Gestern war es soweit - ...der 51. Hessentag hat begonnen

Seit bekannt wurde, dass der diesjährige Hessentag nach Oberursel kommt, wurde eifrig geplant und viele der Pläne wurden umgesetzt. Für viele Bürger eine stressbehaftete Zeit. Es wurden Straßen erneuert, die U-Bahnhaltestellen verlängert und sogar der Bahnhof neu gestaltet.
Eine Fahrt zu meinen Eltern, ich wohne 17km entfernt, konnte zu einer wahren Stadterkundungsfahrt werden. Nicht weil ich mich nicht auskenne. Nein, schließlich bin ich dort aufgewachsen...Durch die zahlreichen Bautätigkeiten änderten plötzlich Straßen ihre Richtung und das Zielgebiet mußte umständlich angefahren werden
Gestern war es soweit, um 14:30 Uhr fiel der Startschuß. Vieles ist in einem sagenhaften Endspurt fertig gestellt worden.

Eigentlich bin ich ganz froh, ein Stück weit weg zu wohnen. Der Trubel wird gewiss sehr groß.
Es werden 1.000.000 Gäste erwartet. Ich hoffe, dass ich viele alte Freunde wieder treffe und so manches Schwätzchen halten kann. Am besten auf dem Marktplatz vor dem "Hirsch". Das war unsere Stammkneipe in jungen Jahren. Sogar das verblasste Schild des Gasthauses wurde erneuert und präsentiert sich heimelig wie früher. Die alte Eckbank steht auch noch darin...
Ich werde auch mal einen Blick auf die "Scorpions" werfen. Trotz ihrer Abschiedstour im letzten Jahr treten sie noch einmal auf. Ich hoffe sie spielen noch mal was von den ganz alten Sachen. Diese gefallen mir besonders gut. Das gesamte Programm finden Sie hier.

Natürlich gibt es auch zahlreiche Stimmen gegen den Hessentag, aber ich denke, es ist ein einmaliges Ereignis und man sollte sich einfach darüber freuen können.

Die Geschichte des Hessentages - Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde ein neues Bundesland gegründet

Die Siegermächte des 2. Weltkrieges beschlossen 1945, das Bundesland Hessen zu gründen. Das zu bewerkstelligen war nicht einfach, da Regionen zusammengeschlossen wurden, die sich etwa 400 Jahre völlig unterschiedlich entwickelt hatten. Aus den Gebieten östlich von Hessen kamen noch die Heimatvertriebenen und die Flüchtlinge hinzu.
Der hessische Ministerpräsident Georg August Zinn hatte die Vision, die Menschen einander näher zu bringen. Sein Wunsch war es, ein Bundesland zu schaffen, in dem sich die kulturellen Hintergründe gut ergänzen. Eine wichtige Voraussetzung dazu war, etwas über die Lebensweise und das Brauchtum aus anderen Regionen zu lernen..
Aus dieser Motivation heraus fand 1961 in Alsfeld der erste Hessentag statt.
Ein bekannter Spruch Zinns war: "Hesse ist, wer Hesse sein will".
Inzwischen jährt sich dieses Ereignis zum 51. Mal und der Hessentag ist das älteste Länderfest in Deutschland. Neben den vielen traditionellen Programmpunkten sind mit der Zeit immer mehr internationale Elemente hinzukommen. Zum Beispiel zahlreiche Konzerte aus Rock und Pop.

Der Hessentag wird jedes Jahr von einer anderen Stadt und in einem anderen Teil des Bundeslandes gefeiert. Das 50. Jubiläum sollte ursprünglich in Alsfeld stattfinden. Die Stadt verzichtete aus finanziellen Gründen darauf.

Der Hessentag in Oberursel möchte das erste klimaneutrale Landesfest sein. In der Eröffnungsrede wurde erklärt, dass in den 10 Festtagen nicht mehr Kohlendioxyd als gewöhnlich ausgestoßen werden soll. Es wird deshalb unter anderem kein Feuerwerk stattfinden. Die U-Bahn fährt im 15 Minuten Takt. Von der Frankfurter Innenstadt ist man in etwa 20 Minuten in Oberursel. Viele der Veranstaltungsorte befinden sich unweit der Haltestellen. Innerhalb der Stadt kann man kostenlose Fahrradrikschas in Anspruch nehmen.

Noch ein Tipp für Familien mit kleinen Kindern: im Erholungsgebiet Maasgrund ist ein Kinderparadies enstanden. Die Kindern können auch selbst kreativ zu werden. Das Gelände  ist sehr weitläufig und es gibt einen Spielplatz. Bei der Gestaltung des Areals wirkten Schulen und Kindergärten mit und es gibt  eine Ausstellung selbstgemalter Bilder zu bewundern.

 

Der Hessentag 2012 findet in Wetzlar statt.

Oberursel, auch liebevoll Orschel genannt ...


