Meersaum (Bild: a.sansone)

Von den Salzwiesen bis zu den Grau- und Braundünen

Wind, Salz und Meer sind bestimmend für die Pflanzen am Rand des Wattenmeeres. Hier kann nur überleben, wer gelernt hat mit dem Salzgehalt zurande zu kommen. Vom Meeressaum aufsteigend werden die Lebensräume in folgende Zonen eingeteilt:

  • Salzwiesen: je nach Lage (untere, mittlere, obere) werden sie regelmäßig bis zu 2 x täglich überflutet; das bedeutet, die Pflanzen stehen etwa 700 Mal im Jahr für einige Stunden unter Wasser. Da muss man schon einiges aushalten können. Die sogenannte "Spülsaumgesellschaft" besteht etwa aus Queller, Meersenf, Kali-Salzkraut und Strand-Salzmelde.
  • Embryonal- oder Primärdünen: Strandweizen,
  • Weiß- oder Sekundärdünen: markant durch den noch sichtbaren weißen Sand. Strandhafer
  • Grau- oder Braundünen: Der Humus (braun) ist bereits ausgeprägt. An den Südhängen typische Trockenrasenflora. An der Nordseite wachsen Farne, Heidekräuter, Dünenrose und Kriechweide.

 

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Wie eine Düne entsteht

Klein, klein fängt alles an. Ein ebener Strand, der immer wieder umspült wird, lässt kleinstes Material sich ablagern. Dies ermöglicht Samen, sich in diesem Mulchmaterial einmal festzusetzen. Der Same keimt, die Pflanze wächst. Im Windschatten dieser Pflanze kommt es zu ersten Sandanhäufungen. Die Pflanze stirbt ab, dient selber als fruchtbarer Boden, weitere Pflanzen siedeln sich an. Über die Zeit wächst dieser winzige Sandhügel immer mehr, eine flutsichere Düne entsteht.

Meersalz - Überlebensstrategien der Pflanzen

Salz entzieht der Pflanze lebenswichtiges Wasser. Was also tun, um dennoch so nahe am oder sogar im Salzwasser umspülten Küstensaum zu überleben?

  • Absonderung des Salzes durch Pflanzenteile, wie Haare oder sogar Drüsen, die Salz ausscheiden.
  • Eindämmung der Meerwasseraufnahme.
  • Hemmen der Verdunstung durch eine Wachsschicht (Kutikula), ähnlich, wie es die Hochgebirgspflanzen machen.
  • Aufbau von Zuckermolekülen, um das Salz zu neutralisieren.

Einige leicht erkennbare Arten werden hier vorgestellt. Auf die verschiedenen Gräser, die alle schwer unterscheidbar sind, wird hier nicht näher eingegangen.

Queller (Bild: adele sansone)

Queller, Salzmiere und Meersenf - Pflanzen auf Salzwiesen bis zu den Weißdünen

Queller Salicornia europea:

Der quietschgrüne Queller (Gänsefußgewächse) erinnert flüchtig an den Schachtelhalm. Er hat eine besondere Strategie für das Salz entwickelt. Der Queller nimmt große Mengen an Salz auf und häuft es im Gewebe an. Dadurch strömt Wasser ein und er quillt auf - Name! Die Bestäubung erfolgt unter Wasser durch Schwimmpollen. Wird der Salzgehalt zu groß, stirbt das Chlorophyll ab, die Pflanze wird leuchtend rot. Typische Herbstfärbung der unteren Salzwiesen. Durch die Rasenbildung ist er ein wichtiger Verlandungspionier. Eine genießbare Wildpflanze.

Salzmiere Honckenya peploides:

Die im Frühsommer weiß blühende Salzmiere gehört zu deSalzmiere als Bodendeckern Nelkengewächsen. Im Herbst färben sich die dreiklappigen Fruchtkapseln gelb. Der Same ist weinrot. Sie übersteht mit ihren dickfleischigen Blättern nicht nur die regelmäßigen Meerwasserüberspülungen, sondern kann auch durch Flugsand zugedeckt werden, wächst aber brav wieder heraus. Durch ihre dichte Pflanzendecke schützt sie den darunterliegenden Sand vor Verblasung.

