Was ist innerer Frieden überhaupt?

Unter innerem Frieden verstehe ich das In-Sich-Ruhen, das Bei-Sich-Bleiben, in verschiedenen Alltagssituationen, um eben diese achtsam und souverän bewältigen zu können. Innerer Frieden impliziert für mich aber nicht nur die Situationen, in denen etwas zu tun ist, sondern auch die Momente des Nichtstuns, in denen wir uns einfach nur unserer selbst gewahr sind. Gerade in diesen stillen Momenten können wir uns selbst am besten mit allen Gedanken und Gefühlen bewusst wahrnehmen. Und diese Wahrnehmung aller Aspekte unseres Selbst ermöglicht wiederum letztlich die vollständige Selbstannahme – eine weitere wichtige Komponente auf dem Weg zum inneren Frieden.

In der Hektik des Alltags neigen Menschen oft dazu, Dinge ganz automatisch zu tun. Viele Dinge erledigen wir in einem solchen Automatikmodus. Bei allgemeinen Routinetätigkeiten ist dieser Automatikmodus manchmal auch ganz praktisch. Wie viel anstrengender wäre das Leben, wenn wir uns jedes Mal, wenn wir uns die Schnürsenkel zubinden oder die Wohnung putzen, jeden einzelnen Handgriff dabei bewusst machen müssten? Es gibt jedoch auch Bereiche, wo statt dieser automatischen Gewohnheiten bewusste Handlungen oder eine bewusste Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Vorgehensweise für uns selbst vielleicht gesünder wäre. Einer dieser Bereiche ist der emotionale Bereich, ein weiterer unsere Gedanken. Sicher hast auch Du in der Hitze eines Wortgefechts oder in einer hektischen Situation schon einmal übereilt reagiert, in der Du mit mehr Besonnenheit womöglich eine bessere Handlungsmöglichkeit hättest finden können. Trittst Du in so einer Situation mental zunächst einen Schritt zurück, verschaffst Dir selbst eine kurze Atempause, kannst Du diese Situation etwas klarer sehen und gewinnst die nötige innere Ruhe, um adäquater handeln zu können.

Bevor Du mit irgendwelchen praktischen Übungen auf eine gelassenere Haltung hinarbeitest, ist es gut, wenn Du als erste Vorbereitung damit beginnst, loslassen zu lernen. Sich in Achtsamkeit zu üben, kann – neben anderen Formen der Meditation, Yoga oder Entspannungstechniken wie Qi Gong – den inneren Frieden im Alltag ebenfalls sehr fördern. Wenn Du Dich in innerer Ruhe und Gelassenheit übst, beginne am besten mit Situationen, wo es Dir leichter fällt. Mit der Zeit und zunehmender Übung wird es Dir dann auch in schwierigeren Situationen gelingen.

1. Innerer Frieden durch Loslassen

Die Vergangenheit ist vorbei; Du kannst sie ebenso wenig ändern wie andere Menschen. Und auch auf die aktuellen Umstände hast Du nur bedingt Einfluss. Akzeptiere alles, was war und ist, und auch Dich selbst als den Menschen, der Du jetzt bist, und lasse alles Vergangene los. Wenn es etwas gibt, dass Du noch verarbeiten musst, nimm Dir die Zeit, die Du dafür benötigst. Doch wenn Du bei dem entsprechenden Thema soweit bist, solltest Du zu gegebener Zeit den Mut aufbringen, es loszulassen. Dann wirst Du leichter Deinen Weg weitergehen und Deinen inneren Frieden finden können.

Beim Loslassen vergangener Ereignisse und von Menschen aus Deiner Vergangenheit hilft es, Dir einmal alles, was Du loslassen möchtest, aufzuschreiben. Du kannst eine Art Bilanz Deines bisherigen Lebens ziehen, mit allem Positiven und Negativen darin. Wenn Du möchtest, kannst Du Dir auch alles, was Du loslassen möchtest, auf Zettel schreiben und diese Zettel anschließend vernichten. Dieses kleine Ritual unterstützt den Prozess des Loslassens. Denn Du lässt diese Dinge dann im wahrsten Sinne des Wortes los.

2. Akzeptiere Dich selbst, andere und die Umstände!

Nachdem Du Dich vom vergangenen Ballast befreit hast, ist es an der Zeit, Deinen Blick auf das Jetzt zu richten. Beginne damit, Dich selbst akzeptieren und lieben zu lernen. Nimm Dich ganz wahr, beobachte Dich eine Weile selbst und betrachte Dich bewusst mit allen Deinen Facetten:

  • Deine individuellen Eigenheiten im Verhalten und Charakter, die Du im Laufe der Zeit entwickelt hast oder Du schon, seit Du denken kannst, hattest,
  • Deine Stärken und Schwächen,
  • Deine Interessen und Neigungen, denen Du nachgehst oder früher einmal nachgegangen bist,
  • Deine Gefühle und Gedanken in den jeweiligen Momenten,
  • aber auch Deinen Körper.

