Liepnitzsee

Liepnitzsee (Bild: Uwe Müller: Foto ist Eigentum des Autors)

Der Wechsel zum Nordic Walking

Dann kam die erlösende Idee - ich kaufte die Stöcke für Nordic Walking und eine neue Ära begann. Zu der neuen Sportart kam auch ein neuer Weg. Ich fuhr mit dem Auto hinunter zum Liepnitzsee, natürlich nur bis zum Parkplatz. Dann schnallte ich die Stöcke um und begann zu laufen. In der Zwischenzeit war ich auch freiberuflich tätig und konnte tagsüber meinem Sport nachgehen. Ich habe mich nicht nur gesundgehalten, ich habe auch gelernt, mit den Hunden auszukommen. Wenn du mit deinen Stöcken so läufst und dir kommt ein Hund entgegen, dann fühlst du dich bewaffnet. Obwohl: Ich würde niemals die Stöcke einsetzen. Aber es gab schon einige Ereignisse, bei denen ich es fast schon getan hätte. Einmal kam mir eine Gruppe entgegen. Der Förster führte sie und sein Dackel langweilte sich offensichtlich. Bis der Hund mich erspähte. Pfeilschnell stürzte er auf mich zu und bellte mich kräftig an. Ich wollte kein Aufhebens machen und zischte ihn an: Verswinde. Da schnappte "Waldi" zu. Ich kenne seinen richtigen Namen nicht. Ich erschrak mich mehr, als dass es wehtat. Ich begann laut zu fluchen: "Können Sie nicht auf Ihren Hund aufpassen?", schnauzte ich den Förster an. Der blieb ruhig. Er tat so, als sei nichts geschehen. Jetzt empörte sich die Wandergruppe über mich. Sie sahen in mir einen Störenfried im Wald. Doch das sind die Kollateralschäden, wenn man das Risiko des Walkens an einem beliebten See eingeht. Ich hatte stets drei Etappen auf der Strecke. In der ersten lief ich zum See hinunter. Dann ging es am Ufer entlang. Das war der schönste Teil. Anschließend quälte ich mich dreimal einen Berg nach oben. Runter konnte ich den Blick auf den See genießen, allerdings keuchte ich dabei sehr. Und dann ging es zurück, wieder am Ufer entlang und später auf dem Waldweg bis zum Parkplatz. Nun kam der allerschönste Teil: Ich machte die hintere Klappe vom Off – Roader auf, hockte mich hinein und trank mein Wasser. Dann fühlte ich mich wie der liebe Gott. Ich glaube, das ist wirkliche Freiheit. Dafür nimmt man auch so manches in Kauf. Eine Zeitlang begegnete ich morgens vier Frauen mit nicht gerade kleinen Hunden. Doch die vermeintlichen "Raubtiere" erwiesen sich als zahm und gut erzogen. Sie blieben ganz ruhig sitzen, bis ich sie passiert hatte. Einmal kam ich mit den Frauen ins Gespräch. Sie meinten, ich würde wohl immer zum gleichen Zeitpunkt hier entlanglaufen. "Ist das wichtig?", fragte ich sie und lachte. "Ja, schon!", antwortete eine Frau aus der Gruppe. "Warum?", fragte ich zurück. "Nun, wenn Sie morgen wieder um die Zeit so pünktlich vorbeikommen, ja dann bekommen Sie von uns ein "Leckerli", antwortete sie. Ich habe das Angebot lieber abgelehnt.

Der Liepnitzsee – ist Balsam für meine Seele

Ich glaube, meine gute Laune kommt auch daher, dass ich dann nicht nur viel Sauerstoff einatme, sondern auch anders kommuniziere. Ich grüße jeden, der mir entgegenkommt. Manche sind erstaunt, manchmal grüßt auch nur ein Ehepartner wieder. Aber das ist mir egal – es gibt mir ein positives Gefühl. Am Neujahrstag bin ich mal nicht gewalkt. Ich bin auf der anderen Seite des Liepnitzsees mit meiner Frau spazieren gegangen. Wir haben alle uns entgegenkommenden Paare gegrüßt und uns sogar ein frohes neues Jahr gewünscht. Ich glaube, im Wald sind die Menschen anders. Sie tauen auf, zeigen ihr wahres, meistens freundliches Gesicht. Oder würden Sie in der Friedrichstrasse Berlin-Mitte jedem zum Neujahr gratulieren? Zugegeben, es laufen dort ja auch vielmehr Menschen umher. Doch genau deshalb laufe ich am See: Ich will wenigstens dort freundliche Menschen sehen, und dafür tue ich natürlich auch was.

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