Europäischer Meersenf Cakile maritima:

Er gehört zu den Kreuzblütlern. Kostet man von den salzigen dicklichen Blättern, schmecken sie senfartig, daher der Name. Blasslila oder rosa sind die Blüten von Juli bis Oktober. Die schotenartigen Früchte werden leicht gelblich. Auch er ist eine Pionierpflanze, die sowohl Salz als auch Versandung gut durch seinen niedrigen Wuchs übersteht. Seine fleischigen Blätter mit dicken Zellwänden speichern Regenwasser und senken so die Salzkonzentration in der Pflanze. Er kann als Wildsalat verwendet werden.

Spülsaum-Bewuchs

Spülsaum-Bewuchs (Bild: adele sansone)

Pflanzen der Salzwiesen

Halligflieder (Bild: adele sansone)

Strandflieder (Halligflieder), Strand-Salzmelde und Strand-Wermut - Bewohner der Salzwiesen

Strandflieder auch Halligflieder Limonium vulgare

Dieses "Flieder" genannte Grasnelkengewächs gedeiht nicht nur im Norden, sondern auch am Mittelmeer, etwa auf den griechischen Inseln. Die Blätter des Strandflieders besitzen Salzdrüsen, an denen überflüssiges Salz ausgeschieden wird. Die glitzernden Salzkristalle kann man bei trockenem Wetter dann auf der Blattunterseite bewundern. Die Pflanzenfamilie - Bleiwurzgewächse - bedeutet, dass die Wurzeln die Haut bleigrau einfärben. Die Pflanze ist geschützt. Viele liebevolle volkstümliche Namen, wie eben Halligflieder, Wattflieder, Bundesstave oder Widerstoß existieren.

Strand-Salzmelde Atriplex portulacoides

Der botanische Artnahme "portulacoides" weist schon auf die Ähnlichkeit zum Portulak, der Gemüsepflanze, hin. Die Salzmelde ist allerdings ein Mini-Baum der Gänsefußgewächse. Die verholzenden, dicht verzweigten Triebe werden maximal 1 m lang. Sie wächst an Prielrändern, das überschüssige Salz verlagert sie in die Härchen. Beliebt ist diese Pflanze bei den Brutvögeln, da sie ausreichend Schutz in ihrem Geäst bietet.

Strand-Beifuß auch Strand-Wermut Artemisia maritima

Die typisch weißlich-grüne Färbung lässt den Strand-Wermut hervorstechen. Auch sein Duft beim Zerreiben der Blätter ist markant. Die Färbung stammt von den zahlreichen Härchen, die zur Salzentsorgung dienen. Sie fallen ab, wenn genügend Salz eingelagert ist. Lokal wird der getrocknete Strand-Wermut als Mottenmittel verwendet.

Dünenpflanzen

Friesenrose (Bild: adele sansone)

Friesenrose, Strand-Grasnelke, Hauhechel, Kuckuckslichtnelke und Strandwinde - Blütenpflanzen der Dünenzonen in rosa

Friesenrose oder Kartoffel-Rose Rosa rugosa

Sie begleitet den Besucher vom untersten Strandabschnitt bis in die Gärten der Bewohner, die pinkfarbene Rose. Im Herbst leuchten dann die äpfelchengroßen Hagebutten. Am häufigsten vertreten ist sie in den Braundünen. Den Friesen ist sie so lieb, dass sie sogar das Teegeschirr mit ihrem Porträt verzieren. Der weiß blühenden Dünen- oder Bibernellrose hat sie bereits den Rang abgelaufen.

Strand-Grasnelke Armeria maritima

Auch wenn sie der Vertreterin im Hochgebirge täuschend ähnlich sieht, sie steht standhaft in den oberen Salzwiesen, aber auch auf den Weideflächen leuchten ihre rosa Köpfchen. Auch sie ist, wie ihre Gattungsschwester, der Halligflieder, streng geschützt.

Dornige Hauhechel Ononis spinosa

Die typischen Schmetterlingsblüten der Hauhechel heben sich hübsch vom dunkelgrünen Laub ab. Achtung! Die behaarten Sprossachsen verbergen die äußerst schmerzhaften bis zu 2 cm langen Dornen. Der Zwergstrauch ist auch als Heilpflanze bekannt.

