Woran erkennt man den Lagerungsschwindel?

Schon allein durch die Beschreibung des Beschwerdebildes kann der erfahrene Arzt ableiten, um welche Art von Schwindel es sich handelt. Bei einem Lagerungsschwindel werden die Schwindelattacken durch Kopfbewegungen ausgelöst (Kopfdrehung bzw. Kopf stark nach hinten/vorne neigen). Das unterscheidet ihn deutlich vom Schwindel, der durch Durchblutungsstörungen ausgelöst wird, auch wenn Ausnahmen nicht völlig ausgeschlossen werden können. Auch hat der Patient beim Lagerungsschwindel keine Hörminderung und keine Ohrgeräusche, wie es oft bei einem Hörsturz der Fall sein kann. Bei den Lagerungsschwindel-Symptomen sollten Sie am besten gleich einen HNO-Arzt oder einen Neurologen aufsuchen, denn leider sind viele Hausärzte mit der Diagnose überfordert.

Als sichere Diagnostik für den Lagerungsschwindel gilt der Frenzel-Brillentest, mit dem der Arzt die unwillkürlichen Augenbewegungen (Nystagmen) des Patienten während einer Schwindelattacke beobachten kann.

Kalkkristalle alias Otolithen oder Ohrsteinchen

Im Bogengang, dem Vestibulum des Innenohrs, befinden sich kleine Kristallsteinchen, die in der Fachwelt auch Otolithen genannt werden. Durch Alterungsprozesse, die jedoch auch schon in jungen Jahren einsetzen können, lösen sich diese Kristalle im Ohr ab und verirren sich in den Bogengängen, wobei sie die Sinneszellen des Innenohrs bei jeder Drehbewegung reizen und reelle Bewegung vortäuschen. Hinzukommt, dass nun beide Ohren Unterschiedliches wahrnehmen und das dem Gehirn melden. Dabei entsteht ein richtiges Informationschaos im Gehirn, das den Konflikt weder verarbeiten noch einordnen kann. Das Ergebnis ist der quälende Lagerungsschwindel.

Die Therapie besteht nun darin, die Steinchen wieder in eine stabile Lage zu versetzen. Dies geht NICHT durch Schonung oder Nicht-Bewegen des Kopfes, was die Heilung sogar verlangsamt, sondern im Gegenteil, nur durch aktive Übungen, die die Steinchen wieder aus den Bogengängen herausgeschleudern. Der Patient muss sich also seinen Schwindelattacken regelrecht aussetzen, um rasch Besserung zu erfahren.

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Was sind die Ursachen von Schwindel?

Es gibt sehr viele Ursachen für Schwindel. Sowohl eher harmlose als auch sehr ernstzunehmende. Außer dem beschriebenen Lagerungsschwindel, der auch gutartiger (benigner) anfallsweise auftretender paroxysmaler Schwindel (BPLS) genannt wird, gibt es noch folgende häufige Ursachen von Schwindel:

  • Morbus Menière, eine Erkrankung des Innenohrs
  • Eingeschränkte Nackenbeweglichkeit, Halswirbelsäule (wird von Ärzten allerdings sehr oft als Verlegenheitslösung diagnostiziert)
  • Niedriger Blutdruck, Schwindel bzw. Schwarzwerden vor den Augen beim Sich-Aufrichten.
  • Bei empfindlichen Menschen kann auch eine aufkeimende Erkältung mit anschwellenden Schleimhäuten Auswirkungen auf das Ohrinnere haben. In diesem Fall kann man 2 Tage lang handelsübliches Nasenspray in die Nase geben (nicht öfter als 2 x pro Tag) und dann den Kopf nach hinten neigen und auf die betroffene Ohrseite drehen. Das Nasenspray bewirkt ein Abschwellen der Schleimhäute und eine Wiederherstellung des Gleichgewichts
  • Schlaganfall
  • Hörsturz
  • Sucht- oder Medikamenteneinnahme, z.B. Schlafmittel oder Epileptika
  • Migräne
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Übungen zur Selbsthilfe

Erst einmal muss der Arzt mit Hilfe der Frenzel-Brille feststellen welches Ohr betroffen ist. Dann gibt es für den Lagerungsschwindel verschiedene Befreiungsmanöver, die man nach dieser Anleitung auch sehr gut selbst zuhause durchführen kann. Dabei ist es wichtig, dass die Manöverbewegungen ruckartig erfolgen.

Es gibt mehrere Arten von Befreiungsmanövern, z.B. das Epley Manöver. Schauen Sie sich die beiden folgenden an

Manchmal verschwindet der Schwindel nur kurze Zeit nach den Übungen. In manchen Fällen müssen die Übungen mehrere Tage wiederholt werden. Bei Patienten, die einmal unter dem Lagerungsschwindel litten, liegt die Rückfallquote jedoch bei 50%.

Wann sollte man bei Schwindel sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus?

  • Wenn außer dem Drehschwindel noch Taubheitsgefühle oder Lähmungen, Sprach- und Koordinationsstörungen sowie Sehstörungen auftreten
  • Wenn es in irgendeiner Form zu einer Hörminderung kommt
  • Wenn es zu starken Kopfschmerzen, Pulsrasen oder Bewusstlosigkeit kommt

Mediziner tappen im Dunkeln?

Wer dem Lagerungsschwindel zum ersten Mal begegnet und nicht gleich an die richtigen Informationen kommt oder nicht gleich den richtigen Arzt zur Diagnose findet, hat oft einen langen Ärzte- und teilweise auch Klinikmarathon zu absolvieren. Dabei ist es gerade wichtig, bei Schwindel nicht in Panik zu verfallen, denn das wiederum kann ihn noch verstärken und der Teufelskreis ist perfekt. Aber wenn Symptome und adäquate Übungen zur Abhilfe bekannt sind, kann man dem Lagerungsschwindel gelassen entgegensehen.

Autor seit 5 Jahren
103 Seiten
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