Sehenswürdigkeiten

Insgesamt sechs Kirchen und Kapellen standen in der Stadt mit dem Bischofssitz. Vier haben die Zeiten überdauert. Der wichtigste Bau ist der Dom St. Marien mit den Bauten des ehemaligen Klosters und Domstifts. Die Hauptkirche der Hansestadt Havelberg war St. Laurentius. Das Beginenhospital St. Spiritus auf dem Salzmarkt und das Hospital St. Gertraud und St. Annen vor dem Steintor hatten eigene Kapellen. Eine Kapelle St. Crucis stand etwa am Standort der Stadtschule. Zum Hospital St. Georg gehörte eine um 1520 gebaute Kapelle am Calvarienweg.

Der Havelberger Dom "St. Marien" war die Bischofskirche des Bistums Havelberg, das unter Otto I. 948 gegründet wurde. Ab 1151 wurde der heutige Bau errichtet. Seine Weihe fand 1170 statt. Zwischen 1279 und 1330 wurde nach einem Brand das Langhaus gotisch wieder aufgebaut. 1907 wurde der Westturm um ein neoromanisches Glockengeschoss mit Dachreiter aufgestockt. Seit 1996 ist der Dom Eigentum der Domstiftung des Landes Sachsen-Anhalt. Bedeutsam sind die Ornamentfenster. Das Chorgestühl stammt aus der Zeit um 1300. Ebenso die Kreuzigungsgruppe und die 3 Kerzenleuchter aus Sandstein. In der Chorschranke, die um 1400 entstand, sind 20 Relieffiguren zu finden. Die zeigen, ebenso wie die Buntglasfenster, Szenen aus dem Leben Jesu. Orgelprospekt, Kanzel und Hochaltar sind etwa 1700 geschaffen worden. Heute gilt der Havelberger Dom als eine der wichtigsten touristischen Attraktionen entlang der Straße der Romanik.

Das Havelberger Prämonstratenserdomstift wurde 1150 gegründet. Der Konventbau des Klosters wurde nach 1150 fertig. Er ist in Backstein errichtet und gehört damit neben den Klosterbauten in Jerichow zu den ältesten romanischen Backsteinbauten in Norddeutschland. Das langgestreckte Gebäude schließt sich südlich an den Chor des Domes an. Nach der Umwandlung des Klosters in ein weltliches Stift 1506 standen die Gebäude weitgehend leer oder wurden zeitweise ganz unterschiedlich genutzt. Zahlreiche Um- und Einbauten zogen die mittelalterliche Bausubstanz stark in Mitleidenschaft. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden einige Teile restauriert, darunter der Paradiessaal und die Kreuzgänge. Heute ist im Obergeschoß der Stiftsgebäude das Prignitz-Museum beheimatet. Im Erdgeschoß gibt es zwei Kapellen.

Die Hospitalkapelle St. Spiritus steht auf dem Salzmarkt. Der rechteckige Backsteinbau mit hohen gotischen Fenstern stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts. Durch spätere Umbauten ist von außen nur noch an der Seite zum Salzmarkt der ehemals sakrale Zweck des Gebäudes erkennbar. Lange Zeit diente die Kapelle als Gotteshaus des Beginenhospitals.

Über die Gründung der achteckigen Hospitalkapelle St. Anna vor dem Steintor ist wenig bekannt. Als Bauzeit ist das 15. Jahrhundert anzunehmen. Sie ist eine von wenigen mittelalterlichen als Zentralbauten angelegten Kirchen in der Mark Brandenburg. Der Bau hatte zwei Portale. Das zur Steintorbrücke ist mit einem Backsteinkreuz geziert. Ein zweites Portal zum Hohlweg ist heute vermauert. Die flache Holzdecke im Inneren ist seit 1907 mit einem Sterngewölbemuster verziert. Aus dieser Zeit stammen auch der Ziegelboden, die Eingangstür und die Verglasung der Fenster. Im Osten steht ein steinerner Altartisch.

Im 15. und l6. Jahrhundert war die Kapelle das Gotteshaus des in der Nähe gelegenen Hospitals St. Gertraut und St. Annen. 1907 erfolgte nach vielen Jahren des Zerfalls eine Instandsetzung und der Bau wurde als Leichenhalle genutzt. 1995 folgte eine weitere Sanierung und der Umbau zu einer Traukapelle.

