Dänemarks bargeldlose Pläne

Noch gilt in Dänemark die gesetzliche Verpflichtung, Banknoten und Münzen bei Kauf und Verkauf anzunehmen. Die Regierung will mit einem Programm die Konjunktur beleben. Dazu gehört im nächsten Jahr als Gesetzesvorhaben, Tankstellen, Restaurants und kleine Läden - mit Ausnahme von Nahrungsmittelgeschäften, großen Supermärkten, Krankenhäusern und Pflegeheimem sowie Ärzten und Apothekern - von dieser gesetzlichen Verpflichtung zu befreien. In Dänemark geht man davon aus, dass das dänische Parlament 2016 einen solchen Beschluss herbeiführt.

Die dänische Notenbank hat bereits angekündigt, im Vorgriff auf das zu erwartende Gesetz keine neuen Banknoten mehr drucken. Sollte es dennoch später einen Bedarf an neuen Noten geben, solle ein externer Dienstleister den Druck übernehmen.

Warum das Ganze? Pro und Kontra

Die Regierung begründet das Gesetzesvorhaben mit einer Entlastung dänischer Betriebe bei den entfallenden Transportkosten der Sicherheitsfirmen und im Ersparen bürokratischen Zeitaufwandes. Außerdem würden Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und organisierte Kriminalität ins Hintertreffen geraten, denn ein Kauf beim Drogendealer würde kaum mit Karte erfolgen.

2013 mußte in Schweden ein Bankräuber ohne Beute wieder nach Hause gehen, weil in der Filiale keinerlei Bargeld mehr vorhanden war. Ohne Bargeld, so hoffen die Politiker, sind Banküberfälle und Überfälle auf Geldtransporter sinn- und zwecklos.

Kritiker vermuten, dass der Wunsch des Staates zur besseren Überwachung der Geldströme und Kontrolle über den Zahlungsverkehr hinter dem Regierungsvorhaben steht. Es sei leicht, anders als beim Bargeld Kreditkartenströme im weltweiten Zahlungsverkehr aufzuzeichnen, und die Gefahr des Datenmißbrauchs wachse. Beim Bargeld wisse niemand, wer wann was bezahlt. Außerdem müsse man ja, wenn man kein Bargeld nehmen darf, nicht die Kreditkarte nehmen; eine Ausweichwährung wie Gold oder teure Naturalien erfüllten die gleiche Funktion.

Welchen Ländern folgt Dänemark?

Wenn der Staat Banknoten druckt und Münzen prägt, ist eigentliche deren Annahme im Rechtsverkehr uneingeschränkt garantiert. Den Weg einer Einschränkung gehen aber zur Zeit neben Dänemark auch Frankreich, Italien und wohl bald auch Griechenland. In Frankreich werden Bargeldzahlungen über 1.000 Euro ab 1. September 2015 verboten sein. In Italien gilt diese Regelung bereits ab 1.1.2012. Für Griechenland kommt möglicherweise als Ergebnis der Verhandlungen mit den Geldgebern eine Regelung, wonach Beträge, die höher sind als 70 Euro, nicht mehr bar bezahlt werden dürfen.

Alternativen zum Bargeld sind auf dem Vormarsch

Kreditkarten, EC-Karten und Kundenkarten bekommen Konkurrenz. Bargeldlose Zahlungssysteme sind auf dem Vormarsch und soziale Netzwerke wenden sich dem Bezahlgeschäft zu.

Das Versenden von Geld über Smartphone-Apps zieht auch etablierte Banken an. Die Deutsche Kreditbank (DKB) arbeitet mit dem Startup Cringle zusammen. Pro Monat kann ein Nutzer bis zu 100 Euro über die Cringle-App verschicken, abgewickelt wird die Zahlung per Lastschrift von der DKB. Pro Transaktion werden 20 Cent fällig, zum Start wurde die Gebühr auf 10 Cent gekappt.

