Peter Trabner

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Trockener Vortrag, lustiger Inhalt

Martin Clausen hat zur Verstärkung die beiden Performer Rahel Salvodelli und Peter Trabner hinzugenommen. Trabner, kolossal stabil und ansatzweise pyknisch, ist fernsehfilmerprobt und spielt sehr physisch mit einer Art steifer Gelenkigkeit. Salvodelli, ein altes Gewächs in der Freien Szene von Lubcricat bis Ballhaus Ost bis heute, spielt als einzige Frau, relativ nüchtern übrigens, abgesehen von kleineren, eher feinnervigen Gefühlsausbrüchen. Im Hintergrund brodelt vom Keyboard untermalte Geigenmusik, verhalten virtuos und eher unaufdringlich. Die Musiker Mario Schulte, Doc Schoko und Harald Wissler beschränken sich allerdings nicht nur auf die Erzeugung nicht gerade berauschender, aber noch hörbarer Klänge – sie greifen ins Geschehen ein und tragen Texte vor mit einer Staubtrockenheit, mit der man normalerweise in aseptischer Atmosphäre einen medizinischen Befund vorbringt. Der Gesichtsausdruck, der höchstenfalls in ein angedeutetes, kaum merkliches Schmunzeln abgeleitet, ist trocken, die Inhalte aber nicht. Exzentrisch und verschroben und grotesk sind sie zuweilen, als habe man die Absicht, ein neues Gegenüber sanft abzuschrecken. Einen Kasper spielt niemand, man kokettiert nicht mit dem Publikum: Das lustige Element entspringt allein dem Gesagten, und die Zuschauer sind dankbar dafür, dass sie gelegentlich lachen dürfen. Das Spielerische erdrückt nicht selten jene stillschweigenden gesellschaftlichen Übereinkünfte, die selbst ethnische Unterschiede überlagern.

 

Ein arg spielerisches Ensemble

Die Bühnenwände sind in ein zartes Rosa gehüllt. Wände, gegen die man nicht laufen kann, Deadlock. Einmal versucht Martin Clausen auszubrechen, er schiebt eine Wand vor und findet eine Lücke. Aber Trabner passt auf und zieht ihn an den Beinen zurück in den Parcours, wo es keine Flucht aus der Kommunikation gibt und alle ausharren, ob sie wollen oder nicht. An der Rückwand ist ein Baum abgebildet, mit zahlreichen Ästen, doch der einzige Ast zum Anklammern ist der Andere. Ein Musiker redet über seine Angst als ständiger Begleiter, ein anderer über seine angeblich verschmierte Windschutzscheibe, die von "freiwilligen" Wischern penetrant belagert wird. Alle Akteur*innen bauen sich auf der Bühne auf und reden über ihre Körpergröße. Die liegt im Bereich des Durchschnitts (obwohl man kein Durchschnitt sein möchte), nur ein Einziger ist von 173 cm auf 170 cm geschrumpft. Wahrscheinlich zu viele bedröhnte Partys, aber später hören die Zuschauer von ganz anderen Party-Erlebnissen: Das absichtliche Wegbleiben. Vermutlich wird man dadurch interessant – und interessant wollen sich alle Figuren an diesem Abend machen. Die erzählten Geschichten streifen das Bizarre, was gemeinhin für eine gelöste Kontaktaufnahme nicht unbedingt förderlich ist. Das leichtfüßige Aufeinandertreffen ist im Grunde die Präsentation des jeweils eigenen Andersseins. Und das – auch entspannt tänzelnde - Ensemble ist viel zu friedlich, ja aggressionsfrei – die Bosheiten sind eher subtil und versteckt. Einmal küssen sich Salvodelli und Clausen mit Inbrunst, leider dominiert die Attitüde, das Gewollte. Man möchte nett sein, ohne das ganz Nette zu erreichen. Das ist auch ein Problem des Abends: Das Einstudierte sieht zu wenig nach Improvisation aus. Die ernsten Dinge des Lebens werden kaum angesprochen, die Gewalttendenz ist ausgespart. Die Peformance ist locker und frisch und arg leicht. Etwas zu leicht – bei all der Leichtigkeit laufen Martin Clausen und Kollegen Gefahr, dass sich alles in Luft auflöst.

Come Together

Produktion: Martin Clausen und Kollegen

Konzept/Regie: Martin Clausen, Raum: Ivan Bazak, Licht: Benjamin Schälike, Kostüme: Lisa Kentner & Malena Modéer.

Es spielen: Rahel Salvodelli, Peter Trabner, Martin Clausen.

Musiker: Mario Schulte, Doc Schoko, Harald Wissler.

Hebbel am Ufer 3 Berlin

Premiere vom 26.02. 2016

Dauer: 1 Stunde, 15 Minuten

 

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