Wie kann Körperwärme als zusätzliche Energiequelle genutzt werden?

Körperwärme als Heizung zu nutzen ist, laut Sundholm, in nordischen Ländern eine alte Technologie. Die Nutzung mittels Körperwärme der Bahnhofs-Besucher Wasser aufzuwärmen, das dann durch Rohre zu dem geplanten Bürogebäude geleitet wird, sei allerdings noch nicht erprobt..Die Umsetzung der Pläne ist, laut Sundholm, weder kompliziert noch teuer. Der Bau von Pumpen und Rohrleitungen kostet demnach für das geplante Objekt rund 21.200 Euro zusätzlich zu den Baukosten. Im Vergleich zu den gesamten Baukosten in Höhe von mehreren hundert Millionen Kronen mache dies nicht viel aus, sagte Sundholm.

Für viele Menschen scheint die Vorstellung Gebäude mittels Körperwärme zu heizen ein Witz zu sein. Das liegt daran, daß bei alten Gebäuden die erforderliche Heizleistung so hoch ist, daß die rund 100 Watt Wärmeleistung pro Mensch nicht ins Gewicht fällt. Dennoch spielt sie bei Behausungen hochgedämmten Gebäuden wie Passivhäusern eine große Rolle.

Die Wärmerückgewinnung ist das eigentliche Geheimnis des Passivhauses: Die frische Luft von draußen wird mit der Energie der warmen Luft von drinnen aufgeheizt – so reicht zum Heizen des Hauses beinah ausschließlich die Körperwärme der Bewohner.

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Die Grundlagen der Körperwärme

Eine fachliche Einordnung liefert ein Beitrag des Solarthermie‑Herstellers Paradigma, der die Wärmeabgabe des Menschen und ihre Bedeutung für Innenräume verständlich zusammenfasst.

Nach Angaben des Fachportals Paradigma gibt ein Mensch im Ruhezustand rund 80 bis 100 Watt Wärmeleistung ab. Diese Energie entsteht durch Stoffwechselprozesse und wird kontinuierlich über die Haut an die Umgebung abgegeben. Bei körperlicher Aktivität steigt dieser Wert deutlich an. Interessant ist auch die Tagesbilanz: Rechnet man die Wärmeabgabe über 24 Stunden zusammen, kommt man auf rund 2,9 kWh pro Person. Wie stark diese Wärme im Raum ankommt, hängt von Kleidung, Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur und der Qualität der Gebäudehülle ab. In gut gedämmten Räumen kann die Körperwärme deshalb messbar zur Temperaturstabilität beitragen – ein Effekt, der in Passivhäusern besonders deutlich wird.

Wie alles begann: Eine Frage, die fast ein Jahrzehnt nachhallte

Diese physikalischen Grundlagen erklären, warum die Idee vom Heizen mit Körperwärme mehr ist als ein kurioser Gedanke. Für mich persönlich begann diese Frage jedoch lange vor den aktuellen Untersuchungen – bei einem Gespräch, das fast ein Jahrzehnt zurückliegt.

Der Ursprung dieser Frage, ob heizen mit Körperwärme möglich ist, liegt bei mir weit zurück. Bereits 2012 führte ich ein ausführliches journalistisches Gespräch mit Johannes Schwörer, dem Geschäftsführer eines großen Fertighausunternehmens, dass zu einem Bericht über den Unterschied von Massivbauweise und dem Passivbau führen sollte. Bei einem Rundgang durch verschiedene Musterhäuser erklärte er mir die Unterschiede zwischen Massiv- und Passivhausbau, zeigte kostengünstige Heiztechniken und sprach über Energieeffizienz, lange bevor das Thema in der Bevölkerung angekommen war.

Am Ende dieses Tages stellte ich, halb im Scherz, halb aus journalistischer Neugier, spontan die Frage, ob man ein Haus nicht auch mit Körperwärme heizen könne. Damals wirkte die Idee eher wie ein Gedankenspiel. Doch sie ließ mich nicht los.

Fast neun Jahre später, im Jahr 2021, reifte daraus schließlich dieser Artikel über Körperwärme als mögliche Energiequelle. Zu diesem Zeitpunkt fanden sich im Netz nur wenige Beispiele, die dieses Konzept ernsthaft beleuchteten. Umso spannender ist es heute zu sehen, dass andere diese Frage inzwischen aufgegriffen, erforscht und weitergedacht haben.

Dass eine spontane Idee aus dem Jahr 2012, Jahre später zu einem Impuls für weitere Untersuchungen wurde, erfüllt mich mit Freude. Es zeigt, wie wertvoll es ist, ungewöhnliche Fragen nicht sofort abzutun, wie sich zeigte brauchen Einfälle manchmal einfach Zeit, um fruchtbar zu werden.

Genau diese Frage, die damals eher spielerisch gestellt war, wird heute an verschiedenen Stellen ernsthaft untersucht. Ein aktuelles Beispiel liefert ein Praxisbericht aus einem Passivhausprojekt, in dem getestet wurde, wie weit man mit der reinen Abwärme von Menschen und Geräten tatsächlich kommt.

Das Heizenergiekonzept der St. George School in Liverpool.

  • 50 Prozent Sonnenenergie,
  • 34 Prozent Abwärme der Beleuchtung,
  • 16 Prozent Abwärme der Studenten

(Quelle: Tagungsband zum 1.Österreichischen Symposium für Solararchitektur, Seite 99)

Praxisbeispiel: Was ein Passivhaus heute tatsächlich mit Körperwärme erreicht

Ein aktueller Bericht der HR‑Energieprofis zeigt, wie weit die Idee inzwischen, 2026, in der Praxis untersucht wird. In einem modernen Passivhausprojekt wurde gemessen, welchen Anteil die reine Abwärme von Menschen und Haushaltsgeräten an der Raumtemperatur hat. Das Ergebnis überrascht selbst Fachleute: Durch die extrem gute Dämmung, die luftdichte Bauweise und die Wärmerückgewinnung der Lüftungsanlage reicht die interne Wärmequelle in vielen Situationen aus, um Wohnräume ohne klassische Heizkörper auf einem angenehmen Niveau zu halten.

