Ein Stopp für die Stadionuhr?

Der Hamburger Sport Verein HSV ist das letzte Gründungsmitglied der 1963 ins Leben gerufenen deutschen Fußball Bundesliga. Seit der ersten Spielminute tickt in der Hamburger Arena, dem ehemaligen Volksparkstadion, eine Uhr, die genau die Dauer der Bundesligazugehörigkeit des liebevoll "Bundesliga-Dino" genannten HSV aufführt. Sie zeigt jeweils am Schluss eines Spieltages die Bundesligazugehörigkeit des Hamburger Vorzeigevereins an.

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Auch ein Stopp für die Hansestadt?

Bedeutet das Aus für den Bundesligafußball für die Hamburger Wirtschaft und die Hansestadt auch einen Stillstand oder gar einen Rückschritt?

Der Profifußball hat sich weltweit zu einem Event mit riesengroßem Interesse entwickelt, das fast über das ganze Jahr hinweg an mehreren Wochentagen in verschiedenen Wettbewerben stattfindet und in aller Breite in den Medien vor- und nachbereitet wird. Entsprechend sind die Auswirkungen in den einzelnen Regionen.

Für Hamburg hat Henning Vöpel, Sportökonom des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitutes (HWWI), die regionale Bedeutung des Bundesligafußballs gegenüber dpa aufgelistet. Dabei nennt Völpel einen Einkommens- und Beschäftigungseffekt für die Hansestadt durch den HSV von rund 100 Millionen Euro. Auf zirka 40 Prozent beziffert Völpel den Rückgang im Falle eines Abstiegs des Vereins, weil Zuschauer fehlen und Ausgaben für Shoppen, Übernachtungen, Fahrkarten im Nah- und Fernverkehr, Restaurants und Ausgaben im Einzelhandel ausbleiben. Hinzu kommen nach seinen Ausführungen die nicht greifbaren Wirkungen der Standortfaktoren wie Bekanntheitsgrad der Stadt, Image und Vermarktungspotenzial. "Allein das Auftauchen in der Erstliga-Tabelle, die weltweit in Sportmedien und -foren verbreitet wird, verschafft dem Namen Hamburg international eine kostenlose und eigentlich unbezahlbare mediale Präsenz."

Negative Auswirkungen für Hamburg durch einen möglichen Abstieg des HSV

Nach den Worten des Hamburger Tourismus-Chefs Dietrich von Albedyll steigert der HSV die weltweite Bekanntheit Hamburgs. Durch ihn läßt sich die Hansestadt besser vermarkten. Dabei hat von Aldebyll besonders den asiatischen Markt im Auge, wo Hamburg besondere Anstrengungen unternimmt, das Reiseziel Hamburg zu vermarkten. Dieses Anliegen werde unterstützt durch Verträge der Bundesliga über die Medienberichterstattung, die 2015 in Kraft treten. Die mediale Aufmerksamkeit für einen Bundesligisten aus der Fußball-Bundesliga sei hier besonders hilfreich und sei ein unbezahlbares Standortmarketing.

Das Hamburger Hotel- und Gaststättengewerbe schätzt die jährlichen Einnahmen aud rund 20 Millionen Euro. "Fehlt in der schönsten Stadt Deutschlands ein Bundesligist", so der Hamburger DEHOGA-Vertreter Gregor Maihöfer, "werden die Umsätze stark zurückgehen".

Die volkswirtschaftlichen Auswirkungen am Beispiel Leipzig

Der Aufstieg von RB Leipzig untermauert die volkswirtschaftlichen Auswirkungen einer Zugehörigkeit zur Eliteklasse im deutschen Fußball sehr deutlich. Nach dem Ergebnis einer gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung "McKinsey & Company" und der Deutschen Fußball Liga (DFL) kann die Region Leipzig auf rund 200 Millionen Euro an Mehreinnahmen hoffen. Zum Beispiel investiere RB Leipzig in diverse Bauprojekte, zum Beispiel in ein neues Leistungszentrum und eine Sportschule.

Wirtschaftsfaktor Profifußball in Deutschland

Nach dem Ergebnis der Studie schaffen die zwei höchsten Spielklassen 120.000 Arbeitsplätze mit 70.000 Vollzeitplätzen und erwirtschaften pro Jahr einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro. In einer früheren Studie von McKinsey und der DFL aus dem Jahr 2008 trägt der Bundesliga-Fußball mit mehr als fünf Milliarden Euro zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung in Deutschland bei, schafft zehntausende Jobs und bringt dem Staat Netto-Einnahmen von 1,5 Milliarden Euro. Allerdings sind dabei die mehr als 200 Millionen Euro an Ausgaben des Staates für Polizeieinsätze entgegenzurechnen.

Diese Studie berücksichtigte alle Zahlungen im Zusammenhang mit den ersten beiden Bundesligen, internationalen Wettbewerben, der Nationalmannschaft und des DFB-Pokals mit Ausnahme des gesamten Frauenfußballs. Erfaßt wurden dabei neben den Umsätzen der Vereine die Einnahmen durch Lizenznehmer wie Medien, Vermarkter und Ausrüster und auch die Wertschöpfung durch Hotels, Restaurants oder Logistikunternehmen.

Die internationalen UEFA-Wettbewerbe locken

Die "Fleischtöpfe" der internationalen Wettbewerbe blieben für Absteiger wie Nürnberg und Braunschweig in der letzten Saison vorerst unerreichbar.

Meister FC Bayern München und Vizemeister Borussia Dortmund hatten sich 2013 / 2014 frühzeitig für eine Teilnahme am nächsten Champions League Wettbewerb gesichert und konnten in der nächsten Saison saftige Einnahmen erzielen. (Lesen Sie hierzu den ausführlichen Artikel Die Champions League macht die Vereine reich). Am 34. und letzten Spieltag erreichte der FC Schalke 04 durch seinen dritten Platz in der Abschlußtabelle diesen Wettbewerb, während Bayer Leverkusen sich als Tabellenvierter noch für die CL qualifizieren mußte.

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