Ähnliche Beispiele sind bereits am Markt.. PayPal bietet das Versenden von Geld über seine Smartphone-App in Deutschland an. Für Kunden, die ihren PayPal-Account mit einem deutschen Bankkonto verknüpft haben, ist das Angebot kostenlos, bei Kreditkarten wird eine Gebühr fällig.

Wie zahlt man in Europa?

Wie in europäischen Ländern bevorzugt gezahlt wird, haben die Deutsche Bundesbank und die Europäische Kommission ermittelt. Ergebnis: Bargeld läßt sich nicht so leicht verdrängen.

Geschäfte in Österreich sind ohne Bargeld kaum denkbar. 86 Prozent bezahlen an der Kasse in bar, 12 Prozent mit EC-Karte. 1 Prozent der Kunden bezahlt mit Kreditkarte. Auch Schecks, PayPal, Lastschrifteinzug oder Ähnliches haben nur 1 Prozent Marktanteil.

In Polen werden 80 Prozent der Bezahlvorgänge an der Kasse bar bezahlt. Eine EC-Karte nutzen 13 Prozent der Bevölkerung. Drei Prozent der Bezahlvorgänge werden durch Kreditkarten abgewickelt. Auf die alternativen Zahlungsmittel entfallen vier Prozent.

In Deutschland wird in 79 Prozent der Fälle bar bezahlt. Zwölf Prozent der Käufe werden mit der EC-Karte beglichen und sechs Prozent per Lastschrifteinzug, Scheck und anderen alternativen Zahlungsmethoden.

In Italien liegt Bargeld mit 69 Prozent an erster Stelle, aber Platz zwei belegen alternative Zahlungsmittel mit 17 Prozent. Schecks, Kundenkarten, PayPal und andere Alternativen haben in Italien einen größeren Anteil als die EC-Karte mit neun Prozent und die Kreditkarte mit sechs Prozent.

In Spanien werden nur 60 Prozent der Geschäfte in bar abgewickelt. Der Rest entfällt auf EC-Karten mit 17 Prozent, Kreditkarten mit 16 Prozent und die restlichen Zahlungsmöglichkeiten mit sieben Prozent.

In Großbritannien ist die EC-Karte mit 31 Prozent der Käufe beliebt. Noch beliebter ist mit 56 Prozent nur noch das britische Pfund. Mit der Kreditkarte werden neun Prozent bezahlt. Die verbleibenden vier Prozent entfallen auf die alternativen Zahlungsmethoden.

In den Niederlanden werden 44 Prozent der Käufe bargeldlos mit EC-Karte erledigt. Mit Bargeld erfolgen 53 Prozent der Käufe. Eine Zahlung mit anderen Zahlungsmitteln inklusive der Kreditkarten erfolgt in drei Prozent der Einkäufe.

Im Belgien entfallen auf Bargeld und die EC-Karte jeweils 44 Prozent. Die restlichen Prozent hält die Kreditkartenzahlung mit vier Prozent und die Zahlung mit Lastschrift und Scheck mit sieben Prozent.

In Schweden zahlen 49 Prozent mit EC-Karte. 37 Prozent werden in bar bezahlt. 11 Prozent zahlen mit Kreditkarte. Alternative Zahlungsmittel schlagen mit drei Prozent zu Buche.

Führend im bargeldlosen Bezahlen ist Frankreich. Dort werden nur 34 Prozent der Käufe in Euro bezahlt. 44 Prozent nehmen ihre EC-Karte und 21 Prozent verwenden Kundenkarten, Schecks, PayPal, Lastschrifteinzug. Die Kreditkarte ist mit nur einem Prozent nicht beliebt.

In Dänemark – Zahlen siehe oben - besitzt fast jeder Erwachsene eine Bankkarte; auch das Zahlen per Smartphone ist sehr stark im Kommen. Wer als Ausländer in einem Café mit Bargeld zahlen will, wird verwundert angesehen. Die meisten Dänen zahlen zum Beispiel alle ihre Getränke in Bars oder Restaurants mit ihrer Kreditkarte. Bargeld tragen sie gar nicht bei sich. Selbst der Besuch von Diskotheken und der damit verbundene Verzehr wird bargeldlos erledigt.

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