PET - Petcycle Einweg mit Pfand oder Mehrweg mit Pfand?

Die größten Zuwächse im Getränkebereich hat der Handel. Und da ziehen die Discounter mit ihren Petcycle-Flaschen immer weiter an. PET-Flaschen sind Behälter aus Polyethylenterephthalat, die mittels eines thermischen Verfahrens aus einem PET-Rohling hergestellt werden und seit Ende der 1980er Jahre unter anderem als Verpackungsmittel in der Getränkeindustrie eingesetzt werden. Da gibt es die bekannten PET-Mehrwegflaschen, die bis zu 20 Mal wiederbefüllt werden können. Und die sogenannten dünneren Petcycle-Flaschen. Diese PET-Einwegflaschen mit Bepfandung werden gesammelt und teils recycelt, teils "thermisch weiterverwendet", also in Müllverbrennungsanlagen oder Heizkraftwerken als Feuerungsmittel eingesetzt. Gebrauchtes PET kann auch zur Herstellung von Polyester-Textilfasern verwendet werden. Weltmarktführer auf diesem Gebiet ist China. Allein im Jahre 2006 wurden knapp vier Millionen Tonnen PET-Abfälle nach China exportiert, was etwa 100 Milliarden Plastikflaschen entspricht. Auch die Türkei importiert altes PET, um daraus Textilfasern herzustellen.

Die Verpackung ist billiger, aber nicht besser für uns!

Gesundheitliche Aspekte von PET.

Keimfreie Abfüllung kann bei Plastikflaschen logischerweise nicht wie bei Glasbehältnissen heiß erfolgen. Deshalb gibt es eine sogenannte Kaltentkeimung mit Hilfe von Dimethyldicarbonat (DMDC). Dieses baut sich zwar während des Vorgangs ab, geringe Mengen des Reaktionsproduktes O-Methyl-Carbamat bleiben zurück. Dieser Stoff kann laut Untersuchungen Krebs auslösen.

Außerdem sondert der PET-Kunststoff geringe Mengen nach Wein riechenden, gesundheitsschädlichen Acetaldehyd (Ethanal) in die Flüssigkeit ab. Deshalb wurden in PET-Flaschen anfangs nur süßliche, den Beigeschmack kaschierende Getränke abgefüllt. Die Konzentration von Acetaldehyd in diesen Behältnissen erscheint unbedenklich, da sie unter dem gesetzlichen Grenzwert liegt. Gleichwohl ist dieser Stoff, der z. B. zur Ausbildung einer Leberzirrhose führen kann, nachweisbar.

Dazu kommt, dass PET im Gegensatz zu Glas nicht gasdicht ist. Da Kohlendioxid aus der PET-Flasche herausdiffundiert, können manche Getränke bereits nach einigen Wochen schal und ungenießbar werden. Eindringender Sauerstoff führt zu Geschmacksveränderungen und gegebenenfalls zum Verderben des Inhalts. Mineralwässer und andere kohlensäurehaltigen Getränke in PET-Flaschen haben deshalb eine deutlich kürzere Mindesthaltbarkeitsdauer (MHD) als solche in Glasflaschen und Getränkedosen. Die Haltbarkeit verringert sich fast um die Hälfte.

Vorteile von Mehrweg werden wenig beachtet.

Mehrwegflaschen lassen sich etwa 50 Mal wieder befüllen, und sparen so Ressourcen. Mehrweg ist eindeutig Gesünder, besonders die Verpackung der Glasflaschen. Trotzdem sinkt der Anteil von echtem Mehrweg kontinuierlich. So lag er im letzten Jahr nur noch bei 45,7 %. Der Endverbraucher erkennt den Unterschied kaum. Eine entsprechende Verordnung zur Kennzeichnung schmort im Bundesrat. Ich befürchte, Umweltprobleme gehen sowohl der Politik als auch dem Konsumenten an der hinteren Gesäßöffnung vorbei. Wie lässt es sich sonst erklären, dass allein Berlin einen Verbrauch von 170 Millionen Einweg-Kaffeebechern pro Jahr hat, und zufolge bundesweit Spitzenreiter ist. Dadurch entstehen Tonnen an Abfall. Diese Becher z. B. können nach DUH-Angaben wegen des enthaltenen Kunststoffs nur eingeschränkt recycelt werden.

