Heidelandschaft

(Bild: Skitterphoto / Pixabay)

Heidekraut, Gemeine Besenheide, Calluna vulgaris

Dieses weit bekannte Heidekraut wird immer fälschlich als Erika bezeichnet, obwohl es mit den anderen Pflanzen der Gattung Erica außer der Familie nicht viel gemein hat; schon gar nicht die Lebensansprüche.

Das Heidekraut ist ein Zwergstrauch, der bis 60 cm hoch wird. Hauptblütezeit von Juli-August/September, die Blätter dachziegelartig in 4 Zeilen angeordnet.

  • Blüten hellviolett, weiß bis purpurfarben und kelchförmig stehen in dichten einseitswendigen Trauben. Die jeweils vier Kron- und Kelchblätter sind gleich gefärbt; dabei sind die Kelchblätter deutlich länger. Es sind acht Staubblätter vorhanden. Die Staubbeutel besitzen jeweils zwei hornartige Anhängsel. Um den Pollen zu entlassen, öffnen sie sich mittels endständiger Poren.
  • Bei der Besenheide beginnt die Blühreife mit vier Jahren.
  • Es wird eine vierfächrige Kapselfrucht gebildet.
  • Die Blätter haben auf Unterseite eine von Haaren umstandene Mulde, in der die Spaltöffnung in Längsrichtung ausgebildet ist (Rollblätter). Das dient als Schutz vor unnötiger Verdunstung - Anpassung an trockene Standorte.
  • Vorkommen: Heidegebiete, Magerweiden, lichte Kiefer- und Eichenwälder, Moore und trocken gelegte Moorgebiete, im Gebirge bis 2.500 m Höhe. Kalkmeider!
  • Lichtkeimer,
  • Die Wurzeln geben Tannine an den Boden ab und verhindern so, dass Bäume im Heidegebiet Fuß fassen.

Anmerkung: Schottische Einwanderer führten die Besenheide im 19. Jahrhundert nach Kanada ein. Seitdem breitet sie sich in Nordamerika aus und gilt dort als Neophyt.

 

Calluna vulgaris, Sommerheide/Besenheide

Calluna vulgaris - ein zartes Pflänzchen (Bild: a.sansone)

Für welche Insekten ist die Besenheide wichtig?

Neben den Honigbienen (Heidehonig!) und Hummeln wird sie besonders vom Ockergelben Blattspanner und Schmetterlingen angeflogen. Eine weitere Bestäubung ist auch durch die winzige Blasenfuß-Art Taeniothrips ericae ("Gewitterwürmchen") möglich. Die Weibchen fliegen auf der Suche nach den ungeflügelten Männchen von Blüte zu Blüte und bestäuben dadurch die Blüten. Auch Windbestäubung ist möglich. Wenn der Insektenbesuch unterbleibt, verlängern sich die Staubfäden und es wird reichlich Pollen mit dem Wind übertragen. Clever, wie Pflanzen halt so sind!

Aber auch als Futterpflanze für viele Schmetterlingsarten ist sie wichtig:

  • für Kiefernheidensackträger, das Heidekraut-Eulchen, die Moor-Bunteule, den grünen Moorheidenspanner oder den Komma-Dickkopffalter.
  • Als "Medizin" gilt der Nektar der Besenheide gegen Darmparasiten Crithidia bombi der Hummeln befällt.

Bienentrachtpflanze – Heidehonig

Wo kommt der Besen im Namen her?

Calluna leitet sich von gr. kallyno=ich fege, ich reinige ab. Früher verwendete man das getrocknete Heidekraut zum Kehren und Fegen – daher der Name "Besenheide".

 

Emperor Moth/Kleines Nachtpfauenauge Rape (Bild: Alastair Rae / Flickr)

Wo die Heide wächst, sind auch die Moore nicht fern

Sie wächst bevorzugt auf trockenen, aber auch auf wechselfeuchten Böden, beispielsweise in Nahbereichen von Mooren. Aber auch auf sonnigen bis lichten Standorten, vornehmlich auf kalkfreien Sandböden gedeiht sie. Besonders in sandigen Bereichen ist sie ein wichtiger Bodenfestiger.

Die Besenheide kommt vom Flachland bis in Höhenlagen von 2.500 Metern vor.

Wo kommt die Besenheide vor?

Die Heideflächen Europas werden vor allem von der Besenheide (Calluna) und ihren Verwandten aus der Gattung Erica (Glockenheide, Graue Heide, Rosmarin-Heide und Cornwall-Heide) geprägt. 

Heidegebiete:

Es gibt allein in Deutschland weit über 100 Heidelandschaften. Die berühmteste, die größte und aus touristischer Sicht beliebteste unter ihnen ist die Lüneburger Heide. Bekannt und als Wandergebiete interessant sind aber auch die Colbitz-Letzlinger Heide in Sachsen-Anhalt, die Dresdner Heide, die Senne in Nordrhein-Westfalen, die Ohligser Heide in Solingen, die Schorfheide in Brandenburg und die Hochheide auf dem Ettelsberg im Rothaargebirge. Aber auch Küstenbereiche an der Nordsee sind von dem Rosa der Besenheide geprägt.

