Warum Wildtiere nach der Zeitumstellung in den Morgenstunden gefährdet sind

Vorausschauende Autofahrer wissen, dass Wildtiere nicht planlos in der Gegend umherrennen. Sie folgen täglich dem gleichen Schema: Sie suchen in der Dämmerung nach Futter und wandern zu diesem Zweck von den bewaldeten Gegenden, in denen sie bevorzugt die Nacht verbringen, in die freiliegenden grünen Wiesen und Felder. Dabei müssen sie, täglich zur gleichen Zeit, Straßen überqueren. Wenn nach der Zeitumstellung die Autofahrer, für die Tiere unvorhersehbar, früher als gewöhnlich die Straßen befahren, werden Wildtiere verstärkt angefahren. Besonders im Frühling, wenn die Kraftreserven im Körper der Tiere durch das bilden von Geweih, dem Fellwechsel, Geburten oder der Aufzucht von Jungtieren aufgebraucht sind, lockt das erste junge Grün stark. Oft sind es auch unwiderstehlich reizvolle Reste vom Streusalz, das die Tiere gerne als Nahrungsergänzung auflecken. Die Tiere werden, wenn das "Frühstück" auf der anderen Straßenseite zum Fressen einlädt, oft unvorsichtig und wechseln ihr Revier unbekümmert . Oft ein tödlicher Gang, wie die Unfallstatistik des DJV vom Jahr 2009/2010 zeigt. Aber auch Schleiereulen, Wildschweine, Hirsche, Hasen, Igel, junge Füchse, Frösche und Kröten werden besonders im Frühjahr, zu Tausenden überfahren. Für viele Naturliebhaber ist nicht nachvollziehbar warum die Umstellung auf die Sommerzeit, zumal sie eine Einsparung von Energie nicht bewirkte, trotz des Leides für viele Tiere, beibehalten wird.

Was sagt die Jagdstatistik über Wildunfälle in Deutschland aus?

Die Wildunfälle sind in den bewaldeten Gegenden von Baden-Württemberg und Bayern sehr hoch. Deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt Nordrhein-Westfalen bei den Wildunfällen mit Rehen. Laut Jagdstatistik lässt dort jedes dritte Reh sein Leben im Straßenverkehr. Diese Zahl erscheint relativ hoch, wird aber noch von den Wildunfällen in den Städten Bremen und Hamburg übertroffen. Städte, wie Köln und Berlin klagten in den vergangenen Jahren über Wildschweine, die in der Stadt aufwachsen und dort für die Autofahrer zu einer Gefahr werden.

Was Menschen tun können, um Wildunfällen vorzubeugen

Da es den Tieren nicht möglich ist, ihre Lebensgewohnheiten zu ändern, liegt es vorrangig in der Verantwortung der (ortskundigen) Menschen, Unfällen vorzubeugen. Gleichzeitig schützen sie Rehe, Wildschweine, Hasen, junge Füchse und sich selbst. Der Deutsche Jagdschutzverband (DJV) in Bonn appelliert an alle Autofahrer in Gegenden, wo mit Wildtieren am Straßenrand zu rechnen ist, besonders nach der Zeitumstellung im Frühjahr, in der Morgendämmerung, vorsichtig und langsamer als gewöhnlich zu fahren und beim Warnschild "Wildwechsel" die Geschwindigkeit sofort zu reduzieren. Sie müssen den Waldrand "im Auge behalten", das Fernlicht einschalten, damit rechnen, dass Tiere meist in Rudeln, unterwegs sind.

Bremsweg und Aufprallgeschwindigkeit
Bremsweg und Aufprallgeschwindigkeit

Bremsweg und Aufprallgeschwindigkeit (Bild: Deutscher Jagdverband (DJV ))

Was tun wenn Wild auf der Straße steht?

Wenn ein Wild im Scheinwerferlicht auftaucht, das Licht abblenden, bremsen, hupen. Ist ein Zusammenprall mit einem Wild nicht zu vermeidbar, rät der DJV, Autofahrern die Ruhe zu bewahren und nicht planlos zu handeln, das Lenkrad gut festzuhalten und keinesfalls auszuweichen.

Was Autofahrer nach einem Wildunfall tun müssen

Nach dem Zusammenstoß: Warnblinkanlage einschalten, Unfallstelle absichern. Das Tier, um Folgeunfälle zu vermeiden, mit behandschuhten Händen an den Randstreifen legen. Das Wild nicht mitnehmen, weil sonst eine Strafanzeige wegen Wilderei droht. Einem angefahrenen, verletzten, flüchtigen Tier, nicht folgen. Die Fluchtrichtung für eine Meldung beim Jagdpächter oder der Polizei merken oder markieren. Unfall unverzüglich beim Jagdpächter oder der Polizei melden. Dort können Autofahrer sich eine Bescheinigung über den Wildunfall ausstellen lassen, die wichtig für den Schadenersatzanspruch an die Autoversicherung ist.

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