Buchritik über "Unser Schmidt - Der Staatsmann und Publizist" von Theo Sommer

Die Bücher von Altkanzler Helmut Schmidt sind Bestseller. Er stieg nach seinem Leben als Politiker in die publizistische Tätigkeit ein und wurde Herausgeber eines renommierten Blattes: "Die Zeit". Er hat eine ganze Reihe von Büchern geschrieben, unter anderem die Bilanz seiner politischen Tätigkeit. Nun gibt es auch ein Buch über ihn und sein Leben als Staatsmann und Publizist. Theo Sommer, einstmals Chefredakteur der "Zeit", hat den großen Staatsmann porträtiert.

Im Herbst 2010 wurde das gut 400 Seiten umfassende Buch über Helmut Schmidt vom Hamburger Verlag Hoffmann und Campe auf den Markt gebracht. Der Titel: "Unser Helmut – Der Staatsmann und der Publizist". Es ist zugleich spannend, interessant und anstrengend zu lesen, denn es enthält eine Fülle von Informationen, die erst einmal verarbeitet werden müssen. 

Die zwei Leben des Helmut Schmidt (Bild: Hoffmann und Campe)

Keine Geheimnisse um Helmut Schmidt gelüftet - Das Bild des Altkanzlers mit Konturen versehen

Es sind keine bahnbrechenden Erkenntnisse, die Theo Sommer über den Altkanzler enthüllt. Er beschreibt ihn, wie er auch in der Öffentlichkeit bekannt und beliebt ist: Scharfsinnig, vielseitig interessiert, belesen, musikalisch, klug und kantig.

Allerdings lüpft Theo Sommer ein wenig den staatstragenden Vorhang, den Helmut Schmidt umgibt. Er enthüllt die Seite, die er in den Jahren enger Zusammenarbeit entdeckt hat und die ihn freundschaftlich mit Helmut Schmidt verbindet: Eine Gradlinigkeit, die kaum zu erschüttern ist und die den Politiker Helmut Schmidt umso glaubwürdiger macht. Eine Facette, die bei den aktuell Mächtigen nicht oder kaum mehr vorhanden ist und die Menschen in eine Politikverdrossenheit stürzt.

Die ökonomischen Fähigkeiten und die klar gefassten Wirtschaftsprognosen sind nur ein hervorstechendes Merkmal, das Helmut Schmidt auszeichnet. So hat er bereits 1993 eine Expansion der chinesischen Wirtschaft vorausgesagt, die China den Rang einer der größten Wirtschaftsmächte bescheren wird. Weiterhin hat sich Helmut Schmidt auch sehr frühzeitig  mit der Rolle der Banken befasst und vor einem (tatsächlich im Jahr 2008 eingetretenen) Crash gewarnt.

Das politische Schwergewicht Helmut Schmidt - Theo Sommer über den "Staatslenker und Staatsdenker"

Helmut Schmidt hat den Menschen viel zu sagen. Er kann mit seinen klaren Worten überzeugen. Wie sehr, hat er beim Bundesparteitag der SPD im Dezember 2011 in Berlin bewiesen, als die Delegierten nach seiner einstündigen Rede vor Begeisterung hingerissen waren und ihm stehende Ovationen zollten.

Unter der Überschrift "Staatslenker und Staatsdenker" hat Theo Sommer in einzelnen Kapiteln beschrieben und analysiert, wie vielseitig Helmut Schmidt ist und wie viele Politikfelder er beherrscht. Sommer widmet sich dem Deutschlandpolitiker, dem Europapolitiker, dem Verteidigungs- und dem Sicherheitspolitiker und dem Außenpolitiker. Er findet eine lyrische Überleitung zu dem Hanseaten Helmut Schmidt, dessen Herkunft eine Charaktereigenschaft ist und sein Handeln als Politiker geprägt hat, nämlich die große Leidenschaft fürs Gemeinwohl. Weiterhin deckt Theo Sommer auch die philosophische Seite Helmut Schmidts auf, der sich unter anderem an den Thesen des Gelehrten Karl Popper orientierte und sich ausführlich mit ihnen auseinandersetzte.

Den Abschluss des Buches bildet ein Gepräch Theo Sommers mit Helmut Schmidt, in dem die zwei Leben des Altkanzlers beleuchtet werden: das des Staatsmannes und das des Publizisten.

Resümee: Eine empfehlenswerte Lektüre für Leute, die eine umfassende Zusammenfassung über den Politiker und Publizisten Helmut Schmidt erhalten wollen. Allerdings müssen sie sich einem gewissen intellektuellen Anspruch anlehnen.

Krimifreundin, am 18.01.2011
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Bildquelle:
© ZDF und Forschungsgruppe Wahlen (ZDF-Politbarometer Extra 1 Woche vor der Wahl in Berlin am 18. Sept...)

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