Die Stadtkirche St. Laurentius, ein gotischer Backsteinbau im Zentrum der Stadt, ist das älteste Gebäude auf der Insel. Die Meinungen über die Entstehungszeit der Kirche gehen stark auseinander und reichen von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis in die Mitte 15. Jahrhundert. Eine erste schriftliche Erwähnung der Stadtkirche von 1340. Der jetzige Bau besteht aus Westturm, dreischiffigen Langhaus und einem oktogonal geschlossenen Chor. Westlich am Turm befindet sich ein zweistöckiger Anbau mit der Türmerwohnung. An der Süd- und Nordseite des Chores entstanden im 17. Jahrhundert weitere Anbauten. Die Kirche ist mit einem hölzernen Kreuzgewölbe ausgestattet. Bis 1660 wurde an der Wiederherstellung der Kirch gearbeitet. Dabei wurden Kirchturm, Dach, Holzdecke und die zerstörte Ausstattung erneuert. Auch die heute das Stadtbild prägende Turmhaube entstand in jener Zeit. 1817 erhielt die Kirche einen neuen neogotischen Altar mit einem Gemälde der Kreuzabnahme von Bernhard Rhode. 1956 wurden neue Glocken aufgehängt. Das Kircheninnere wurde 1970 ausgemalt und von 1985 bis 1991 wurde das Dach saniert. Bis 2015 folgten weitere Instandsetzungsarbeiten. Die Laurentiuskirche ist in diesem Jahr der Veranstaltungsort für die Havelberger Blumenhallenschauen im Rahmen der Bundesgartenschau 2015.

Geschichte

Das Bistum Havelberg wurde im Jahre 948 durch König Otto I. begründet. 1151, also wenige Jahre nach der Wiederkehr der Deutschen Herrscher in den Gebieten östlich der Elbe, erhielt Havelberg die Stadtrechte und wurde wieder Bischofssitz. Die Havelberger Bischöfe residierten allerdings an 1273 meist auf der Burg Wittstock. 1310 entstand das erste Rathaus der Stadt. 14. Jahrhundert trat die Stadt dem Städtebund der Hanse bei. Um 1400 wurde die spätgotische Kapelle des St.-Spiritus-Hospitals errichtet.

Anfang des 15. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Pfarrkirche St. Laurentius unter Einbeziehung eines älteren Vorgängerbaus begonnen. Sie erhielt 1660 den Westturm mit der barocken Haube. 1627 wurde das Rathaus durch dänische Truppen zerstört. Erst 1698 konnte ein Neubau des Rathauses bezogen werden. Von 1688 bis 1698 wurden in Havelberg für die Marine des Kurfürsten von Brandenburg mehr als 15 hochseetüchtige Schiffe gebaut.

1716 war in Havelberg die große Politik zu Gast. Hier trafen sich der russische Zar Peter der Große und der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. Bei dieser Gelegenheit wurden Gastgeschenke ausgetauscht. Preußen übergab dem Zaren das Bernsteinzimmer und erhielt dafür Soldaten zur Verstärkung der "Langen Kerls", der Garde des Soldatenkönigs.

Seit 1750 ist der Havelberger Pferdemarkt nachweisbar. Die klassizistische Domschule westlich des Doms wurde 1803 bis 1815 erbaut. Von 1856 bis 1901 wurde ein Teil der Domschule als Kaserne genutzt. 1854 gab es mal wieder Bedarf für ein neues Rathaus. 1870 kam es zu einem verheerenden Stadtbrand.

Bis 1952 gehörte Havelberg zum Landkreis Westprignitz im Land Brandenburg. Mit der Auflösung der Länder und der Bildung der Bezirke und Kreise in der DDR wurde Havelberg Kreisstadt des Kreises Havelberg im Bezirk Magdeburg. Bei der Neubildung der Bundesländer nach 1990 kamen Stadt und Kreis Havelberg zum Land Sachsen-Anhalt. Seit 1994 gehört die Stadt zum Altmarkkreis Stendal.

Seit dem 1. Juni 2008 trägt Havelberg in Erinnerung an die Zugehörigkeit zu diesem Städtebund den Namenszusatz Hansestadt.

Lage und Anfahrt

Havelberg liegt im äußersten Nordosten des Bundeslandes Sachsen-Anhalt an der Havel kurz vor ihrer Mündung in die Elbe. Die Bundesstraße B 107 führt durch die Stadt. Sie ist etwa 55 Kilometer von der Anschlussstelle Neuruppin an Bundesautobahn A 24 entfernt. Zur Bundesstraße B 5 sind es 19 km.

Mit der Bahn ist Havelberg über den Bahnhof Glöwen und mit den von dort verkehrenden Bussen zu erreichen

Die Lage an der Havel erlaubt auch die Anreise per Boot aus verschiedenen Richtungen. Es gibt eine Marina im Winterhafen und einen Campingplatz auf der Spülinsel.

Mehr zum Thema

  1. Hansestadt Havelberg
  2. Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt
  3. Prignitz-Museum
Autor seit 3 Jahren
195 Seiten
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