Pathologisches Kaufverhalten - Wenn der Einkauf zur Sucht wird

Wer geht heute nicht gerne lange und ausgiebig einkaufen? Zu verführerisch sind die Shoppingparadiese, die man in jeder größeren Stadt findet und die mit unzähligen Geschäften und Angeboten zu einem Bummel verlocken. Doch manchmal wird aus der ganz normalen Shoppingtour ein krankhaftes "Shoppen", das von Experten als alles andere als harmlos angesehen wird.

Eine Studie zur Kaufsucht

Dass es sich bei Kaufsucht um krankhaftes Verhalten handelt, zeigt eine Studie, die im Jahr 2004 an der Universitätsklinik in Erlangen durchgeführt wurde. Es wurde ein Vergleich der psychischen Verfasstheit zwischen einer Gruppe von 30 kaufsüchtigen Männern und Frauen sowie einer gesunden beziehungsweise einer unter Essstörungen leidenden Kontrollgruppe angestellt. Die Ergebnisse der Studie waren erschreckend, denn die Auswertung zeigte nicht nur, dass von Kaufsucht betroffene Personen mit durchschnittlich über 40.000 Euro verschuldet sind, sondern auch, dass sie oft mit Depressionen sowie Angstzuständen und Persönlichkeitsstörungen zu kämpfen haben. Der größte Teil, nämlich fast 80 Prozent der Betroffenen, leidet unter starken Ängsten, immerhin noch 63 Prozent werden von Depressionen geplagt und über 23 Prozent sind essgestört.

Wie äußert sich Kaufsucht?

Wer von Kaufsucht betroffen ist, verspürt in regelmäßigen und immer kürzer werdenden Abständen einen nahezu unwiderstehlichen Impuls zum Einkaufen. Dieser Kaufdrang führt schließlich dazu, dass eigentlich unnötige Waren eingekauft werden, die das zur Verfügung stehende finanzielle Budget nicht selten weit übersteigen. Mit fortschreitender Erkrankung werden die Einkäufe zunehmend sinn- und maßloser, viele der gekauften Waren werden meistens gar nicht benötigt. Von Kauflust betroffene Patienten entwickeln irrationale Verhaltensmuster beim Kauf, weil sie ihn nicht an ihrem Bedarf ausrichten, die Produkte fast nie nutzen und die langfristigen Konsequenzen ihres Handelns völlig ausblenden. Weitere Symptome der Kaufsucht sind beispielsweise der Wiederholungszwang, ein sich steigernder Kontrollverlust, immer neue "Dosis"-Steigerung sowie zunehmende Entzugserscheinungen, die sich durch Schweißausbrüche, Zittern oder innere Unruhe äußern können.

Das Ergebnis der Erkrankung und des daraus resultierenden Verhaltens ist laut Studie eine hohe Verschuldung, wie sie bei einem Großteil der untersuchten Teilnehmer vorlag.

Mögliche Ursachen von Kaufsucht

Die Studie konnte deutlich machen, dass häufig ein Konglomerat psychischer Erkrankungen zu einem krankhaften Kaufverhalten führt, so dass die Vermutung nahe liegt, dass pathologisches Kaufverhalten als Begleiterscheinung anderer psychischer Erkrankungen zu Tage tritt. Laut Studie ist es auch denkbar, dass von Kaufsucht Betroffene beispielsweise an einer Zwangserkrankung oder unter dem so genannten Borderline-Syndrom (Impulsivität und Instabilität im Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen, Stimmungen und Selbstwahrnehmung) leiden. Weitere Ursachen für das Suchtverhalten können in der Kindheit der Betroffenen liegen. Vor allem der Mangel an Anerkennung und Zuwendung, aber auch ein Defizit an Geborgenheit und Liebe können für die Kaufsucht ursächlich sein. Dieses Verhalten der Eltern vermittelte schon früh das Gefühl, als Person nicht wichtig zu sein. Aber auch Menschen, die als Kind unter materieller Not gelitten haben, können aus diesem Mangelempfinden heraus der Kaufsucht verfallen.

Kultur als auslösender Faktor bei Kaufsucht

Unsere westliche Kultur und Wirtschaft beeinflusst das Konsumverhalten des Menschen in großem Maße. Daher ist es nachvollziehbar, wenn die durchgeführte Studie das Postulat aufstellt, dass es sich bei der Kaufsucht vor allem um ein kulturelles Problem handelt. Denn pathologisches Kaufverhalten lässt sich bisher nur in Industriestaaten nachweisen, nicht aber in Entwicklungsländern. Allerdings lassen sich selbst in den Industrieländern nur wenige aussagekräftige Untersuchungen zum Phänomen der Kaufsucht finden. Bedenkt man, dass die Gruppe der potenziell Gefährdeten groß ist (ungefähr sechs Prozent der Bevölkerung in Ostdeutschland und etwa acht Prozent in Westdeutschland), so ist dies einerseits erstaunlich, spornt aber andererseits die Wissenschaft dazu an, sich intensiver mit diesem Thema zu befassen.

Mögliche Therapieformen bei Kaufsucht

Da pathologisches Kaufverhalten im Bereich der psychischen Erkrankungen anzusiedeln ist, drängt sich die Frage auf, inwiefern sie sich medikamentös behandeln lässt. Die in Erlangen durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss, dass Kaufsucht nicht allein durch die Gabe von Medikamenten behandel- oder heilbar ist, sondern vor allem durch eine kompetente Verhaltenstherapie. Aber auch der Betroffene selbst hat die Möglichkeit, durch bestimmte Veränderungen zu einem Verhaltenswechsel zu gelangen. Wer unter Kaufsucht leidet, könnte beispielsweise für jeden Einkauf eine Einkaufsliste schreiben, nur in Begleitung in den Supermarkt gehen und versuchen, Spontankäufe zu vermeiden. Sehr hilfreich kann es sein, eventuell vorhandene Kreditkarten zurückgeben und den Dispositionskredit bei der Bank zu verringern. Ein weiterer Schritt zur Verhaltensänderung wäre es auch, die Kaufentscheidung nochmals zu überdenken. Dies funktioniert am besten, wenn man, Sachen erst einmal zurücklegen lässt und auf diese Weise dem Kaufimpuls nicht sofort nachgibt.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Autor seit 5 Jahren
207 Seiten
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