Katzenallergie – was ist das?

Zwar spricht man landläufig von »Katzenallergie«, doch der Begriff ist irreführend: es existiert weder eine Allergie gegen Katzen an sich noch gegen deren Haare. Denn die tatsächlichen Auslöser der allergischen Reaktionen (Allergene) werden über die Speicheldrüsen, aber auch über die Talg- und Analdrüsen der Tiere ausgeschieden. Der Grund zu der Annahme, man sei gegen Katzenhaare allergisch, liegt darin, dass die in den Körpersekreten gebildeten, allergieauslösenden Eiweiße bei der intensiven Körperpflege der Tiere mit der Zunge auf das Fell aufgetragen werden. Sie haften an Hautschuppen und Haaren und werden mit diesen in der ganzen Wohnung verteilt. Die vermeintliche Katzenhaarallergie ist somit eigentlich eine Allergie gegen Eiweißmoleküle im Speichel und in anderen Drüsensekreten der Katze.

 

Wo treten Katzenallergene auf?

Die an der Kleidung der Katzenhalter haftenden Haare werden über private und öffentliche Verkehrsmittel weiterverbreitet. So gelangen die Allergene in Büros, Kindergärten, Schulen und in andere Einrichtungen, in denen sich für gewöhnlich keine Katzen aufzuhalten pflegen. Da die Allergenmoleküle sehr klein und schwebfähig sind (ihre Größe schwankt zwischen zwei und fünfzehn Mikrometern; ein Mikrometer entspricht einem Tausendstel Millimeter), verbreiten sie sich auch durch die Luft und gelangen somit in die Lunge. So kann selbst das Betrachten von Großkatzen in Zoos oder im Zirkus bei sensibilisierten Personen allergische Reaktionen auslösen, obwohl zu diesen Tieren kein direkter Kontakt möglich ist.

 

Hauptallergene und untergeordnete Allergene

Bisher konnten wenigstens fünf Katzenallergene sicher identifiziert werden. Mehr als neunzig Prozent aller Katzenallergiker zeigen Symptome nur gegen das Allergen 1. Ein einzelnes Tier kann täglich bis zu sieben Mikrogramm des Hauptallergens ausscheiden, wobei Kater testosteronbedingt mehr produzieren als weibliche Tiere. Schon in einem ein-Katzen-Haushalt können hohe Allergenkonzentrationen erreicht werden. Selbst ein Jahr nach dem Auszug eines Katzen haltenden Haushaltes lässt sich in der Wohnung eine für Allergiker kritische Allergenkonzentration nachweisen. Besuchen mehrere Kinder aus Katzenhaushalten dieselbe Schulklasse, kann die Belastung durch das Hauptallergen derartig ansteigen, dass für die Schüler ein neunfach erhöhtes Risiko besteht, an Asthma zu erkranken.

Neben dem Allergen 1 scheint ein weiteres Hauptallergen (Allergen 4) zu existieren. Dreiundsechzig Prozent der Katzenallergiker sind gegen das Allergen 4 sensibilisiert oder reagieren allergisch darauf. Selbst gegen das Allergen 5 konnten immerhin in vierzig Prozent der Patienten Antikörper nachgewiesen werden. Weitere Katzenallergene spielen eine untergeordnete Rolle.

 

Eine Allergie kommt selten allein: Kreuzreaktionen

Zwischen den Katzenallergenen und den Allergenen anderer Säugetierarten kommt es oft zu so genannten Kreuzreaktivitäten. Da die Hauptallergenkomponenten von Pferd, Maus, Ratte, Eber, Rind und Hund den Katzenallergenen chemisch sehr ähnlich sind, können sie unter Umständen eine allergieverstärkende Wirkung ausüben, wenn Katzenhaarallergiker mit ihnen in Berührung kommen. Es gibt zudem Hinweise, dass eine mögliche Kreuzreaktion mit Schweinefleisch besteht (»pork-cat syndrome«).

 

Wie vermeidet man hohe Allergenbelastungen?

