Bisherige schwere Hagelschäden

Der bislang teuersten Hagelsturm in Deutschland, ereignete sich im Sommer des Jahres 1984, in München. Er traf die Bevölkerung völlig unvorberetet Es entstand, meist durch die hühnereigroßen Hagelkörner, ein Schaden an Gebäuden, Fahrzeugen und Gegenständen, von rund 1,5 Milliarden Euro. Ein weiterer Sturm mit übergroßen Hagelkörnern verursachte, im Juni 2006, in Villingen-Schwenningen und Trossingen, nach Informationen der Versicherungen, Schäden in einer Gesamthöhe von rund gerechnet 200 Millionen Euro. Im Frühjahr 2009 versurachte ein Unwetter große Schäden in den Obstplantagen und Weinbergen am Bodensee. Seither sind Naturkatastrophen dieses Ausmaßes häufiger aufgetreten.
"Wir haben es seit einigen Jahren mit vermehrten Unwettern zu tun. Hagelkörner in Golfballgröße können Blüten und Trauben zerstören und durch Verletzungen an Blättern und Trieben Eintrittspforten für Pilze und Bakterien öffnen", beschreibt der Winzer Peter Lauer aus Ayl an der Saar die dortigen, wachsenden Probleme.

Extrem große Hagelkörner
Riesige Hagelkörner

Riesige Hagelkörner (Bild: JWahl / Pixabay)

Forschung und Zusammenarbeit im Katastrophenmanagement

Im Institut für Technologie, dem KIT, in Karlsruhe, das auf das Wissensdreieck Forschung, Lehre, Innovation aufbaut, schließen sich das Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Die Zusammenarbeit, mit insgesamt mehr als 15 Einrichtungen, soll dabei helfen, Risiken, die unterschiedliche Ursachen haben, früher zu erkennen, sie besser zu verstehen und Schäden zu begrenzen.

Versicherungsdaten helfen bei der Prävention

Die Wissenschaftler verknüpften, um zu aussagekräftigen Daten zu kommen, Schadendaten der Sparkassenversicherung mit Messdaten des Niederschlagsradars vom IMK. Sie fanden heraus, welche Hagelstürme zwischen den Jahren 1997 und 2007 in Baden-Württembergs die größten Schäden verursachten. Die bisher konventionell ermittelten Versicherungsdaten zeigten die direkten Auswirkungen von Hagel, ihre Werte bezogen sich aber nur auf begrenzte, besiedelte Gebiete. Unwetter konnten nur für einen Tag vorhergesagt werden. Von wetterabhängigen Betrieben werden inzwischen immer dringender längerfristige, umfassenderen Wettervorhersagen gefordert. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, teilten Klimaforscher Baden-Württemberg auf einer Karte in Gitterzellen ein. Diese haben eine Größe von zehn Kilometern. Mit Hilfe dieser statistischer Methoden kann errechnet werden, in welchem Zeitraum sich Unwetter die einer bestimmten Stärke angehören, ereigneten. Nach diesen Berechnungen ist die Gegend um Stuttgart, in Baden-Württemberg am stärksten gefährdet. Hagelkatastrophen treten, nach diesen Vorhersagen, im Rheintal, über dem Gebiet des Schwarzwaldes und im Bereich der Schwäbischen Alb, selten auf. Der Grund dafür wird von Wissenschaftlern in den Einflüssen der Geländeformen gesehen. Diese lenken die Windströmung so, dass sich Störungenin der Atmoshäre verstärkten oder abschwächen.

Hagelschutznetz für den Garten
Windhager Hagelschutznetz, Grün, 2 x 5 m

Konventionelle Systeme sind bei der Vorhersage überfordert

Wie die Wissenschaftler schnell feststellten, sind einfache Messstationen am Boden, wie sie bisher verwendet wurden, nicht in der Lage, extreme Gewitterstürme und damit verbundenen Naturereignisse zu erfassen. Übernatürlich großer Hagelkörner, extreme Sturmböen oder gar Tornados sind bisher, nach Aussage der Forscher, lokal begrenzt. Um verlässliche Vorhersagen treffen zu können, sind Msswerte
Sie zeigen zwischen 1974 und 2003 einen eindeutigen Trend auf. Schwere Gewitter und Hagelstürme haben in diesem Zeitraum zugenommen.
Ein Beispiel: Im Jahr 1986 gab es fünf Tage mit einem Hagelschaden. Bis 2004 stieg die Zahl bis auf 34 Tage an. Die Zukunftsprognose werden, im Projekt HARIS-CC, von Wissenschaftlern bestimmt. Dazu simulierten sie verschiedene hochaufgelöster regionaler Klimamodelle und ihre mögliche Entwicklung.

Eine bessere Vorhersage wurde entwickelt

Um eine Gefährdung durch Hagelstürme zukünftig besser einschätzen zu können, entwickeln die KIT-Forscher neue Methoden, bei denen Radar- und Versicherungsdaten im Zusammenhang ausgewertet werden. Die bisherigen Ergebnisse liefern Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen den überdimensionalen Hagelereignissen und dem Klimawandel. Er wird mit der Zunahme der bodennahen Luftfeuchtigkeit im Südwesten Deutschlands gesehen. Diese Veränderung sei in höheren Atmosphärenschichten nicht feststellbar.
Die Folge ist, wie in den letzten Jahren feststellbar, dass der Energiegehalt sich in den Luftschichten erhöht und starke Aufwinde und intensivere Gewitter entstehen..

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