Mallorca-Krimi als Strandlektüre – Rezension zu "Insel des Schweigens"
Ex‑Profilerin Elena Vela sucht auf Mallorca Ruhe – doch eine Leiche, ein rätselhafter Comisario und alte Schatten machen den Neuanfang zum gefährlichen Krimipuzzle.Elena Vela: Auf der Suche nach Ruhe – und sich selbst
Elena Vela, ehemalige Profilerin der Wiener Polizei, kehrt auf die Insel ihrer Kindheit zurück, um Abstand zu gewinnen. Doch die ersehnte Stille endet abrupt, als eine verstümmelte Frauenleiche mit rätselhafter Tätowierung an den Strand gespült wird.
Hager zeichnet Elena als verletzliche, widersprüchliche Figur, die sich selbst im Weg steht und dennoch in eine Rolle gedrängt wird, die sie eigentlich hinter sich lassen wollte.
Ein Comisario mit feinen Rissen
Comisario Ángel Ribeiro, der Elena um Unterstützung bittet, ist ein gelungener Gegenpol: sensibel, intelligent, aber innerlich angespannt. Seine Abneigung gegen die Rechtsmedizin, seine Unsicherheit und sein Pflichtbewusstsein verleihen ihm Menschlichkeit. Zwischen ihm und Elena entsteht kein romantisches Knistern, sondern ein vorsichtiges, tastendes Arbeitsbündnis – geprägt von Respekt, Misstrauen und unausgesprochenen Fragen.
Ambra de Armas: Die Pathologin mit Benzin im Blut
Ein echter Farbtupfer ist Ambra de Armas, die Rechtsmedizinerin. Sie seziert Leichen mit derselben Hingabe, mit der sie Motorräder auseinanderbaut. Diese ungewöhnliche Mischung aus Professionalität und Leidenschaft verleiht dem Roman eine frische, fast spielerische Note.
Mallorca als vibrierende Kulisse
Hager nutzt die Insel nicht nur als Hintergrund, sondern als atmenden, lebendigen Raum. Das gleißende Licht, die Olivenhaine, die stillen Buchten – all das schafft eine Atmosphäre, die gleichzeitig einladend und unheimlich wirkt.
Gerade im Vergleich zu den Salzburg‑Krimis wirkt dieser Roman luftiger und deutlich mediterraner.
Stärken, kleine Schwächen und ein stimmiges Gesamtbild
Der Roman überzeugt durch:
- starke, vielschichtige Figuren
- ein atmosphärisch dichtes Setting
- psychologische Spannung statt Effekthascherei
- glaubwürdige Dialoge und feine Zwischentöne
Fazit: Mediterrane Spannung mit leichter Hand erzählt
Mallorca – Insel des Schweigens ist ein Krimi, der aus Hagers bisherigen Werken heraussticht: weniger düster, weniger urban, dafür sonniger, atmosphärischer und ideal für Leserinnen und Leser, die psychologische Spannung mit Urlaubsflair verbinden möchten. Eine gelungene Strandlektüre mit Tiefgang.
Lesungen mit Dagmar Hager
Wer die Autorin live erleben möchte, hat im April 2026 zwei Gelegenheiten, ihren neuen Mallorca‑Krimi live kennenzulernen.Dienstag, 21. April 2026 – 19:30 Uhr
Lesung mit Dagmar Hager und der Salzburger Autorin Katharina Eigner
Sound of Krimi – Salzburg
OVAL – Die Bühne im EUROPARK
Europastraße 1, 5020 Salzburg
Freitag, 24. April 2026 – 21:00 Uhr
Lesung mit Dagmar Hager bei der 11. Steyrer Kriminacht
Kulturzentrum AKKU
Färbergasse 5, 4400 Steyr
Kurzporträt: Dagmar Hager
Dagmar Hager ist österreichische Autorin, Radiomoderatorin, Podcasterin und Bloggerin. Sie lebt zwischen Österreich und Mallorca und verbindet in ihrer Arbeit mehrere Medienwelten. Bekannt wurde sie durch ihre regionalen Krimis mit starken Frauenfiguren sowie ihren Buch‑Podcast Bücher sind wie Kekse.
Offen spricht sie über persönliche Herausforderungen wie eine überstandene Krebserkrankung und nutzt ihre Plattformen als Mutmacherin für andere. Ihr beruflicher Weg führte sie vom ORF‑Sportreporterwettbewerb über Print, TV und Radio bis zu Masterabschlüssen in Mediation, Konfliktmanagement und Kommunikation. In ihrer Freizeit liebt sie Berge, Wasser, Reisen und alles, was Bewegung bringt.
Mallorca - Insel des Schweigens, Dagmar Hager, Gmeiner Verlag, 272 S., Print 16,– € / E-Book 11,99 €
ISBN 978-3-8392-8028-7
Bildrechte: Katharina Stögmüller
Bildquelle:
©Gmeiner-Verlag
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Bildrechte: Fotostudio Sandra Seifen
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