Auch das sogenannte Dosen-Pfand, eine ach so tolle Erfindung unseres Vorzeige-Grünen und ehemaligem Umweltminister Jürgen Trittin, brachte nicht wirklich viel, eigentlich nur das AUS der Dose. Mit ihr verschwand ein Lebensgefühl. Die Palette Becks Dosen 0,5 in der Bilge des Segelkahns gekühlt hatte schon was. Hätte der gute Jürgen damals schon eine Steuer auf Einwegprodukte eingeführt, aber auf mich hört ja keiner von diesen überbezahlten Schlaubergern.

Gibt es eine Gefährdung der Gesundheit durch PET?

Wie argumentiert Coca Cola?

Denen spielt natürlich das Kaufverhalten der Konsumenten in die Karten. PET ist leicht, wird just in time produziert. Der Rohling wird erst kurz vor der Befüllung heiß gedehnt. Also geringe Lagerhaltung und weniger Gewicht auf dem LKW. Daher mehr Volumen beim Transport. Keine Rückführung von Leergut, kein Aussortieren von Fremdflaschen. Kostengünstigeres Handling nennt man das. Weniger Manpower, Wegfall von Arbeitsplätzen nenne ich das. CC legt ein umweltverträgliches Gutachten vor. Nach Konzernangaben ist die Umweltbilanz gleich dem von Mehrweg. Wer den Gutachter bezahlt, hat eigentlich immer recht. Was soll daran umweltverträglich sein, PET-Flaschen zu schreddern und nach China zu transportieren? Und das mit Schweröl betriebenen Containerschiffen. Fakt ist allerdings, dass der Kunde hier kauft und sein Leergut woanders abgibt. Deshalb müssen erst leere Kisten ausgeliefert, und dann wieder befüllt zurück geholt werden. Und die kommen durch die aktuelle Vielfalt bei Flaschen (siehe dazu auch meinen Artikel über Leergut) querbeet befüllt zurück. Müssen dann kostenintensiv von teurem Personal aus Lettland (Achtung Ironie) sortiert werden, und das für einen Hungerlohn. Die eigene Bequemlichkeit des Konsumenten wird noch mal unser aller Untergang.

Meine Meinung.

Coca Cola ist hier nach dem Krieg mit der berühmten bauchigen 0,2 Ltr. Flasche groß geworden. Darin schmeckt die Brause unnachahmlich gut. Die Marke wurde von allem Mitarbeitern getragen. Jeder CC-Angestellte war stolz auf seinen Betrieb. Es galt der Slogan: Coca Cola auf Armweite. Heißt, wo der Endverbraucher seinen Arm ausstreckt, muss er dieses Produkt vorfinden. Von der kleinsten Hallig bis zur Almhütte, kein Lieferweg war zu weit. Wenn aber nun Gastronomie-Gebinde eingestampft werden, und da gehören auch die Zapfanlagen dazu, dann frage ich mich, warum ich ein teures Markenprodukt kaufen soll? Wenn ein Wirt mir aus einer weichen Einwegflasche Cola ausschenkt, die ich für 35 Cent die Flasche beim Discounter bekomme, warum soll ich dann 2,-- € für ein Glas braune Brühe blechen?

Der Biertrinker genießt sein Gesöff entweder aus dem Glas oder aus der Glasflasche. Da stimmt der Mehrweganteil auch noch. Und die Präsentation der Marke bleibt erhalten. Wenn bei der Oscar-Verleihung Weltstars antreten, die ihre Klamotten bei KIK kaufen, machen die sich lächerlich. Das Getränk einer Weltmarke in Weichplastik aber auch. Verpackung ist mehr als nur ein Behälter, Verpackung ist Style!

Und was ist das für ein Signal für unsere Umwelt? Ich war mal Fan, aber so kann ich auch zu Zitsch, Zatsch oder Zutsch wechseln! Ich befürchte, ihr hohen Herren in Atlanta werdet es irgendwann bereuen.

Autor seit 5 Jahren
268 Seiten
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