Bei meinen zahlreichen Konzertbesuchen, deren Inhalt von Kammermusik über Musicals, jüdische Musik bis hin zu Rockmusik reicht, bin ich auf etwas für mich noch nie dagewesenes gestoßen. Ich weiß nicht, wie ich diese gewaltige Musik nennen soll. Ich schwanke zwischen Haifisch-Rap und Aggro-Metal.
Metal, darauf komme ich, weil der Schlagzeuger Teile seines Instrumentariums in einem Umzugskarton verbirgt. Er geht sogar so weit, dass er Dinge des täglichen Gebrauchs, eine Fahrradklingel, eine arme, inzwischen leicht verbogene Schreibtischlampe sowie eine unglückliche Plastikseifenschale zweckentfremdet.

Das schlimmste Übel, das Fußpedal für das Schlagzeug, das ja bekanntermaßen sehr böse ist, ragt kaum sichtbar aus dem Umzugskarton heraus.
Die Ukulele, einer Gitarre nicht unähnlich, beobachte ich skeptisch. Mich beruhigt, dass sie an keinem Gitarrenverstärker hängt.
Den Kontrabass sehe ich nicht als wirkliche Gefahr, die Klarinette auch nicht. Schließlich gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass derlei Instrumente Gewalt auslösen.

 

Mein Puls beruhigt sich, zunächst, denn urplötzlich tauchen drei sehr verdächtig aussehende Rapper auf. Ich kollabiere fast, denn einer der drei fadenscheinigen Gestalten greift sich die unglückselige Klarinette.
Mein wirres Auge nimmt war, dass ein Rot-Kreuz-Wagen, bestimmt wegen der drohenden Massenpanik, in erreichbarer Nähe steht. Ich lasse mich auf das Wagnis ein...

 

Alles fängt recht harmlos an. Der Schlagzeuger, er heißt Dr. Geo Køhler (aus Russland? Oder aus Dänemark?) wirkt seht trottelig. Er setzt sich auf seinen Stuhl, bekleidet mit einem winterlichen Karo-Sakko und einer Mütze mit Fell und Ohrenklappen. Der trottelige Eindruck kippt ein wenig in das Senile um, denn der Herr Doktor zieht eine Zeitung hervor und... liest. Völlig abwesend, als sei er auf einer Parkbank
.

Ein junger, ordentlich in einem Anzug gekleideter Herr weist ihn zu Recht zurecht und stellt die Formation und sich selbst vor. Er sei Iso Herquist og hele banden (Iso Herquist mit Band) und der Fiskecore ( Fischchor) sei auch dabei. Sie kämen aus Dänemark. Der Schlagzeuger wurde bereits erwähnt und mit Namen genannt, worauf er reagierte, indem er die Mütze zog und die Zähne zu einem wölfischen Grinsen bleckte.

 

Das Unsagbare fängt sanft mit den klängen der Ukulele an. Das Schlagzeug soll einsteigen, aber es tut sich nix. Der Schlagzeuger liest Zeitung, zieht die Mütze und bleckt freundlich. Doch allmählich entwickelt sich ein Spiel, welches an Dixieland-Weisen erinnert. Die Stücke sind bekannt und die Zuschauer lassen sich dazu verleiten, mitzusingen.

 

Ich entspanne und fühle mich sicher, bis...
... der Fiskecore zu singen anfängt. Ein greller Klang für meine Ohren, den sie rappen. Nicht nur das, denn sie haben Stofffische, die sie dabei aneinander klatschen.

Der Refrain lautet Boske Friske Fiske Rømpte Pømpte Was das genau heißen soll, entzieht sich meiner Kenntnis.
Hier wartet das Unsägliche auf Sie ...

Es muß eine geheime Botschaft darin stecken, denn ich singe und klatsche mit. Plötzlich habe ich 2 unschuldige Fische in den Händen und beteilige mich an diesem Tun. Einer der Rapper hat sie mir, ohne mich zu fragen, in die Hände gelegt und ich nun stehe ich fremdbestimmt da, zum Mitmachen gezwungen. Das Schlimme: es macht sogar Spass!

 

Ich brülle ich noch Zugabe und gehe anschließend völlig verausgabt nach Hause.

 

Später muss ich erfahren, dass Iso Herquist und Dr. Geo Køhler auch von Hausbesuchen nicht zurückschrecken.

Vorsicht! Die häusliche Heimsuchung
Autor seit 5 Jahren
50 Seiten
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