Motoröl (Bild: ashley.mae (at) flickr.com)

Jeder Tropfen ist kostbar

Auch herkömmliche Motoröle müssen hohe Anforderungen erfüllen: Zum einen ist es ihre Aufgabe, die Haltbarkeit des Motors zu verlängern. Zwischen Öl und Oberflächenbeschichtung sollte eine im wahrsten Wortsinn reibungslose Interaktion zustande kommen, Fließfähigkeit und Schutz vor Verschleiß bis zu – 30°C gewährleistet sein. Das Öl muss eine Verbrennung begünstigen, die ökologisch sauber ist. Seine Additive, aus denen Motoröl neben den Grundölen besteht, dürfen zudem die Funktion des Katalysators nicht beeinträchtigen. Ganz wichtig ist auch der Faktor Kraftstoffverbrauch, den die führenden Hersteller moderner Hochleistungsöle zu senken versprechen. Während aber im kommerziellen Sektor Motoröle einen inzwischen immense Bandbreite hinsichtlich Einsatzmöglichkeiten und Funktionalität aufweisen, werden die Schmierstoffe für die Formel 1 für nur einen einzigen Motor entwickelt. Das macht sie so exklusiv und kostbar. Es versteht sich von selbst, dass die beteiligten Labors geheime Formeln verwenden und sorgsam vor dem Zugriff der Wettbewerber schützen.

 

Für jeden Motor das beste Öl

Jede neue Rennsaison bringt neue Fahrzeuge mit neuen Motoren an den Start. Und immer werden auch neue Motoröle gebraucht. Sie unterscheiden sich in der Zusammensetzung völlig von den Produkten, die man an jeder Tankstelle kaufen kann und deren Entwicklung bis zu drei Jahre in Anspruch nimmt. Diesen Zeitluxus hat die Formel 1 nicht. Sie verlangt nach Schmierstoffen, die extreme Rennbelastungen aushalten, die im Vergleich zum Straßenfahrzeug viel intensiveren Reibungskräfte im Griff haben und hohe Temperaturen ableiten können. Weil je nach Saison von einem Rennstall nur eine mehr oder weniger kleine Zahl an Motoren eingesetzt werden darf, muss das entsprechende Motoröl auch deren Haltbarkeit unterstützen. Hier sind die Anforderungen an F1-Motoröl gar nicht mal verschieden von denen an Getriebeöl, das ebenfalls Höchstbelastungen aushalten muss. Aber genau diese technologische Schlüsselstellung macht das Motoröl in der Formel 1 zum Zünglein an der Waage, zur möglicherweise alles entscheidenden Zutat für den Weg aufs Siegertreppchen.

Formel 1 (Bild: Paul D'Ambra - Australia (at) flickr.com)

Ständige Analysen an den Renntagen

Damit die hohen und zugleich äußerst individuellen Normen der Rennteilnehmer erreicht werden, müssen Fachleute für Schmierstoffe vor und während der Rennen präzise Analysen vornehmen. Die Spezialisten prüfen mit einem Spektrometer den jeweiligen Zustand des verwendeten Öls. Dabei gilt der Leitsatz: Wie die Qualität des Öls, so die Qualität des Motors. Die Experten entnehmen nur Proben. Der Ölfilter verbleibt im Rennwagen wie auch das Gesamtvolumen an Öl im Motor. Doch es gibt Unterschiede: Die Motoren für Qualifying und Rennen sind verschieden, also müssen etwa 70 Prozent des eingesetzten Öls im Wechsel von Samstag auf Sonntag abgestimmt und erneuert werden. Passiert das Fahrzeug dann die Ziellinie, macht sich ein Team hoch qualifizierter Schmierstoff-Gurus sofort daran, für das nächste Rennen zu planen und den perfekten Mix bereitzustellen.

 

Die Rennställe haben klare Vorgaben für die benötigten Kraftstoffe, Motoröle und Schmierstoffe. Die großen petrolchemischen Konzerne beschäftigen daher auch eigene Formel-1-Abteilungen, die viele hundert Köpfe stark sind und ihre geballte Ingenieurkraft in die stetige Fortentwicklung eines Produkts stecken, dass nur in einem Motor während nur einer Saison fließt.

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