Ehe ich diese Frage beantworte, lassen Sie mich kurz erklären, weshalb ein gutes Cover essenziell für den Erfolg eines Buches ist. Das beste Cover kann ein schlechtes Buch nicht retten – aber ein schlechtes Cover kann ein gutes Buch unverkäuflich wie Kühlschränke auf Grönland machen. An ein richtig gutes Titelbild erinnert man sich noch Jahre später, selbst wenn man die Geschichte selbst völlig vergessen hat. Dabei müssen es gar keine extrem aufwändig gestalteten Motive sein. Die auffälligsten Buchcover sind oft die am einfachsten gestalteten, wie die nachfolgenden Bestseller belegen.

So firmiert etwa Frank Schätzings "Der Schwarm" gerne unter dem Titel: "Das Buch mit dem Auge", und die wohl häufigste Frage an Bestsellerautor Tommy Jaud dürfte wohl lauten: "SInd das deine Beine?". Auf seiner Website verneint der Autor dies übrigens und behauptet, die Beine gehörten einem "Körperteilmodel".

Jeder Fiverr-Grafiker hat seinen eigenen Stil

Freilich sind viele Autoren keine Grafiker und müssen, wenn sie bei keinem Verlag unterkommen, auf fremde Dienste wie eben Fiverr zugreifen. Hier ist der Unternehmensname Programm: Ab 5 Euro lassen sich Mini-Jobs, "Gig" genannt, buchen, darunter Buchcover. Das israelische Start-up-Portal mauserte sich rasch zu einem der größten Anbieter solcher Mini-Jobs zum Mini-Preis. Ich will mit meinem ersten Eindruck nicht hinterm Berg halten: "Ein professionelles Buchcover um nur 5 Dollar? Unmöglich!"

Da ich selber buchcovergestaltungstechnisch (thesaur that, Microsoft Word!) suboptimales Kreativitätspotenzial besitze, griff ich ganz tief in die Tasche und wandte mich nach der Registrierung auf der Website an einen der Fiverr-Mini-Jobber, oder präziser gesagt: Mini-Jobberin, die versprach, ein "eye catching" cover zu erstellen. Ergänzend muss die große Auswahl an Grafikern erwähnt werden, die natürlich jeweils ihren eigenen Stil haben. Es lohnt sich, die einsehbaren Arbeitsproben genauer unter die Lupe zu nehmen.

Da ich ein Buchcover für einen SF-Horror-Mix benötigte, sortierte ich jene Anbieter aus, die vornehmlich beispielsweise Kochbücher, Ratgeber oder Liebesromane bebildern. Für mich stellt diese im Grunde genommen simple Option einen der größten Vorteile von Fiverr dar: Man kauft nicht die Katze im Sack, sondern kann sich in aller Ruhe mit bisherigen Arbeiten des Mini-Jobbers vertraut machen und entscheiden, ob eine Auftragsvergabe sinnvoll erscheint.

In 4 Tagen zum fertigen Buchcover

Die meisten Designer bieten zusätzliche, kostenpflichtige Optionen an, wie die Übersendung des Covers als Photoshop-Datei, damit der Kunde nachträgliche Änderungen durchführen kann, die Optimierung des Buchcovers für eBook-Stores, oder die Erstellung und Lieferung innerhalb von 24 Stunden. Mir genügte jedoch die Erstellung eines eBook-Covers für $ 5, schließlich wollte ich den Dienst erst einmal testen. Außerdem zählt Geld auf meinem Konto zu den bedrohten Spezies.

Nachdem ich den Gig bestellt hatte, die erste Überraschung bei der Überweisung via Paypal (Kreditkarte wäre auch möglich, aber dafür muss man erst einmal kreditwürdig sein): Verlangt wurden nicht $ 5, sondern $ 5,50. Des Finanzrätsels Lösung: Fiverr will Geld verdienen (Kapitalisten!) und nascht $ 0,50 für "Bearbeitungsgebühren" mit. Was ich fairer als die "Mehrwertsteuer" finde – oder haben Sie den Eindruck, dass Ihr Fernseher mehr wert ist, wenn Sie 20% Steuern dafür abführen müssen? Na eben!

Die Bestellung des eBook-Covers unterteilt sich in 4 Schritte.

  1. Angabe des Autors, des Titels sowie gegebenenfalls des Untertitels. Da die Mini-Jobberin wie die meisten anderen auch englischsprachig ist, muss man Autorennamen und Buchtitel exakt übermitteln.
  2. Übermittlung von 2 Amazon-Links zu Buchcover, die einem gefallen. Dadurch soll der bevorzugte Stil des Auftraggebers herausgefunden werden.
  3. Soll das Buchcover für Kindle sein? Ja / Nein.
  4. Übersendung jenes Bildes, das aufs Cover kommen soll. Hierbei muss natürlich darauf geachtet werden, die Lizenz zur Veröffentlichung des Fotos zu besitzen.

4 Tage später erhielt ich das fertige Cover.

(Bild: © Can Stock Photo Inc. / chrisharvey)

Um endlich die Eingangsfrage zu beantworten: Waren es gut investierte $ 5?

Durchaus. Natürlich hätte ich ein ähnliches Cover selber erstellen können. Aber ganz ehrlich: Für den Gegenwert von etwa 2 Kaffee im Lokal erspare ich mir gerne die Mühe, zumal ich wie erwähnt kein besonders gutes Händchen für Buchcover habe. Spektakulär ist bestimmt anders – doch darf man das für ein paar Dollar (bzw. Euro) wirklich erwarten?

Gefährdet Fiverr die Branche?

In diesem Zusammenhang muss natürlich noch kurz das Offensichtliche angesprochen werden: Wie können Grafiker ihre Arbeiten zu solchen Dumpingpreisen verschleudern? Ich vermute, dass die Mini-Jobber zum einen eine Art Templates benutzen, die sie zB für bestimmte Genre-Cover verwenden, zum anderen verfügen viele von ihnen wahrscheinlich über jahrelange Erfahrung die sie befähigt, mehrere Aufträge täglich quasi "am Fließband" erledigen zu können. Während unsereins über die Auswahl oder Größe von Fonts stundenlang nachtüftelt, weiß ein erfahrener Grafiker, welcher Font zu welchem Bild bzw. welchem Genre passt. Andererseits bedeutet das natürlich, dass ein garantiert individuell gestaltetes, einzigartiges Cover kaum zu erwarten ist, da die Zeit dafür gar nicht ausreichte.

Eine existenzbedrohende Gefahr für das grafische Gewerbe sehe ich durch einen Dienst wie Fiverr nicht heraufdräuen. Wer große Ausgaben für ein Buchcover scheut, findet nunmehr die Möglichkeit vor, für ein paar Euro ein akzeptables Cover erstellen zu lassen. Für höhere Ansprüche werden sich Autoren bzw. Verlage auch weiterhin an die "Profis" wenden.

Abschließend noch ein Tipp für eBook-Autoren, die nicht zu tief in die Geldbörse greifen wollen, ohne Abstriche in Punkto Qualität machen zu müssen: Auf fairycovers.blogspot.de finden Sie vorgefertigte Cover zu fairen Preisen. Und nicht vergessen: Auch bei Büchern zählt der erste Eindruck!

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