 

Im Jahre 1444 wurden Oberursel die Stadtrechte verliehen. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 791. Oberursel hat etwa 45.000 Einwoher.
Wenn man über Oberursel spricht, darf man die Stadtteile nicht vergessen.
Es sind Bommersheim, Weißkirchen, Stierstadt und Oberstedten.

Bommersheim sollte bereits 1913 eingemeindet werden, konnte das aber verhindern. Am 1.Oktober 1929 gab Bommersheim nach. Der Grund war, dass Bommersheim unter ständiger Wasserknappheit zu leiden hatte. Heute zählt es zur Kernstadt und hat keinen eigenen Ortsbereirat, lediglich ein Ersatzgremium.
Bei der hessischen Kreisgebietsreform im Jahre 1972 wurden Weißkirchen, Stierstadt und Oberstedten eingemeindet.

Die beiden Zeichnungen zeigen die St. Ursula Kirche von der Bleiche aus gesehen. Sie stammen von Ulrike Lindner.        


Oberursel im 2. Weltkrieg

Im 2. Weltkrieg befand sich in Oberursel ein Gelände der deutschen Luftwaffe. Es hatte den Namen DULAG (Durchgangslager) Luft. Hier wurden ab 1939 etwa 40.000 Verhöre von englischen und amerikanischen Gefangenen durchgeführt.
Am nördlichen Teil des Lagers wurde 1938 der Reichs-Siedlungshof erbaut. Dieser bestand aus etwa 20 Häusern, die als Wohn und Wirtschaftsräume dienten. Einige der Gebäude wurde 1938 anlässlich der 1. Deutschen Bau- und Siedlungsausstellung in Frankfurt am Main erbaut und später nach Oberursel verbracht. Es sollte die "Reichs-Siedlungschule" entstehen. Durch das Kriegsende wurden die Pläne der Nationalsozialisten nie verwirklicht.

Ab 1945 wurde das Areal als Gefangenenlager für hochrangige Nationalsozialisten genutzt.
Bekannte Namen wie Reitsch, Speer und General Dönitz finden sich in den Akten wieder.
Das Lager wurde in Camp King umbenannt und es wurden amerikanische Soldaten stationiert.
In späteren Jahren soll dort auch die CIA tätig gewesen sein. Es heißt, dass Überläufer aus der Sowjetunion dort vernommen wurden. Es wurde viel spekuliert, und im Grunde wurde etwas Genaueres nie bekannt. Weitere Informationen dazu finden sie hier.

Im Laufe der 80er Jahre ab es "Tage der offenen Tür". Sie sollten der Völkerverständigung dienen. 1993 wurde das Camp aufgelöst. Das Gelände ist neu bebaut worden und es ist ein modernes Wohnviertel entstanden. Einige der amerikanischen Wohnhäuser wurden umgebaut, der Großteil wurde jedoch abgerissen. Der ehemalige Reichs-Siedlungshof ist ebenfalls bewohnt, die Gebäude stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

Oberursel heute

Oberursel hat eine sehr schöne Altstadt und auch das "Rahmtor" sowie ein Teil der Stadtmauer ist gut erhalten. Auf der Bleiche, die inzwischen als Parkplatz dient, findet ein Teil des jährlichen Brunnenfestes und die Kirmes im Herbst statt
In den Sommermonaten ist der Turm der St. Ursula Kirche an jedem ersten Samstag im Monat für Besucher geöffnet. Der Aufstieg lohnt sich allemal, denn die Aussicht von dort oben ist einfach grandios. Man sieht den Taunus, die Wetterau und bei guter Fernsicht kann man bis in den Odenwald schauen. Die Frankfurter Skyline bietet auch einen schönen Anblick.
Es ist auch ein Museum eingerichtet und man kann etwas über die Zerstörung des Turmes im 30jährigen Krieg erfahren. Die Geschichte ist wirklich sehr spannend und geht zum Glück gut aus...
Wen starkes Glockengeläut nicht schreckt, der hat die Möglichkeit, den Glockenstuhl zu begehen.
Das Vordertaunusmuseum ist ebenfalls sehr ansprechend. Ein Teil der Ausstellung befasst sich mit der Bommersheimer Raubritterburg. Die Ruinen wurden bei Bauarbeiten ganz zufällig gefunden. Dem Vordertaunusmuseum ist die Hans Thoma Gedächtnisstätte angeliedert. Er gehörte der Kronberger Malerkolonie an und lebte seit 1877 im Frankfurter Westend. Die Sommermonate verbrachte er in Oberursel. Das Wohnhaus befindet sich in der Altkönigstrasse.

Seit neustem gibt es in Oberusel ein Tourismusinformationscenter und es gibt auch einiges über den Taunus zu erfahren. Es gibt unter anderem auch Informationen über den Altkönig und die dortige Keltensiedlung.

Ich könnte noch stundenlang über die Stadt schreiben, in der ich 25 Jahre gelebt habe.
Auch ohne Hessentag: ein Besuch lohnt sich allemal...

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