohl – mehr als 300 Arten wurden nachgewiesen, doch auch für Amphibien, Insekten und Vögel stellt das NSG ein Rückzugsgebiet dar. Die Wartenberger Feldmark und die Malchower Aue sind Beispiele dafür, dass Naturschutz und Artenvielfalt durchaus auch mit der Stadtplanung einer Großstadt vereinbar sein können – nur wenige Meter von Plattenbauten entfernt verstecken sich Schätze, die man hier sicher nicht erwarten würde!

 

 

Fotos:

Titelbild: "Berlin suedgelanede birkenweiche.JPG" von Dirk Ingo Franke; Lizenz: CC-BY-SA 2.0

Südgelände: "Südgelände Berlin (11).JPG" von User -jkb- ; Lizenz: CC-BY-SA 3.0

Lübars: "Barnimer Dörferweg NSG Niedermoorwiesen am Tegeler Fließ 02.JPG" von User Assenmacher; Lizenz: CC-BY-SA 4.0

Wartenberg: "Landschaftspark Wartenberger Feldmark.JPG" von User Assenmacher; Lizenz: CC-BY-SA 3.0

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