Auch hier hilft das Aufschreiben oder Auflisten bei der Bewusstwerdung. Wenn es Dir Spaß macht oder eher zusagt, kannst Du diese Eigenschaften alternativ zeichnen, malen oder auf Band sprechen. Am effektivsten ist es wohl, wenn Du Dir diese Dinge in welcher Form auch immer vor Augen halten kannst, anstatt sie nur anzuhören. Doch entscheide dies für Dich selbst.

Selbstliebe bedeutet, alle diese Dinge, die Dich ausmachen, anzunehmen, wie sie sind. Du bist richtig so, wie Du bist, und es hat seinen Grund, warum Du genau so bist. Du wurdest mit diesem Körper geboren, und alles, was Du bis jetzt erlebt, alle Entwicklungsschritte, die Du durchlaufen hast, haben Dich zu der wunderbaren Person gemacht, die Du heute bist. Sei dankbar dafür, dass Du bis zu diesem Punkt gekommen bist. Dankbarkeit verschafft ebenfalls inneren Frieden. Alles, was Dir bisher passiert ist, wird Dich für das stärken, was auch immer noch kommen mag, sofern Du das alles akzeptierst.

Falls Dir beispielsweise Dein Körper aktuell Probleme bereiten sollte oder Du an einer Krankheit leidest, kannst Du sicherlich besser damit umgehen, wenn Du auch diese problematischen Aspekte so akzeptierst, wie sie im Moment sind. Du wirst durch die bloße Akzeptanz zwar noch nicht gesund werden, doch sie wird den Heilungsprozess (oder den Prozess der Annahme bei einer unheilbaren Krankheit) weniger leidvoll gestalten. Du wirst dann besser zu schätzen wissen, was Du noch hast, und Dir idealerweise, so gut es geht, Deine Lebensqualität und Lebensfreude erhalten können. Doch nicht nur körperliche Beschwerden, auch Stress lässt sich besser bewältigen, wenn die Stress auslösende Situation zunächst einmal akzeptiert wird.

Wenn Du es geschafft hast, Dich selbst anzunehmen, wird es Dir wahrscheinlich auch leichter fallen, andere Menschen in Ihrem Sein zu akzeptieren – selbst dann, wenn Du Dich gerade über das Verhalten einer anderen Person ärgerst. Du kannst es nicht ändern, dass diese Person so reagiert. Du kannst lediglich Deine eigenen Erwartungen an das Verhalten anderer loslassen, jede Reaktion annehmen und Deinerseits das Beste daraus machen. Versuche dabei auch, Dich in die andere Seite hineinzuversetzen und zu verstehen, warum sie möglicherweise so gehandelt hat. Dies erleichtert die Akzeptanz. Beziehe dieses Verhalten aber nicht immer automatisch auf Dich. Manchmal handeln Menschen aus Gründen, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben. Du kannst gar nicht alle in Frage kommenden Hintergründe kennen. Akzeptiere im Fall der Fälle also auch die Grenzen Deines Wissens.

3. Vertrauen lernen unterstützt den inneren Frieden

Hast Du gelernt, Menschen und Gegebenheiten zu akzeptieren, folgt der nächste Schritt: Lerne zu vertrauen! Vertraue auf das Leben und dass es Dir immer genau zum richtigen Zeitpunkt die Dinge, Situationen und Menschen schenken wird, die Du auf Deinem Weg gerade benötigst, um zu wachsen und weiterzukommen. Auch, wenn Du manchmal das Gefühl hast zu stagnieren oder alleine dazustehen, hat dies einen Sinn. Eine empfundene Stagnation kann eventuell bedeuten, das demnächst ein großer Schritt ansteht, für den Du Deine Kräfte sammeln musst. Oder Du kannst Dich nun erst mal auf Deinen Lorbeeren ausruhen. Du brauchst den vermeintlichen Stillstand (wirklich still ist das Leben nie – es findet immer eine Form der Bewegung statt, egal, ob sie im Umfeld oder in Dir selbst geschieht) jedoch nicht zu bewerten. Nimm ihn einfach an, genieße den inneren Frieden, den er mit sich bringt, und freue Dich auf das Unbekannte dahinter, das Dich zu neuen Ufern führen wird. Vertraue darauf, dass es in jedem Fall immer weitergehen wird.

Und was das "Alleine-Dastehen" betrifft: Werde Dir Deiner eigenen Kraft und Möglichkeiten bewusst und vertraue auch darauf, dass Dir diese jederzeit bei Bedarf zur Verfügung stehen werden. Vielleicht wirst Du im Verlauf Deiner individuellen Entwicklung außerdem feststellen, dass Du niemals wirklich von den Dir nahe stehenden Menschen getrennt bist. Es genügt, an diese Menschen zu denken, und schon bemerkst Du, dass Du in Wahrheit immer mit ihnen verbunden bist. Dazu musst Du es nicht zwingend und nicht ständig körperlich fühlen, was auf Dauer im Alltag wohl eher irritierend wäre. Allein der Gedanke an die Verbundenheit wird Dein Wohlbefinden steigern.

4. Übe Dich in Gelassenheit und die innere Ruhe bleibt bei Dir!

