Krankenhauskeime - eine schwer zu kontrollierende Gefahr - Was tun gegen multiresistente Erreger?

Von Jahr zu Jahr sind mehr erschreckende Berichte über die Zunahme der Antibiotika resistenten Keime speziell in Krankenhäusern zu lesen. Die steigende Zahl Betroffener und die zunehmende Anzahl letal endender Infektionen lassen für die Zukunft das schlimmste befürchten. Inzwischen beschränken sich die Krankenhauskeime nicht mehr nur auf MRSA und MRE. Bisher nicht in Erscheinung getretene Krankenhauskeime wie der Acinetobacter Baumannii erschweren den alltäglichen Krankenhausbetrieb und lassen Patienten schon bei kleinen Routine-Eingriffen das Schlimmste befürchten. Berichte über Patienten, die beispielsweise bei einer harmlosen Miniskus-Operation durch die Infektion mit Krankenhauskeimen ihr Bein verloren haben, machen die Problematik deutlich.

Was versteht man unter Krankenhauskeimen

Der Begriff Krankenhauskeime bezieht sich in der Regel auf die multiresistenten Erreger, die hauptsächlich in Krankenhäusern zu finden sind. Hierzu zählt der inzwischen allseits bekannte Staphylokokkus aureus (MRSA) oder der Escherichia coli. Bis vor einigen Jahren war zum Beispiel MRSA kaum außerhalb von Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen zu finden. Die Verbreitung der Krankenhauskeime außerhalb solcher Einrichtungen nimmt jedoch rapide zu. Die Gefahr der Krankenhauskeime besteht in ihrer entwickelten Resistenz gegen viele bzw. fast alle Antibiotika. So reagiert der sonst harmlose Acinetobacter baumannii in seiner resistenten Form lediglich auf ein einziges Antibiotikum, nämlich das Collistin. Der Erreger schaffte es im vergangenen Jahr bereits, eine deutsche Intensivstation wochenlang lahmzulegen, bevor eine Eindämmung des Kranken-hauskeimes gelang. Die auftretenden Infektionen werden nach wie vor meist durch die großzügige Verordnung der verbleibenden Antibiotika bekämpft. Eine weitere Resistenzbildung ist hier mehr als wahrscheinlich. Die Folgen wären nicht abzusehen.

 

ESBL als Sonderfall unter den Krankenhauskeimen

Beim sogenannten ESBL ist die Situation noch ein wenig verfahrener. Hier handelt es sich um die Familie der Enterobakterien. Darunter versteht man Bakterien, die hauptsächlich den Darm besiedeln, ein Teil von ihnen kommt in der gesunden Darmflora des Menschen vor, andere sind Krankheitserreger und treten oft als Krankenhauskeime auf. Der Fall der verstorbenen Frühgeborenen durch ESBL-Erreger macht die Gefahr deutlich, die von diesen Krankenhauskeimen ausgeht. Der springende Punkt sind hier genetisch bedingte Mutationen, die die Enterobakterien zur Bildung von Enzymen anregen, die die Antibiotika vollständig unwirksam machen. Setzen sich ESBL-Erreger bei einem Patienten beispielsweise im Urin fest, ist die Sanierung oft nicht möglich, da alle Antibiotika-Gaben durch die erwähnten Enzyme wirkungslos bleiben.


MRSA - das Schreckgespenst unter den Krankenhauskeimen

Die geschätzte Zahl der jährlichen Neuinfektionen mit diesem äußerst gefährlichen Krankenhauskeim steigt inzwischen in utopische Höhen. Berichte über Todesfälle bei Infektionen mit MRSA sowie Notfall-Amputationen von Gliedmaßen als lebensrettende Maßnahme werden immer öfter bekannt.

Es ist zwar zutreffend, dass MRSA bei einem intakten Immunsystem ungefährlich ist, bei einer Schwächung des Immunsystems jedoch verheerende Folgen haben kann. Bei einer Besiedlung durch den Krankenhauskeim im Bereich von Nase, Rachen oder Leistengegend kann durch konsequente Hautdesinfektion Abhilfe geschaffen werden. Dringt der Krankenhauskeim MRSA jedoch in die Blutbahn oder in Wunden ein, können schwerste Komplikationen auftreten, die im schlimmsten Fall sogar tödlich enden können. Die Horrorberichte über die "fleischfressenden Bakterien" sind wohl jedermann noch gut im Gedächtnis.


Handlungsbedarf in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen

Bei einer gravierend hohen Zahl von Patienten, die sich mit Krankenhauskeimen infizieren, sind vor allem in den Kliniken selbst Umstrukturierungen nötig. Nur die wenigsten deutschen Kliniken führen zum Beispiel vor der stationären Aufnahme Screenings durch. Ältere und chronisch kranke Patienten durchlaufen oft eine Vielzahl von Kliniken und die Krankenhauskeime breiten sich so zunehmend aus. Einzig und allein Screenings und konsequente Isolierungsmaßnahmen betroffener Patienten können eine weitere Ausbreitung der Krankenhauskeime verhindern. Leider werden trotz vermehrter Warnrufe von Spezialisten von den meisten Kliniken keine Vorsorgemaßnahmen dieser Art getroffen. Die Gründe liegen wohl im vermehrten personellen Aufwand sowie den relativ kostspieligen Tests. Die Frage ist an dieser Stelle, ob die Schließung von ganzen Krankenhausbereichen, die früher oder später bei der zunehmenden Zahl der Infektionen und Todesfälle bevor steht, die Betreiber nicht teurer zu stehen kommt.


Wie kann man sich vor Krankenhauskeimen schützen?

Ein Schutz ist im häuslichen Bereich durch eine konsequente regelmäßige Händedesinfektion möglich. Hier ist zu erwähnen, dass Händewaschen nicht reicht! Herkömmliche Handseife ist schon seit längerem kein ausreichender Schutz mehr. Eine weitere Vorbeugungsmaßnahme gegen Krankenhauskeime ist an erster Stelle ein starkes intaktes Immunsystem, das notfalls auch mit Nahrungsergänzungsmitteln auf Vordermann gebracht werden sollte. Langfristig ist eher mit einer Verschärfung der Lage zu rechnen, da die Krankenhauskeime zunehmend mehr Resistenzen ausbilden. Jeder, der bis drei zählen kann stellt hier fest, dass in absehbarer Zeit kein einziges Antibiotikum mehr wirkt. Die Zukunftsprognosen der Spezialisten sehen auf diesem Gebiet sehr schwarz. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft vermehrt Screenings stattfinden. Jeder, der die Möglichkeit hat, sollte anstehende Krankenhausaufenthalte in Kliniken verlegen, die solche Tests vornehmen. Die Gefahr einer Infektion mit den gefürchteten Krankenhauskeimen ist dort wesentlich geringer.

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