Das Kammergerichtsgebäude

1909 begann der Bau des neuen Gebäudes für das Berliner Kammergericht in der Elßholzstraße in der damals noch selbstständigen Stadt Schöneberg. Als Architekten wirkten vor allem die preußischen Baubeamten Rudolf Mönnich und Paul Thoemer. Ihr Bau reiht sich in eine größere Zahl von monumentalen und repräsentativen Justizbauten, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert für deutsche Gerichte und Justizbehörden meist in Formen des Historismus entstanden, ein. 1913 konnte der Bau eingeweiht werden.

Das Gebäude für das Kammergericht ist ein fünfgeschossiger neobarocker Bau mit 37 Fensterachsen und ursprünglich 540 Räumen. Es ist 135 Meter lang und in der Mittelachse 67 Meter tief. Die Gesamtkosten für den Bau überstiegen 4,3 Millionen Mark. Seine repräsentative Front mit dem Hauptportal weist zum Park. Sie wird durch einen reich dekorierten Mittelrisalit, der um vier Meter aus der Front hervortritt, betont. Ein darüber vorhandener Turm wurde im Zweiten Weltkrieg bei einem Bombentreffer beschädigt und nach Kriegsende wegen Einsturzgefahr abgerissen. Zwei durch Pilaster betonte Seitenrisalite betonen den Übergang zu den zurückgezogenen Flügeln auf beiden Seiten.

Die Wände der beiden großen Innenhöfe sind mit großen Ornamenten verziert. Die kleineren Höfe sind mit glasierten weißen Ziegeln verblendet. In allen Fluren sind die Wände gefliest. Fluren und Warteräume sind überwölbt. Auch im Inneren des Gebäudes gibt es viele schmückende Elemente. In den Eingangshallen und der haushohe Mittelhalle gibt es figurative und ornamentale Bildhauerarbeiten. Stuckarbeiten und Deckengemälden von Albert Maennchen schmücken den acht Meter hohen Plenarsaal. Die Empfangs- und Arbeitsräume des Gerichtspräsidenten und des Generalstaatsanwalt sind ganz besonders repräsentativ gestaltet.

Die Bibliothek des Kammergerichts umfasst auf vier Ebenen Bestände mit einer Regallänge von insgesamt 7.000 Metern. Sie ist die Zentral- und Archivbibliothek für alle ordentlichen Gerichte Berlins sowie die Staatsanwaltschaften und steht auch anderen Juristen zur Verfügung. Zum Bestand gehören viele historische Schätze.

Eine wichtige Sichtachse verbindet das Hauptportal des Gerichtsgebäudes mit den Königskolonnaden auf der gegenüberliegenden Seite des Kleistparks. Dieses barocke Bauwerk des Architekten Carl von Gontard entstand von 1777 bis 1780 in der Königstraße am Alexanderplatz. 1910 wurde es von seinem ursprünglichen Standort hierher umgesetzt. Auf dem Vorplatz des Hauptportals stehen zwei die beiden Bronzeskulpturen "Rossebändiger" des russischen Bildhauers Peter Clodt von Jürgensburg. Diese Werke schenkte 1842 der Zar Nikolaus I. seinen Schwager Friedrich Wilhelm IV. Bis 1945 standen sie vor dem Berliner Stadtschloss.

Ab 1994 wurde das Gerichtsgebäude umfassend saniert und modernisiert. Die Planungen übernahmen die Berliner Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte. Durch den Ausbau des Dachgeschosses wurden fast 6.000 Quadratmeter zusätzlicher Nutzfläche gewonnen. Insgesamt bietet das Haus heute über 35.000 Quadratmeter.

Kammergericht Berlin

Blick von der Potsdamer Straße (Bild: haros)

Geschichte des Kammergerichts

Das Kammergericht ist das älteste deutsche Gericht. Erstmals wurde es 1468 urkundlich erwähnt. Als Hofgericht urteilte es im Namen des Kurfürsten von Brandenburg. Es war die höchste Gerichtsinstanz in Brandenburg bzw. im späteren Königreich Preußen.

Von 1698 bis 1735 hatte das Kammergericht seinen Sitz im Collegienhaus in der Cöllner Brüderstraße. 1735 zog es in das Kollegienhaus in der Lindenstraße. Das hatte König Friedrich Wilhelm I. durch Philipp Gerlach als Verwaltungsgebäude für die zivilen, strafrechtlichen, geistlichen und ständischen Gerichte errichten lassen. Heute ist dieser barocke Bau Teil des Jüdischen Museums Berlin.

1853 erhielt das Kammergericht die Zuständigkeit für alle Kapitalverbrechen in Preußen.

Der ständig wachsende Raumbedarf des Gerichts erforderte einen Neubau. Der entstand zwischen 1909 und 1913 an der Elßholzstraße in Schöneberg auf dem Gelände des früheren Botanischen Gartens. Vor der nach Osten gelegenen Front des Gebäudes entstand zwischen 1909 und 1911 ein Park. Der wurde aus Anlass des 100. Todestages von Heinrich von Kleist am 21. November 1911 nach dem Dichter benannt.

Von August 1944 bis Januar 1945 fanden im Kammergerichtsgebäude die Schauprozesse des Volksgerichtshofes unter seinem Präsidenten Roland Freisler statt. In diesen Verfahren wurden die Beteiligten am Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 abgeurteilt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten die vier Siegermächte das Gebäude und nutzten es für mehrere administrative Einrichtungen, darunter den Alliierten Kontrollrat. Am 18. Oktober 1945 konstituierte sich im Plenarsaal des Kammergerichts das internationale Militärtribunal für die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse. Der Alliierte Kontrollrat verlor seine Bedeutung. Denn die Sowjetunion vertagte ihn im März 1948 aus Protest gegen die Deutschlandpolitik der drei westlichen Besatzungsmächte. Er trat nie wieder zusammen.

Am 3. September 1971 unterzeichneten die Botschafter der vier Alliierten im Plenarsaal des Kammergerichts das Viermächte-Abkommen über den Status Berlins. Als letzte gemeinsame Einrichtung nutzte bis 1990 die Alliierte Luftsicherheitszentrale Räume des Gebäudes.

Mit der Wiedervereinigung erhielt das Land Berlin das Gebäude. Nach umfassender Sanierung sind in ihm neben dem Kammergericht der Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin, die Generalstaatsanwaltschaft Berlin sowie mehrere Berufsgerichte untergebracht.

Kleistpark in Berlin-Schöneberg

Königskolonaden (Bild: haros)

Literatur

  • Stephan Weichbrodt: Die Geschichte des Kammergerichts von 1913 bis 1945. Berliner Wissenschafts-Verlag Berlin 2009, ISBN 3-8305-1716-5
  • Rudolf Wassermann: "Kammergericht soll bleiben." Ein Gang durch die Geschichte des berühmtesten deutschen Gerichts (1468–1945). Berliner Wissenschafts-Verlag Berlin 2004, ISBN 3-8305-0877-8

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