John Colter: Soldat, Trapper, Einzelgänger

In Lexika erscheint der Name des Entdeckers trotz seiner Leistungen vergleichsweise selten. Bekannt ist jedoch, dass Colter um 1775 als Nachfahre schottischer Einwanderer in Virginia geboren wurde und später zunächst die Soldatenlaufbahn einschlug. Seine einzigartige Geschichte begann damit, dass er sich 1804 der berühmten Expedition von Lewis und Clark anschloss, welche den Kontinent bis zur Pazifikküste durchquerte. Während dieser kräftezehrenden Unternehmung soll sich Colter als ungewöhnlich ausdauernd erwiesen haben, eine Eigenart, die ihm später das Leben rettete. Als sich die Expedition 1806 auf dem Rückweg befand, nahm Colter seinen Abschied und hielt sich noch mehrere Jahre im heutigen Nordwesten der USA auf. Er schloss sich zunächst zwei Fallenstellern an und wurde später kurzzeitig als Jäger und Kundschafter für eine weitere Expedition tätig. Dabei lernte Colter den Pelzhändler Manuel Lisa kennen, für den er in der Folgezeit gelegentlich arbeitete.

Oft jedoch war der Trapper allein (zu Fuß oder mit dem Boot) in der für Weiße noch unerforschten Wildnis unterwegs und erduldete unglaubliche Strapazen. Zu seiner bedeutendsten Leistung zählt dabei die Entdeckung des heutigen Yellowstone-Nationalparks. Als er später über die dortigen Geysire, blubbernde Schlammlöcher und andere Naturwunder berichtet, erntete er oft Unglauben. Das Gebiet erhielt daher die (damals möglicherweise spöttisch gemeinte) Bezeichnung "Colters Hell". Es ist anzunehmen und teilweise auch belegt, dass John Colter in dieser Zeit regen Kontakt zu Indianerstämmen hatte. Diese Begegnungen scheinen in der Regel friedlich oder sogar förderlich für beide Seiten verlaufen zu sein.

Colters berühmter Lauf

Eine Ausnahme bildeten allerdings die Schwarzfuß-Stämme (Blackfoot). Colters bekannteste Auseinandersetzung mit ihnen soll sich 1808 ereignet haben. Sie gehört heute zum Legendschatz der USA und wird in verschiedenen Varianten wiedergegeben. Demnach waren Colter und ein weiterer Trapper gerade dabei, von Booten aus Biberfallen zu kontrollieren, als sie ein größerer Trupp Blackfoot-Indianer überfiel. Colter wurde gefangen genommen und sämtlicher Kleider beraubt. Sein Begleiter hingegen, der sich vermutlich zur Wehr setzte, kam ums Leben. Doch die Legende besagt, dass der Gefangene seine Gegner täuschte. Er soll sich als sehr schlechten Läufer ausgegeben haben. Die Indianer veranlasste dies zu einem tödlichen Wettkampf. Nackt und barfuß sollte er um sein Leben laufen und erhielt einen geringen Vorsprung. Der flinkfüßige und ausdauernde Colter ließ die Verfolger jedoch bald hinter sich. Nur einer der Blackfeet holte ihn ein. Colter soll sich daher plötzlich umgewandt, dem überraschten Indianer die Waffe entrissen und diesen damit getötet haben. Mit der Decke des Gegners lief er dann weiter und versteckte sich in einem Biberbau. Eine andere Variante der Legende besagt, dass sich Colter unter auf dem Fluss treibenden Geäst verbarg.

Ob sich die Begebenheit so zugetragen hat und was danach genau passierte, wird auf immer ein Rätsel bleiben. Fakt ist, dass John Colter eines Tages in Fort Raymond, einem Handelsposten von Manuel Lisa, auftauchte. Er war völlig entkräftet und trug lediglich eine Decke am Leib. Der Trapper gab an, in den letzten Tagen mehrere hundert Kilometer zurückgelegt und sich währenddessen lediglich von Pflanzen ernährt zu haben.

John Colter: Die späten Jahre, Würdigungen und Erinnerungen

Zwei an Abenteuern reiche Jahre später beschloss John Colter, sich aus der gefährlichen Gegend zurückzuziehen. Er ließ sich in St. Louis nieder heiratete und wurde Vater eines Sohnes. Doch das friedliche Leben als Landwirt währte nicht lang. Bereits 1813 verstarb der ehemalige Trapper infolge einer Gelbsucht. An John Colter erinnern heute mehre geografische Bezeichnungen in dem von ihm durchstreiften Gebiet. Zum Gedenken an seinen legendären Lauf findet zudem jährlich ein allgemeines Wettrennen namens Colter-Run statt.

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