Die Energieberater*innen betonen, dass ein einzelner Mensch zwar nur rund 80 bis 100 Watt Wärmeleistung einbringt, dieser Wert sich aber in einem Passivhaus deutlich stärker auswirkt als in herkömmlichen Gebäuden. Besonders in kleineren Räumen oder bei mehreren Personen entsteht ein messbarer Temperaturanstieg, der die Heizlast spürbar reduziert. Das zeigt: Körperwärme ersetzt keine Heizung, kann aber in hochgedämmten Gebäuden ein überraschend relevanter Baustein im Gesamtkonzept sein.

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Projekt Altenheim Mönchengladbach-Rheydt

In Mönchengladbach-Neuwerk steht das erste Altenpflegezentrum des Landes NRW, das in Passivhaus-Bauweise errichtet wurde. "Für den Bauherren sind die geringen Energiekosten ein entscheidendes Argument. Aus Sicht der Bewohner spricht die hohe Wohnqualität für die Passivbausweise", erklärt Professor Rongen.

"Durch Zuschüsse und Minderaufwendungen - zum Beispiel für eine deutlich kleinere Heizungsanlage - belaufen sich die Mehrkosten für die Passivhausbauweise auf nicht einmal 59.000 Euro", erläutert der Architekt. Dem steht eine jährliche Einsparung durch verminder-ten Heizenergieverbrauch von rund 15.000 Euro gegenüber. "Das Altenzentrum Neuwerk ist das beste Beispiel, dass ökologisches Bauen auch ökonomisch sinnvolles Bauen ist", lobt Dipl.-Ing. Rainer van Loon von der Energieagentur NRW. Passivhäuser liegen mit ihrem Heizenergieverbrauch rund 80 Prozent unter dem gesetzlich vorgeschriebenen Niedrigenergie-Standard. Sie zeichnen sich durch eine höchstmögliche Dämmung aus. Zusätzlich zur luftdichten Gebäudehülle werden besonders gut gedämmte Fenster verwendet. Auf ein aktives Heizsystem kann deshalb weitgehend verzichtet werden. In den Bewohnerzimmern des Altenpflegezentrums Neuwerk gibt somit auch keine Heizkörper, sondern lediglich kleine Luft-heizregister für sehr kalte Tage. Frischluft wird über eine Lüftungsanlage zugeführt, die vom Kölner Ingenieurbüro Nordhoff geplant worden ist. Die Luft gelangt dabei erst nach dem Weg über einen im Erdreich verlegten Wärmetauscher ins Gebäude. Auf diese Weise wird sie im Sommer vorgekühlt und im Winter vorgewärmt.

Projekt Hardtschule

Der Schongauer Architekt Fritz Weinberger plant eine komplett neue Fassade mit viel kleineren Glasflächen. Weitere Kernpunkte der Renovierung sind ein komplett neues Heiz- und Lüftungssystem (mit rund 70 Prozent Energie-Einsparung, so Planer Weinberger: "Wir heizen mit der Körperwärme der Kinder" und große Windfänge an den Eingängen.

Wärme aus Datenzentren in Schweden

Projekt Bruck Pinzgau

Die landwirtschaftliche Fachschule in Bruck (Pinzgau) wird zum Energie-Effizienz-Vorbild umgebaut: Die Wärme der Sonneneinstrahlung über die Glasfront des Speisesaales, die Körperwärme der Benutzer und besonders die in der Küche entstehende Betriebswärme werden nahezu vollständig zur Heizung genützt.

Voraussetzung für dieses Heizmodell sind die Aktivierung des Betonkerns im Gebäude und die kontrollierte Raumlüftung. Überschüssige Wärme kann zwischenzeitlich in den isolierten massiven Betonwänden des Kellers gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden.

Er wolle im eigenen Bereich - dazu gehören auch die landwirtschaftlichen Schulen - mit gutem Beispiel für Energieeffizienz vorangehen, sagt Energie-Landesrat Sepp Eisl (ÖVP). Das Konzept mache den zusätzlichen Anschluss an einen externen Energieversorger überflüssig und er sehe im Umbau von Landwirtschaftsschule und Internat in Bruck auch einen Impuls für die regionale Wirtschaft, betont Eisl.

Fazit: Eine Idee, die weitergewachsen ist

Die aktuellen Beispiele aus Forschung und Praxis zeigen, dass die Frage nach der Körperwärme als Energiequelle längst kein kurioser Einfall mehr ist. Was einst als spielerischer Gedanke begann, hat sich über die Jahre zu einem ernsthaften Thema entwickelt, das in Passivhäusern und energieeffizienten Gebäuden inzwischen messbare Relevanz besitzt.

Für mich persönlich schließt sich damit ein Kreis: Eine Frage aus einem Gespräch im Jahr 2012, ein Artikel von 2021 und die heutigen Untersuchungen greifen ineinander und zeigen, wie sich Ideen weiterentwickeln, wenn man ihnen Raum gibt. Körperwärme ersetzt keine Heizung, aber sie erinnert daran, wie viel Potenzial in den kleinen, oft übersehenen Energiequellen unseres Alltags steckt.

Dieser Artikel wurde im Januar 2026 umfassend aktualisiert.

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