Kuckucks-Lichtnelke Silene flos-cuculi

Auch ihre Art steigt bis ins Hochgebirge. Am Nordseestrand ist sie ein guter Salzanzeiger, weil sie erst in den bereits süßeren Bereichen der Salzwiesen überleben kann. Die ersten Nelkenblüten erscheinen im Frühjahr zeitgleich mit dem ersten Rufen des Kuckucks; daher rührt ihr Name.

Strand-Winde Calystegia soldanella

Eine äußerst seltene Pflanze, der Zaunwinde ähnlich, aber umso hübscher, wenn man sie entdeckt. Hellrosa gefärbt mit deutlichen weißen Streifen. Sie ist vom Aussterben bedroht. Deshalb: nicht pflücken, nur fotografieren!

 

Gänse-Fingerkraut (Bild: a.sansone)

Gänse-Fingerkraut, Hornklee, Leinkraut und Sand-Nachtkerze - Gelb von den oberen Salzwiesen bis in die Braun-Dünen

Gänse-Fingerkraut Potentilla anserina

Leicht zu erkennen an seinen goldgelben Blüten und den unterbrochen gefiederten Blättern, wächst dieses Rosengewächs bereits in den Salzwiesen. Die immergrünen Blätter dienen den überwinternden Gänsen als Nahrung.

Hornklee Lotus corniculatus und Salzhornklee Lotus tenuis

Dieser Klee wächst von den Salzwiesen aufwärts bis zu den Dünenhängen. Die Wurzelknöllchen, die den Bodenstickstoff binden, lassen ihn auch sehr magere Böden besiedeln.

Leinkraut Linaria vulgaris

Die leuchtend gelben Köpfchen des Rachenblütlers wachsen bereits im Bereich der Weißdünen. Sie bevorzugen sonnige Standorte. Mit den Blüten färbte man früher Leinen, daher der Name.

Sand-Nachtkerze Oenothera oakesiana

Sie leuchtet mit ihren Blüten in der Gesellschaft der Dünengräser. Auch hier wurde die Nachtkerze im 17. Jahrhundert aus Nordamerika eingeführt und verbreitete sich rasch. Im Volksmund hieß sie "Antje Möhm, wor laat is dat?", da man nach ihrer Aufblühzeit gegen 19.oo Uhr quasi die Uhr stellen konnte.

Weitere gelb blühende Pflanzen in den Dünen und an Weg- und Feldrändern sind: Acker-Gänsedistel, doldiges Habichtskraut, Klappertopf, echtes Labkraut, Rainfarn und Stechginster.

Die Farbe Lila

Wer diese Blütenfarbe liebt ist an der Nordsee ganz gut aufgehoben. Es beginnt mit dem Halligflieder bereits im Frühsommer, dann übernimmt die Strandaster Aster tripolium das Regiment

Das teilt sie sich mit den verschiedenen Heidekrautarten, wie Besenheide Calluna vulgaris und Glocken-Heide Erica tetralix.

Die Stranddistel Eryngium maritimum oder das Tausendgüldenkraut setzen noch ein paar zusätzliche Farbtupfer drauf.

Strand-Aster

Strand-Distel

Und wer lebt da?

Wer sich nun fragt, wer an tierischen Bewohnern all diese wunderbaren widerstandsfähigen Pflanzen nutzt, der kann hier weiterlesen: Die Vogelwelt an der Nordsee

Quellen

Natürlich die eigene zu Fuß Eroberung der liebenswerten Nordfriesischen Landschaften und als hilfreiche Unterstützung:

 

  • Pflanzen und Tiere der Küste, Pott; Ulmer Verlag, 2006 Stuttgart
  • Wissen Wattenmeer, Wilhelmsen/Stock; Wachholtz, 2011 Neumünster
Adele_Sansone, am 25.08.2013
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/5-gute-gruende-fuer-einen-urlaub-auf... (Föhr und die Nordsee - 5 gute Tipps für einen Urlaub)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Griechenland, griechische Inseln und ihre besondere Pflanzenwelt)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Sardinien - Was blüht auf dieser Insel?)

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