Es gibt viele Maßnahmen, mit denen sich Gelassenheit üben lässt oder Du diese fördern kannst. Hier ist eine Auswahl an Ideen.

  • Meditation: Schon ein paar Minuten meditieren, also einfach da sitzen und nichts tun, während Du Dich auf eine Sache konzentrierst (etwa Deinen Atem, Deine Gefühle, einen Gedanken, ein Mantra oder ein Objekt), wirkt beruhigend. Allein dadurch, dass Du bei einer solchen Achtsamkeitsübung alles wahrnimmst, ohne es zu bewerten und sofort darauf reagieren zu müssen, wirst Du gelassener werden und im Laufe der Zeit bei regelmäßiger Übung auch Deinen inneren Frieden finden. Erwarte dabei aber nicht, es immer perfekt zu machen. Zur Gelassenheit gehört ebenso die Annahme der Unvollkommenheit und der Tatsache, dass es auch Situationen geben kann, in denen es Dir nicht gelingt, innerlich ruhig zu bleiben. Und auch das hat seine Daseinsberechtigung. Näheres über Meditation, deren Möglichkeiten und Grenzen sowie Übungsbeispiele findest Du im Artikel "Meditation - In der Ruhe liegt die Kraft" von brigitte77.
  • Yoga: Wenn Du Yoga praktizierst, wirst Du vermutlich schnell feststellen, dass Dir die Yogaübungen leichter fallen, wenn Du sie mit einer entspannten und ungezwungenen inneren Haltung durchführst. Umgekehrt führt die Yogapraxis aber auch kurz- und langfristig zu einer tieferen Entspannung. Wenn Du Dich in einer konkreten Situation gezielt entspannen willst, kannst Du dies in einer der Entspannungspositionen im Yoga tun. In der Totenstellung entspannst Du den gesamten Körper und kannst Dich einfach ganz auf die Unterlage sinken lassen, während Du auf dem Rücken liegst. Auch die Kindstellung, bei der Du wie ein Embryo zusammengerollt mit angezogenen Beinen und auf dem Boden gestützten Kinn daliegst, wirkt auf viele entspannend, obwohl sie für Anfänger zunächst vielleicht noch etwas ungewohnt ist. Diese Position geht aber auch umgekehrt herum, nämlich auf dem Rücken liegend und indem Du die angezogenen Beine dabei mit den Händen umklammerst. Eine weitere entspannende Yogahaltung ist die Happy-Baby-Position, ob mit oder ohne Schaukeln. Mudras, das so genannte Finger-Yoga, kannst Du jederzeit zwischendurch praktizieren. Für eine tiefe innere Ruhe kannst Du es zum Beispiel mit dem Tiefenentspannungs-Mudra probieren.
  • Entspannende Musik: Suche Dir eine bestimmte Musik, die Du immer dann hören kannst, wenn Du Deinen inneren Frieden durch einen äußeren Umstand bedroht siehst oder Dich einfach entspannen möchtest. Viele Menschen empfinden rein instrumentale Musik mit langsamen Melodien und sanften Klängen als besonders entspannend. Wenn dies nichts für Dich ist, dann wähle eine andere Musik zu Deiner Entspannung.
  • Düfte: Auch manche Duftrichtungen haben eine beruhigende Wirkung. Folgende Kräuterdüfte lindern unter anderem Stress und entspannen: Lavendel, Melisse, Anis, Rose, Geranie, Ylang-Ylang, Bergamotte, Zitronengras, Vanille, Orange, Rosmarin, Zimt, Fichtennadel, Kamille, Jasmin, Palmarosa, Petitgrain, Sandel- und Zedernholz. Da ist bestimmt der eine oder andere Duft für Dich dabei, der für Dich angenehm ist. Du kannst beispielsweise ein Duftöl mit einem oder einer Kombination dieser Inhaltsstoffe auf einen kleinen Teller träufeln und den Duft sich im Raum verteilen lassen, eine Duftkerze mit einem solchen Aroma anzünden, ein Potpourri aus diesen Kräutern zusammenstellen und diesen in den Raum stellen, oder unterwegs einen oder zwei Tropfen von diesem Duftöl auf Deinem Handgelenk verteilen und daran riechen.
  • Eigene Rituale gegen Stress entwickeln: Schaffe Dir im Alltag ganz individuell kleine Oasen der Ruhe, gönne Dir nach Phasen der Anstrengung regelmäßig Pausen zwischendurch und plane diese Pausen in Deinen Tagesablauf mit ein. Überlege Dir kleine Rituale, die Du täglich durchführst und die Dich entspannt durch den Alltag geleiten können. Das kann zum Beispiel die Tasse Kaffee oder die erfrischende Dusche am Morgen sein oder auch eine Tätigkeit, mit der Du abends zur Ruhe kommst und Dich allmählich auf die Schlafenszeit einstellen kannst.

Wie auch immer Du zu Deinem inneren Frieden gelangst: Ich wünsche Dir viel Freude dabei!

Bildquelle: Pixabay

Die_Utopische, am 02.02.2016
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