In diesem Fall war es einfach ein besonders günstiges Angebot für eine Busreise am Freitagabend von Frankfurt nach Amsterdam und Sonntag früh zurück für jeweils nur 9,99 €. Sofort zuschlagen, im Internet buchen, Reiseunterlagen ausdrucken und einen kompletten Tag in Amsterdam zur Verfügung haben. Wann kommt eine solche Gelegenheit wieder? Also Rucksack packen und am Freitagnachmittag mit dem Zug nach Frankfurt fahren. Auf dem Bahnhof einen Cent am Boden gefunden. Also wenn das kein gutes Zeichen ist! Bestimmt ist das Glück vom Pfennig auf den Cent übergesprungen. Man muss nur dran glauben.

Startschwierigkeiten

Wobei es ja gar nicht so glücklich weiter ging. Da holt man sich eine Fahrkarte für den EC, damit es schneller geht, und was dann? Zuerst die Durchsage: "Der EC nach Frankfurt wird voraussichtlich 45 Minuten Verspätung haben". Naja, genügend Zeit war ja eingeplant, also nicht nervös werden. Nach einer Viertelstunde jedoch eine weitere Durchsage: "Der EC nach Frankfurt fällt aus technischen Gründen aus. Bitte benutzen Sie die Regionalbahn oder S-Bahn". Da leistet man sich einmal einen teureren Zug, weil man ja eine Bahncard 25 hat und muss doch mit der günstigen Variante vorlieb nehmen. Inzwischen kam auch eine SMS vom Busunternehmen: "Der Bus nach Amsterdam wird sich aus verkehrsbedingten Gründen dreißig Minuten verspäten. Wir bitten diese Unannehmlichkeit zu entschuldigen". Zumindest wurde es also vom Zeitplan her nicht eng. Ob das an dem gefundenen Cent lag?

Bahnhof Frankfurt / Main

Wegen einer Baustelle an den regulären Bushaltestellen in Frankfurt, war die Haltestelle verlegt worden. War das ein Chaos! Busse aller möglichen Gesellschaften fuhren von dieser ziemlich langen Haltemöglichkeit ab. Welcher war nun der Richtige? Busse kamen und fuhren wieder. Zum Teil war die Anzeige der Zielstationen durch andere Busse verdeckt. So wuchs die Nervosität immer mehr, je näher die durch die Verspätung angesagt Zeit rückte. Aber endlich war der richtige Bus entdeckt. Da kein großartiges Gepäck verstaut werden musste, sondern nur der Rucksack als Handgepäck mitgenommen werden konnte, war ein schneller Einstieg nach der Fahrkartenkontrolle möglich. Allerdings musste auch der Personalausweis vorgezeigt werden, da die Reise ins europäische Ausland ging.

Eine angenehme Fahrt

Es war ziemlich heiß am Abreisetag, aber der Bus war klimatisiert und sehr bequem. Wlan stand auch zur Verfügung. Die Reisezeit konnte also mit ein wenig surfen im Internet kurzweiliger gestaltet werden. Ein netter holländischer Busfahrer mit Sinn für Humor begrüßte alle Reisenden freundlich. Nachdem er alle Passagiere durchgezählt hatte, ging es los. Die Fahrt verlief – mit einer Pause von 45 Minuten an einem Rasthof – recht ruhig. Man hatte gute Möglichkeiten, ein Nickerchen zu machen, um ausgeruht am Zielort – Amsterdam Sloterdijk - anzukommen.

Das war dann gegen 01:00 Uhr in der Nacht der Fall. Nach einem kurzen Orientierungsblick ging es den anderen Backpackern nach, von der Bushaltestelle in den Bahnhof. Das allgemeine Ziel war die Station Amsterdam Centraal. Fahrkartenautomaten gab es reichlich. Nur sollte man den Fahrpreis passend in Münzen haben. Mit Scheinen zu bezahlen war nicht möglich und Kreditkarten waren zwar als Zahlungsart angegeben, aber egal wer es auch versuchte, es gab immer nur ein "Error" an allen Automaten. Also einfach mal die EC-Karte probieren. Diese war zwar nicht als Zahlungsart angegeben, aber der Automat fragte die Pin ab und spukte dann die Fahrkarte aus. Jetzt also schnell an einer der Säulen die Karte aktivieren und ab zu den Gleisen, denn die Zeit wurde langsam knapp, bis der letzte Zug nach Amsterdam Centraal diese Nacht einfuhr.

Amsterdam bei Nacht

Als das Ziel erreicht wurde, war der Bahnhof bereits geschlossen. Alle ankommenden Reisenden wurden direkt nach draußen geführt. Noch nicht einmal eine Toilette konnte aufgesucht werden. Um ein Quartier zu suchen, war es bereits zu spät, oder zu früh, je nach Sichtweise, also auf ins Nachtleben von Amsterdam. Am besten einer Gruppe von Touristen hinterher. Dass dieses dann ausgerechnet in das Rotlichtviertel von Amsterdam "De Wallen" führte, war so eigentlich nicht geplant. Zum Glück fiel man da als verirrte Touristin nicht auf. Die engen Gässchen waren voll von Männern und Frauen, die gemütlich hindurch spazierten und sich die dargebotenen Schönheiten anschauten, die hinter den Glasfenstern auf Kundschaft warteten. Weiter ging es die Grachten entlang, wo aus den Bars und Discotheken Musik erklang und zum geselligen Verweilen lockte. Die Lichter der Stadt spiegelten sich romantisch in den Grachten.

