Ein Nachrücker für Carlo Schmid

 

So war und ist Jakob Mierscheid: Ein Homunculus politicushttps:(auch wenn er heute in Berlin agiert). Zum ersten Mal aufgetaucht ist Mierscheid am 12. Dezember 1979 exakt um 22.35 Uhr. Zu dieser Stunde saßen im Restaurant des Bonner Bundeshauses die beiden SPD-Abgeordneten Peter Würtz und Karl Haehser zusammen und trauerten um den tags zuvor gestorbenen Carlo Schmid. Und obwohl der zuvor schon sein Abgeordnetenmandat niedergelegt hatte, wurde in dieser Stunde beschlossen, einen Nachrücker in die Welt zu setzen. Dokumentiert auf der Rückseite einer Speisekarte: Mierscheid, Jakob (44), katholisch, von Beruf Schneider – verwitwet seit 1978, vier Kinder, ländlicher Wahlkreis Morbach/Hunsrück (Rheinland-Pfalz).

 

Kein Patent – sondern die Lösung

 

Seitdem ist Mierscheid jedes Mal wiedergewählt worden und natürlich auch mit nach Berlin gezogen. Mittlerweile besitzt er eine eigene Homepage, auf dem Webserver des Bundestages findet sich auch eine "Selbstbeschreibung" Mierscheids. In der heißt es: "Ich bin weder eine Erfindung noch ein Patent - ich bin die Lösung. Wie der Verfassungsjurist Friedrich Nagelmann und der Berufsdiplomat Edmund F. Dräcker meine Kollegen bei der Judikative und bei der Exekutive, mit denen ich gern zusammenarbeite, gehöre ich zu den Säulen unseres Staatswesens." Auch Nagelmann und Dräcker sind fiktive Personen.
Überhaupt geht Mierscheid, obwohl schon älteren Jahrgangs, stets mit der Zeit. Er bloggt regelmäßig unter dem stilvollen Label: "Worte der Weisheit".

 

Eine Brücke über die Spree….

 

Als alter Polithase weiß Mierscheid auch, was sich gehört, nach einer Abmahnung seines damaligen Fraktionschefs Franz Müntefering zum Beispiel. Der hatte sich darüber geärgert, dass sein Genosse ausgerechnet den Namen der ehemaligen SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zum Unwort des Jahres 2004 erklären lassen wollte, behauptete zumindest eine Zeitschrift namens "Aktiv im Ruhestand – Die Zeitschrift für ehemalige Angehörige des öffentlichen Dienstes und ihre Hinterbliebenen". Seinem Renommee geschadet hat die Rüge Münteferings nicht. Im Gegenteil: Noch im selben Jahr wurde eine Brücke über die Spree nach ihm benannt. Mierscheid selbst wurde von Dietrich Sperling (SPD) vertreten. Sperling war Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbauminsterium und ist Mitverfasser einer Mierscheid-"Holografie". Außerdem gilt er als bester Freund Mierscheids und dessen Sprachrohr, falls der mal nicht persönlich agieren konnte, was öfter vorkam. Ein Hinweisschild auf "Jakob-Mierscheid-Steg" konnte an der Brücke übrigens nur vorübergehend angebracht werden. Bei der Befestigung hatten sich unerwartete Probleme ergeben: "Die Bolzen, die wir hatten, erwiesen sich als Nieten" sagte Sperling. Leider gilt das auch für seine parlamentarischen Aktivitäten.

 

Das Prozessions-Wegfall-Gesetz

 

So hat er sich sehr für die Verabschiedung eines "Rheinländer-Prozessions-Wegfall-Gesetzes" eingesetzt, weil die umgezogenen Rheinländer an der Spree gleich auf drei traditionelle Umzüge mit Feiertagsgewand verzichten müssen: Auf Rosenmontag, Fronleichnam und Allerheiligen. Auch der Vorschlag, die Abgeordneten sollten es bei ihren Parlamentsreden bei dem Satz "Ich komme zum Schluss" belassen und alles andere zu Protokoll geben, blieb ebenso im Politikgestrüpp hängen, wie die Idee, die jährlichen Rentenanpassungen mit der ARD-Glückstrommel "unter notarieller Aufsicht" auslosen zu lassen.

 

Nur in letzter Zeit ist es etwas ruhig geworden um den Dauerabgeordneten aus Rheinland-Pfalz. Ein Gerücht sei daran schuld, wissen gewöhnlich gut unterrichtete Kreise zu berichten. Jemand hatte behauptet, Mierscheid sei zu den Linken übergetreten, was ihn, den Pfälzer, tief trifft. Mierscheid: "Wir Pfälzer mögen keine Saarländer".

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Autor seit 1 Jahr
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