Quelle: quermania.de

Darüber hinaus sind große Heidebestände in den vom Golfstrom geprägten Ländern zu finden (Atlantische Heidelandschaften) auf den Britische Inseln zB in Cornwall, Irland, Nordwesteuropa.

 

 

Lüneburger Heide mit Heidschnucken
Lüneburger Heide 190909 274.jpg

Lüneburger Heide 190909 274.jpg (Bild: juergen.mangelsdorf / Flickr)

Heidekraut = Heilkraut

In der Volksmedizin wird ein harndesinfiszierender und wassertreibender Tee aus getrockneter Heide empfohlen. Auch bei Rheuma und Gicht und in manchen Schlaftees als Beigabe.

Man kann für Aufgüsse auch blühende Sprossspitzen samt der Blätter verwenden.

(Bild: Hans / Pixabay)

Die Besenheide war 2019 Blume des Jahres

Die Loki Schmidt Stiftung hat diese hübsche Pflanze zur Blume des Jahres 2019 ernannt. Damit möchte die Stiftung wie immer darauf aufmerksam machen, dass die Besenheide zu den gefährdeten Pflanzen zählt, deren Lebensräume verschwinden und sich zugleich für den Erhalt und die Pflege der Heidelandschaften einsetzen.

Ihr Plus, besonders in den Zeiten des Klimaumbruchs: Sie ist perfekt an karge Böden angepasst.

Auf mageren, sauren und trockenen Böden gedeiht die Besenheide besonders gut. Für viele, teils seltene Insekten ist sie eine nachhaltige und verlässliche Futterquelle und Brutstätte.

Was ihr schadet sind Verbauung und verstärkter Stickstoffeintrag über die Luft. Diese "Überdüngung" schadet der Wurzelbildung der Pflanze und führt außerdem dazu, dass sie von Gras überwuchert wird.

Was ihr nützt: Durch händisches Entfernen von Jungbäumen sollen die Heidelandschaften offen gehalten werden.

Heidekräuter im eigenen Garten

Wer von Natur aus kargen, sauren Boden hat, der kann sich die Besenheide in ganz vielen Sorten, von weiß über blassrosa bis purpurfarben, in den Garten holen. Sonst kann man den Boden mit Rhododendronerde für die Calluna-Sorten aufbessern. Eine naturnahe Heidelandschaft anlegen und sich daran freuen. Um den für Heidelandschaften typischen Farbenteppich zu erzielen, sollte man das Heidekraut aber in kleinen Gruppen anpflanzen.

Der ideale Standort für Heide ist ein Platz an der Sonne

Heidegarten mit Sommerheide, Gräsern und Zwergkiefern © imago images / McPHOTO
Sie benötigen viel Sonne, daher ist eine Südlage ideal. Bei anhaltender Trockenheit muss allerdings - auch im Winter - zusätzlich gewässert werden. Große Steine und skurrile Baumwurzeln mit eingebunden, so wirkt die Gestaltung noch natürlicher. Andere Moorbeetpflanzen dazu kombinieren und sommers blühende Zwiebelpflanzen.
Auch für trockene Böschungen ist sie bestens geeignet.

Als Zierpflanze wird sie oft als "Calluna(heide)" oder "Sommerheide" in zig Sorten angeboten. Die "Knospenheiden" allerdings sind unfruchtbar und nicht als Insektenweide geeignet.

 

Wer unbedingt die Besenheide mit der Schneeheide kombinieren möchte, muss gärtnerische Spitzfindigkeiten beweisen; gedeihen doch beide auf ganz unterschiedlichen Böden. Mein erstes Experiment in dieser Hinsicht endete mit dem kläglichen Verkümmern der Schneeheide. Heute bin ich klüger. Jede an ihrem Platz, aber schön räumlich getrennt.

Quellen

  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • Teufelsfeige und Witwenblume, Pichler/Geiser/Zuber; Christoph Merian Verlag, 2010 Bern
  • Das geheime Leben der Pflanzen, Attenborough; Scherz Verlag, 1995 Bern
  • Flora Helvetica, Lauber/Wagner; Haupt Verlag, 2014 Bern
  • Blick ins Buch der Natur, Bardorff; Gutenberg, 1963
  • Handwörterbuch der Pflanzennamen, Zander, Ulmer, Stuttgart 2008
  • Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen, Helmut Carl; Quelle & Meyer, Wiesbaden 1995
Adele_Sansone, am 16.02.2020
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Bildquelle:
a.sansone (Heidekräuter - eine Gattung der Vielfalt)
a.sansone (Schneeheide, Winterheide - Blüten im ausgehenden Winter)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Was ist ein Niedermoor, Hochmoor, Sumpf?)

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