Amsterdam bei Nacht

Amsterdam bei Nacht (Bild: I. Ajerrar)

Bei Morgengrauen verflog diese Stimmung jedoch ziemlich schnell. So mancher Betrunkene wankte gefährlich durch die Gässchen und überall lag der Müll der vergangenen Nacht verstreut. Die fleißigen Männer der Amsterdamer Straßenreinigung beseitigten aber recht ordentlich diese Spuren, so konnte dann bei Sonnenaufgang schon in einem Cafe ein leckeres Frühstück genossen werden, um gestärkt Amsterdam und seine Sehenswürdigkeiten bei Tag zu erleben. Für Menschen, die es lieber bequem haben, werden an verschiedenen Orten Grachtenfahrten angeboten. Die Preise differieren allerdings sehr. Auch die Qualität soll ziemlich unterschiedlich sein. Mit einem Amsterdam-Ticket, das es in verschiedenen Ausführungen gibt, können alle Sehenswürdigkeiten direkt angefahren werden. Aber es ging auch sehr gut zu Fuß. So sparte man nicht nur eine Menge Geld, sondern begab sich auch manchmal ein wenig abseits des Touristenrummels und konnte die Stadt an den Orten genießen, die einem gerade gefielen. Das, was man bei diesem Aufenthalt nicht gesehen hatte, konnte man ja zu einem späteren Zeitpunkt noch nachholen. Es muss ja einen Grund geben, um einen weiteren Besuch in Amsterdam zu planen.

Die Amsterdamtour beginnt

Startpunkt war der Dam, der zentrale Knotenpunkt in Amsterdam, in der Nähe der Station Amsterdam Centraal. Ein großer Obelisk auf diesem ältesten Marktplatz von Amsterdam, erinnert an die holländischen Soldaten, die im zweiten Weltkrieg gefallen sind. Hier laufen alle großen Straßen der Fussgängerzonen, die Shoppingmeile und öffentlichen Verkehrsmittel aus allen Vierteln Amsterdams zusammen. Sowohl Touristen als auch Einheimische sehen immer wieder dem bunten Treiben der Straßenkünstler zu, die hier ihre Künste zeigen. In direkter Nachbarschaft befinden sich die Liebfrauenkirche und der Königspalast. Weiter ging es in südlicher Richtung zu Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett, dann die Damstraat entlang bis zum Kanal und von dort zur Alten Kirche, der wohl einzigen Kirche, die von Bordellen umringt ist. Über die Brücke gelangt man dann zum Erotik Museum. Etwas oberhalb davon beginnt Chinatown, was man gleich daran erkennt, dass die Straßenschilder zweisprachig sind. Weiter ging der Weg Richtung Waag, einem außergewöhnlichen Bauwerk am Neuen Markt, welches als Restaurant genutzt wird, bis zur Amsel. An der Nieuwe Keizersgracht Richtung Artis (Zoo) kommt man an hintereinander liegenden Hausbooten vorbei, zum Drei-Klimazonen-Gewächshaus und Botanischen Garten.

Über die Magere Brug, einer der wenigen erhaltenen holländischen Holzbrücken, welche in der Mitte mit einem Kettenzug hochgezogen wird, wenn ein größeres Schiff kommt, ging es Richtung Taschen-Museum weiter. Dort kann die etwa 500 jährige Geschichte aller Taschen, Koffer und Brieftaschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen besichtigt werden. Vor dem Besuch des Blumenmarktes konnte ein Mittagessen in einem der anliegenden Restaurants zu sich genommen werden. Da es an diesem Tag sehr heiß war, kamen die Tische im Freien, mit Sonnenschirmen geschützt, gerade recht. Wohl wegen der Hitze konnte man auch bequem über den Blumenmarkt spazieren und sich die Angebote ansehen. Unter den saisonalen Pflanzen und Blumenzwiebeln gab es auch Dreierpackungen Cannabis Anzucht-Sets zum Sonderpreis. Aber wenn man nicht gerade ein Fleckchen Erde zum Anpflanzen in Holland hat, sollte man dieses Angebot doch lieber nicht annehmen. Vom Blumenmarkt ging es weiter zum Hausboot-Museum und von dort am Anne-Frank-Haus vorbei zur Station Amsterdam Centraal, um hinter dem Bahnhof den Fähren zum nördlichen Teil Amsterdams zuzusehen.

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Spaziergang am Westerpark

Westerpark (Bild: I. Ajerrar)

Amsterdam Westerpark

Westerpark (Bild: I. Ajerrar)

Auch der schönste Tag ist einmal zu Ende

Da bis zur Rückfahrt nach Deutschland noch reichlich Zeit zur Verfügung stand und es für diesen Tag genug an Sehenswürdigkeiten und neuen Eindrücken gegeben hatte, führte der weitere Weg zurück zum Bahnhof Amsterdam Sloterdijk entlang der Haarlemmerstraat bis zum Haarlemmerplein. Die Haarlemmerstraat wurde im Jahr 2012 zur schönsten Einkaufstraße der Niederlande gewählt. Auf dem Haarlemmerplein erfrischten Kinder sich spielend an den Wasserfontänen, die immer wieder in verschiedenen Abständen und Höhen aus dem Boden sprudelten. Entlang des Haarlemmervaart lud eine Grünfläche unter schattenspendenden Bäumen zum Verweilen und Relaxen ein, was von vielen auch angenommen wurde. Auf dem anschließenden Gelände der "Westergasfabriek" fand gerade eine Musikveranstaltung statt. Schließlich ging es weiter den Westerpark entlang bis zur Station Amsterdam Sloterdijk, um von dort wieder die Heimfahrt anzutreten.

Ajerrar, am 23.07.2015
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Bildquelle:
I. Ajerrar (Als Rucksacktourist auf Stippvisite in Kopenhagen)
I. Ajerrar (Als Rucksacktourist in Malmö)
I. Ajerrar (Wenn der Urlaub zum Albtraum wird - Anspruch auf Preisminderung)

Autor seit 5 Jahren
97 Seiten
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