Andreas Spaniol, Ulrike Beerbaum ...

Andreas Spaniol, Ulrike Beerbaum, Jörg Dathe, Lara Feith, Hannes Schumacher (Bild: © Thomas M. Jauk)

Langweilige Eltern, feurige Tochter

"Kabale und Liebe" eignet sich vorzüglich für ein gefülltes Haus, denn das Werk ist oftmals Schullektüre und lockte dementsprechend in der 2. Aufführung (14.2.2019) zahlreiche Jugendliche an, deren Anblick einen selbst zu einem Vorgreis machen. Schiller-Kenner haben bestimmt schon etliche Versionen auf dem Buckel, von denen vielleicht Falk Richters Fassung in der Schaubühne (1.12.2008) die beste sein dürfte. Das Musikerpaar Miller (Andreas Spaniol und Ulrike Beerbaum) ist gekennzeichnet durch Mediokrität und Alltäglichkeit, ohne sich irgendwelche Extravaganzen herauszunehmen. Während Miller noch einige individuelle Eigenheiten besitzt, versinkt seine Gattin wie die Repräsentantin einer artigen Hausfrau in tiefste Blässe. Ihre Tochter Luise (Lara Feith), unsterblich in Ferdinand (Hannes Schumacher) verliebt, besitzt viel Lebenshunger, Glut, Leidenschaft, etwas Naivität auch, und all das heftet sie an den Adelssohn, den Standesunterschiede nicht zu kratzen scheinen. Auch diese Liebe beansprucht Unendlichkeit und Ausschließlichkeit. Der Präsident als das Kraftzentrum des Infernalischen ist noch die interessanteste Figur, weil das Böse, gepaart mit etwas Intelligenz und Bauernschläue, seit jeher, von außen betrachtet, eine hohe Anziehungskraft hat. Der windige Wurm hingegen (Jonas Götzinger) ist in seiner Aasigkeit nur noch abstoßend.

 

Henning Strübbe, Jörg Dathe, Jonas ...

Henning Strübbe, Jörg Dathe, Jonas Götzinger, Andreas Spaniol, Ulrike Beerbaum, Hannes Schumacher, Lara Feith, Nadine Nollau (Bild: © Thomas M. Jauk)

Erleichterung für Deutschlehrer

Die 8 Schauspieler*innen "agieren" in Boxen, Kammern, Kabinen, wie man es nennen mag. Sie sind eingepfercht in ihren Zellen, ja isoliert. Doch viel spielt sich auch draußen ab, auf der Bühne und am Rand. Dort wird viel umarmt, gewütet, gestritten und gezerrt, bis die restliche Kapazität an Contenance aufgebraucht ist. Trotz aller Versuche, die Inszenierung in die Gegenwart zu ziehen und dadurch zu aktualisieren, hält der Regisseur zu viel von Werktreue, er hält an der Tradition fest und klammert sich eng an den Text, manchmal wird er ohne auffallende Korrekturen und Umwälzungen einfach nur heruntergespielt, was das Ganze ein wenig austrocknet und angestaubt wirken lässt. Da das Experimentelle und Avantgardistische wegfällt, haben es die Deutschlehrer bei Besprechung und Interpretation etwas einfacher. Rott hat ihnen einiges an Arbeit abgenommen. Wie so oft lässt sich auch hier sagen: Weniger wäre mehr gewesen!

 

Kabale und Liebe

von Friedrich Schiller

Regie: Tobias Johannes Erasmus Rott, Bühne & Kostüme: Susanne Füller, Dramaturgie: Natalie Drimeyer.

Es spielen: Jonas Götzinger, Lara Feith, Hannes Schumacher, Andreas Spaniol, Ulrike Beerbaum, Jörg Dahte, Nadine Nolau, Henning Strübbe.

Hans Otto Theater Potsdam, Kritik vom 14.2.2019.

Dauer: ca.3 Stunden, eine Pause

 

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