Eine strikte Vermeidung hoher Allergenkonzentrationen sollte noch vor allen therapeutischen Bemühungen an erster Stelle stehen. Sie kann bei Haustierallergien zielführend sein und die Vermeidung von Zirkus- und Zoobesuchen auf Grund der Allergenbelastung durch Großkatzen einschließen. Wenn für die Betroffenen eine endgültige Trennung vom samtpfotigen Familienmitglied nicht in Frage kommt, sollte zumindest die Kontamination des häuslichen Umfeldes mit den krank machenden Allergenen so gering wie möglich gehalten werden. Eine spürbare Allergenreduktion ist bereits durch regelmäßiges Waschen der Kleidung zu erreichen. Wöchentliches Schamponieren der Katze hingegen ist problematisch, da sich die Allergenkonzentration auf dem Haarkleid des Tieres durch die Fellpflege innerhalb weniger Tage regeneriert und die Gesundheit der Katze durch häufiges Waschen angegriffen wird. Regelmäßiges Lüften oder der Einsatz von Luftfiltern in Klimaanlagen sorgen eher für Erleichterung. Eine weitere Verminderung der Allergenbelastung kann durch häufiges Staubsaugen oder durch die Abschaffung von »Staubfängern« wie Auslegware oder Vorhänge erzielt werden. All diese Maßnahmen vermögen die Allergenbelastung jedoch nur zu begrenzen, denn der Nachweis von Katzenallergenen gelingt selbst im Staub von Haushalten ohne Haustierhaltung. Die Vermeidung des direkten Kontakts mit den Tieren stellt leider keinen vollständigen Schutz für Allergiker dar.

 

Woran erkennt man eine Allergie?

Sobald die Nasenschleimhaut, die Bindehaut der Augen und die Bronchien eines Katzenhaarallergikers mit den Allergenen in Kontakt kommen, zeigen sich die typischen allergischen Reaktionen:

verstopfte oder laufende Nase, Niesreiz (nasale Beschwerden)

tränende Augen, Juckreiz, Rötung (konjunktivale Beschwerden)

Atemnot, Hustenreiz, Atemgeräusche (bronchiale Beschwerden)

Die Beschwerden treten nicht bei jedem Patienten gleichermaßen auf. Auch ihre Stärke kann subjektiv unterschiedlich wahrgenommen werden. Zu diesen Symptomen, die für sich genommen auch einen Heuschnupfen vortäuschen können, kommen bei Tierhaarallergikern Beschwerden der Haut wie Jucken, Hautrötung (Erythem) und Nesselsucht (Urticaria) hinzu. Ergibt die ärztliche Untersuchung von Nase, Augen und Haut den Verdacht auf eine allergische Reaktion, muss ein Hauttest durchgeführt werden, um die mutmaßlichen Allergene einzugrenzen. Darüber hinaus können mit einem Bluttest spezielle Antikörper gegen Tierallergene im Patientenblut nachgewiesen werden. Abschließend wird mit einem gezielten Provokationstest überprüft, ob die gefundenen Antikörper die Symptome verursachen.

 

Welche Behandlungsstrategien stehen zur Wahl?

Nach positiver Diagnose muss ein passendes Therapieverfahren zur Behandlung der Allergie eingeleitet werden Die Spezifische Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, ist immer dann angezeigt, wenn eine Vermeidung des Allergens nicht oder nur schwer möglich ist. Ziel der SIT ist es, beim Patienten schrittweise eine Toleranz gegenüber dem Allergen aufbauen. Durch ärztlich kontrolliertes Verabreichen hoher Allergendosen kann sich das Immunsystem nach und nach an das Allergen gewöhnen. Durch die SIT lassen sich sowohl die Beschwerden als auch der Verlauf der allergischen Erkrankung dauerhaft günstig beeinflussen. Je nach Art der Applikation hat der Patient die Wahl zwischen subkutaner und sublingualer Immuntherapie. Doch worin bestehen die Unterschiede dieser Behandlungsstrategien?

 

Spezifische Immuntherapie – drei Wege, ein Ziel

Hyposensibilisierung (Subkutane Immuntherapie, SKIT)

Bei diesem therapeutischen Verfahren wird dem Patienten ein ausgewählter Allergenextrakt wöchentlich unter die Haut (= subkutan) gespritzt. Während der Steigerungsphase wird die Dosis von Mal zu Mal bis zum Erreichen der Maximaldosis erhöht. Toleriert der Patient die Behandlung ohne Nebenwirkungen, erhält er Monat für Monat eine Spritze mit der Höchstdosis, um die Gewöhnung an das Allergen nachhaltig zu stabilisieren. Ziel der drei Jahre dauernden Hyposensibilisierung ist neben der Linderung der Symptome vor allem die Vorbeugung gegen das allergische Asthma.

