350 Millionen Euro an Investitionen

 Offenbar hatte hingegen letzten Endes das Geld gereizt, das die Chinesen boten. Das Konsortium, an dem auch der Pekinger Staatsfonds Haixia Capital beteiligt ist, gibt für den Kauf von 99,93 Prozent der Milan-Anteile rund 740 Millionen Euro aus – ungeachtet der 220 Millionen Euro Schulden, die den Verein belasten. Das schlitzäugige Konsortium verpflichtet sich, in den kommenden drei Jahren 350 Millionen Euro zu investieren, um den Klub, der zuletzt im Jahr 2011 italienischer Meister geworden war und danach so dahin dümpelte, zu neuer Blüte zu führen. Dazu gibt es ein kleines Apercu: Berlusconi bleibt Ehrenpräsident.

Schon im Herbst 2015 war ein geplanter Deal mit dem thailändischen Investor Bee Taechaubol geplatzt. Schon damals hatte Berlusconi darauf verwiesen, dass sich seine Holding den Klub nicht mehr leisten könne, dass er aber - wenn auch als Kleinaktionär - weiter im Verein mitreden wolle. Der italienische Medienzar war eigentlich insgeheim seit Jahren immer mal wieder auf der Suche nach Investoren, auch wenn an einen großangelegten Verkauf nicht gedacht wurde.

 Inter Mailand hatte es vorgemacht

 Mailand, die norditalienische Wirtschafts- und Finanzmetropole, ist somit fußballerisch fest in chinesischer Hand. Denn nur knapp zwei Monate zuvor hatte schon der chinesische Einzelhändler (!) Suning Commerce den Fußballverein Inter Mailand übernommen. Er bezahlte 270 Millionen Euro für 69 Prozent der Anteile. Den Rest hält weiterhin Club-Präsident Erick Thohir. All diese Investoren profitieren davon, dass Chines Präsident Xi Jinping ausgemachter Fußballfan ist. Schon im März 2016 hatte seine Regierung die Losung ausgegeben: "Ein Aufleben des Fußballs ist entscheidend für Chinas Weg zu einer Sportnation". Der entsprechende Zweijahresplan sieht vor, 20.000 Fußballinternate im Lande zu bauen und Hunderttausende Jugendspieler zu rekrutieren. Mindestens 40.000 Trainer sollen eingestellt werden. Und im europäischen Ausland soll Know-how aufgesogen werden.

 Chinas Fußball hat Nachholbedarf

 Dabei ist nun auch Berlusconi zu Diensten. Aber er nicht allein. Neben Inter und dem AC hatten chinesische Investoren schon mehrere andere europäische Vereine übernommen, darunter Espanyol Barcelona oder Aston Villa; sie halten Anteile an Manchester City und Atlético Madrid. Es heißt, die Chinesen hassen und lieben den Fußball zugleich. Die Nationalmannschaft es Landes ist ihnen eine Schande. Die steht auf Platz 81 der Fifa-Weltrangliste und somit hinter Ländern wie Israel, Panama oder Sambia.

 Andererseits: Das Finale um die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 sah mehr als eine Million Menschen im Fernsehen. Und das wurde in China nachts um drei Uhr übertragen.

 

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