Man muss sich auch die Tatsache vor Augen halten, dass durch Manipulation und gefeilte Praktiken nicht mehr nur das Produkt verkauft wird, sondern das Produkt zu etwas wird, mit dem man sich identifizieren will: "Ich kaufe, deshalb bin ich so". Konsumieren heißt nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnis, das erfüllen von Zielen, nicht mehr nur die Bedürfnisse.

Konsum, aus dem lateinischen abgeleitet von "consumere" was "verbrauchen" bedeutet, bedeutet heute für uns den Verzehr und Verbrauch von Gütern. Im Volkswirtschaftlichen Sinne den Kauf und privaten Ge-/Verbrauch von Luxusgüter. Die hiesige Wirtschaft funktioniert, da der Mensch konsumiert und die ständig. Man müsste aufhören zu leben, um nicht mehr konsumieren zu müssen.

Maslows Bedürfnispyramide

Die Bedürfnispyramide nach Masow sieht wie folgt aus: Am Anfang stehen die physiologischen Grundbedürfnisse wie Sauerstoff oder Nahrung, die gedeckt werden müssen, um andere Bedürfnisse erfüllen zu können. Schutz und Sicherheit stehen auf der zweiten Ebene, darunter fallen das Zuhause und die Familie. Die Gruppenzugehörigkeit wird als dritte Ebene genannt, es bedeutet die Mitgliedschaft einer Gemeinschaft oder einfach nur von aussen kommende Beachtung. Diese gelten als Defizit-Bedürfnisse und müssen erfüllt werden. Daneben gibt es die Wachstums-Bedürfnisse: Lob und Anerkennung auf der zweiten Stufe während auf der ersten und obersten zu erreichenden die Selbstverwirklichung und ein Leben in Freiheit steht. Die Transzendentale als sechste Ebene deckt religiöse Bedürfnisse.

Bietet Selbstversorgung eine akzeptable Lösung?

Die Frage nach der Selbstversorgung wird bei alternativen Lebensstilen immer wichtiger. Lebensmittel im eigenen Garten zu ziehen benötigt eine genaue Planung. Dennoch ist das Ziel des Selbstversorgers unrealistisch da die Zeit darauf verwendet wird die Defizit-Bedürfnisse zu erfüllen und die Wachstums-Bedürfnisse außer Acht gelassen werden. Eine andere Lösung wäre kritisches und nachhaltiges konsumieren. Dieses jedoch nimmt viel Zeit in Anspruch.

 

Ein Beispiel aus dem letzten Jahrhundert mag bestimmte Probleme verdeutlichen: In den 1970er und 1980er zogen einige Gruppen in Bauernhäuser aufs Land, die meist nicht an die Kanalisation angeschlossen waren. Der Mist von Tieren und die menschlichen Fäkalien wurden als Düngemittel aufs Feld getragen. Jahre später erlitten die Frauen immer wieder Fehlgeburten. Es stellte sich heraus, dass ein großer Teil der eigenen Fäkalien erneut konsumiert wurde. Viele gaben dieses Leben danach wieder auf.

Konsum ist immer mit Wirtschaft verbunden

Würde man allerdings aufhören zu konsumieren, würde auch die Wirtschaft enden. Man muss sich die Frage stellen, ob das Bedürfnis bereits im Menschen verankert ist oder ob dieses durch Werbung und diverse andere Strategien geweckt wird. Man konsumiert Angebote, Therapien, Medikamente, u.a. Zumindest dem Krankensystem könnte man sich unter gewissen Umständen entziehen. Hier kommt der dem Neuro-Marketing bekannter Begriff, der Placebo-Effekt ins Spiel. Dieser hilft gesund zu werden, auch wenn nicht mehr wirklich etwas drinnen ist.

Der Kühlschrank – Geht es auch ohne?

Ein oft zitiertes Beispiel verdeutlicht vielleicht die Problemstellung: Technische Dinge machen das Leben nicht nur einfacher, sondern beschäftigen den Menschen auch weiterhin. So auch der Kühlschrank: Der Kühlschrank muss gereinigt werden, die Dinge müssen auf ihr Ablaufdatum geprüft werden, es züchtet sich eine Art Vorratswirtschaft um für den morgigen Tag gerüstet zu sein. Des weiteren ist man auf die Außenwelt angewiesen, dass die Marktbeziehungen auch morgen noch funktionieren. Dabei geht es viel einfacher: Dinge, die man im Kühlschrank aufbewahrt lassen sich gegebenfalls jeden Tag neu kaufen. Obst, Gemüse und Milch halten auch gut eine Woche ohne die kühlende Wirkung. Es stellt sich die Frage, ob man diese Gerätschaften tatsächlich braucht? Und nur so nebenbei: Auch Bioprodukte sind in die Wirtschaft mit eingebunden.

Dennoch: Wo wären wir heute, wenn Urahnen sich gegen Konsum ausgesprochen hätten? Maschinelle Fließbandarbeiten, Mondflüge, hochexplosive Waffen – als Resultat eines erzwungenen Folgekonsums. Früher kaufte man sich für den Kugelschreiber eine Miene. Und noch nicht lange ist es her, dass das Elektrogerät mit einem Schraubenzieher aufgeschraubt und repariert wurde. Heute hält das Gerät, solange die Garantie ausgeschrieben ist, bestenfalls drei Jahre. Der Verdacht auf einen eingebauten Verschleiß ergibt sich von selbst. Die Vermarktlichung geht soweit das die Eigenregie nach und nach ausdient: Bestimmte Autos können nur mehr mit einem bestimmten Chip geöffnet werden.

Konsumethik

Ethik besteht nur darin, Handlungstheorie systematische Frage zu stellen, ob spezielle jeweilige Konsumakt gerechtfertigt ist und wie man sich dazu verhalten soll. Macht es Sinn alles via Konsum ins Haus zu holen? Das was durch den Konsum angeeignet wird, ist dies legitimiert?

Zugehörigkeitszwänge. Menschen sind auf Außenorientierung angewiesen.

Konsumgut: Arbeitskraft. Hören wir auf zu Konsumieren, stellen wir uns ausserhalb der Gesellschaft auf. Konsumverweigerung = Systemverweigerung.

Autor seit 5 Jahren
12 Seiten
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