 

Ultra-Rush-Hyposensibilisierung

Durch die Ultra-Rush-Hyposensibilisierung, eine spezielle Form der SKIT, soll eine schnellere Gewöhnung durch täglich mehrmaliges Spritzen des auslösenden Allergens bei rascher Steigerung der Dosis in nur drei Tagen erzielt werden. Diese Kurzzeittherapie bietet einen erheblichen Zeitgewinn, erfordert jedoch einen stationären Aufenthalt des Patienten unter Kontrolle eines erfahrenen Allergologen.

 

Sublinguale Hyposensibilisierung (Sublinguale Immuntherapie, SLIT)

Ein neues Konzept zur Erreichung einer Toleranz gegenüber den Katzenallergenen stellt die sublinguale Immuntherapie dar. Im Gegensatz zur SKIT werden bei der SLIT die erwünschten systemischen und immunologischen Veränderungen beim Patienten nicht durch Injektionen natürlicher Allergene erreicht. An ihre Stelle treten chemisch veränderte Allergene (Allergoide). Diese belasten bei gleicher Wirksamkeit den Patienten durch ihre geringere Allergenität weniger als die natürlichen Allergene. Im Vergleich zu den natürlichen Allergenen verfügen die Allergoide zudem eine höhere Bioverfügbarkeit, da sie sowohl durch die Mund- als auch über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Das Präparat wird zwei bis drei Minuten unter die Zunge gelegt und danach geschluckt. Auch bei der SLIT werden die Allergene in aufsteigender Dosis verabreicht. Die Wirkung tritt bei manchen Patienten bereits während der ersten vier Behandlungstage ein. Meist sprechen die Behandelten im ersten Jahr der zweijährigen Therapie an. Sie zeigen eine deutliche Verbesserung der Symptomatik und eine Verringerung des Bedarfs an antiallergischen Begleitmedikamenten.

Da das Präparat zuhause eingenommen werden kann, erfreut sich die SLIT nicht nur bei Patienten mit Vorbehalten gegen Injektionen wachsender Beliebtheit. Sie stellt somit eine leicht anwendbare, wirksame und sichere Therapieoption bei Katzenhaarallergie dar. Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch – unabhängig von der gewählten Option - eine genügend lange, vom behandelnden Arzt sorgfältig begleitete Therapiedauer.

 

Risiken und Nebenwirkungen

Nach der SKIT können lokale, individuell verschiedene Nebenwirkungen wie Jucken, Hautschwellungen oder -rötungen auftreten. Diese klingen in der Regel von selbst wieder ab. Da es in seltenen Fällen zu stärkeren allergischen Reaktionen kommen kann, muss der Patient nach verabreichter Spritze für kurze Zeit unter ärztlicher Beobachtung bleiben. Nicht infrage kommt die Hyposensibilisierung bei Personen mit Asthma, Herz-Kreislauf-, Autoimmun- und Krebserkrankungen sowie in der Schwangerschaft.

 

 Dieser Beitrag enthält nur allgemeine Hinweise, die eine individuelle Diagnose, Beratung und Behandlung durch Ärzte nicht ersetzen können.

Quellen:

Hauswald B, Nguyen TN, Boxberger J et al.: Hyposensibilisierung und spezifische Immuntherapie bei Katzenhaarallergie. HNO Mitteilungen 2/2015

Brehler R, Klimek L, Kopp MV, Virchow JC: Specific immunotherapy—indications and mode of action. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(9): 148–58. DOI: 10.3238/arztebl.2013.0148

http://www.fediaf.org/facts-figures

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/936/umfrage/sensibilisierungen-bei-kindern-gegen-verbreitete-allergene/

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/181168/umfrage/haustier-anzahl-katzen-im-haushalt/

http://dx.doi.org/10.1016/j.aller.2013.06.008

 

Subkutantest mit Allergenextrakten (Pricktest) (Bild: © Universitätsklinikum Dresden (Allergologie))

Oberflächlicher Hauttest mit Katzenhaaren (Provokation) (Bild: © Universitätsklinikum Dresden (Allergologie))

Autor seit 2 Jahren
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