Laut eigener Definition ist Momo ein Bioladen erster Stunde und Alter Schule. Mit erster Stunde umschreibt Momo-Raoul, so sein Spitzname, den Ansatz "natürlich und langsam gewachsen zu sein", im besten Sinne "biologisch-dynamisch". Alte Schule steht für höchsten Sortimentsanspruch und zielbewusstes Handeln.

Der Bio-Pionier ist ein Ur-Bonner. Geboren am 30.10.1960 in Bonn-Bad Godesberg. Seine Eltern Hans und Irmingard Schaefer-Groebel betrieben bis Mitte der 80er Jahre eine Tanzschule. Der Rheinländer ist seit 20 Jahren verheiratet mit Sabine Schaefer-Groebel, geborene Klein.

Nach wechselvoller Schulkarriere machte er 1982 Abitur und 18 Monate Zivildienst in einem Bonner Altenheim. Danach schrieb er sich an der Uni Bonn ein und probierte des Öfteren neue Fächer, da er nicht wirklich das richtige im Studium fand. Sein Geld verdiente er mit Taxi fahren. So kam es 1986, dass er als Kunde bei Momo vorfuhr und der Brotlieferant des Bioladens durch Abwesenheit glänzte. Der Teilzeit-Taxi-Fahrer sprang ein und holte mit dem Momo-Kleintransporter das benötigte Brot. Von da an war er "Bio-Fuhrunternehmer" für Momo und Teil des Momo-Kollektivs.

Das Momo-Kollektiv

Das Momo-Kollektiv bestand ursprünglich aus 15 Studenten, von denen zehn aktiv im Bioladen mitarbeiteten. Entscheidungen wurden im wöchentlichen Plenum im Konsens getroffen. Das Geschäft ernährte alle Mitglieder mehr schlecht als recht. Das Geld fehlte vorne und hinten, an einen guten Stundenlohn war nicht zu denken. Dieser betrug seinerzeit vier D-Mark. Durch die fehlenden Reserven kam es immer wieder zu Schulden, die sich irgendwann auf 50.000 D-Mark angehäuft hatten. Nun musste entschieden werden, wie es weitergehen sollte. Letztlich übernahmen 1990 vier Mitglieder die Verantwortung und professionalisierten Momo. Der Laden wurde heller, freundlicher, sortierter und somit zugänglicher für alle "Normalsterblichen". Mit dabei die heutigen Geschäftsführer Raoul Schaefer-Groebel und Ulrich Rothert.

Tschernobyl, BSE-Skandal und die Folgen

1986 ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl. Und das Thema Rinderwahnsinn (BSE) war ebenfalls ein heiß diskutiertes Thema. Die Menschen dachten zunehmend über ihre Ernährung nach und wo die Produkte, die sie kauften, herkamen. Ein Ansturm auf ökologische Lebensmittel war die Folge. Für den kleinen Naturkost- und Umwelt-Laden in der Friedrich-Breuer-Straße bedeutet dies, dass Kunden häufig nur noch im "Rundlauf" einkaufen konnten. Die Schlange begann am Eingang und zog sich bis zur Kasse fort. Aus der eingeschworenen Öko-Jünger-Gemeinde war ein gesellschaftlicher Trend geworden.

Ende 2004 ergab sich für Momo die Chance, das ehemalige Odeon-Kino in Bonn-Beuel zu mieten. Der Umzug fand im August 2005 statt. Die neuen größeren Räume versprühten ein Flair von Seriosität und Modernität. Selbst Behörden hatte keine Scheu mehr, sich vom Bioladen beliefern zu lassen. Von der früheren Schwellenangst in den kleinen verhuschten "Krämerladen" zu kommen, war nichts mehr zu spüren.

Bioladen XXL

Seitdem ist Momo der "Bioladen XXL" in Bonn. Das Geschäft ist 600 Quadratmeter groß mit angeschlossenem Bistro und einem echten Biometzger. Der gut nachgefragte Lieferdienst und der professionelle Online-Shop komplettieren das Angebot. Momo führt fast 8.000 ökologische Artikel, die zumindest weitestgehend den hohen Ansprüchen der Öko-Pioniere genügen. Großes Plus sind frische Lebensmittel: über 200 Sorten Käse, Brot von sechs regionalen Biobäckern, eine breite Palette von Milchprodukten und dem größten Obst- und Gemüseangebot weit und breit. Momo-Raoul rät: "an einem Besuch vor Ort kommt niemand vorbei, denn Momo muss Mann und Frau riechen, schmecken, hören und fühlen, also vor allem: erleben!"

Der Bio-Botschafter plädiert zudem für einen ganzheitlichen Ansatz im Bio-Handel. Es geht darum, die komplette Produktions- und Handelskette ökologisch zu betrachten. Das beinhaltet zum Beispiel den pestizidfreien Anbau, die örtlichen Arbeitsbedingungen, die Transportvermeidung, die Verpackungsoptimierung bis hin zur Authentizität der Akteure und der Sinnfrage eines Produktes. Die Momo-Geschäftsführer arbeiten seit Jahrzehnten nach diesen Prinzipien ohne Wenn und Aber. Der Erfolg gibt ihnen recht.

Das Bonner Ur-Gestein meint, dass die Stadt Bonn sich zu einer Fahrrad-Hochburg mausern solle. Der Bioladen geht mit gutem Beispiel voran. Seit 1994 gibt es das "MomoBil". Das Transportrad fährt in der vierten Generation und hat sich heute zu einem hitec-Zugrad mit Anhänger entwickelt. Die 150 Lieferkunden werden jede Woche mit dem Rad beliefert – alles ganz rheinisch-ökologisch.

Steckbrief

Branche: Einzelhandel

Gegründet: 1983

Beschäftige: rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Geschäftsführer: Raoul Schaefer-Groebel und Ulrich Rothert

Das Besondere: Glaubwürdigkeit im Biogeschäft. Momo hat sich vom Krämerladen zu einem XXL-Bioladen entwickelt ohne seine Grundsätze über Bord zu werfen. Die hohen ökologischen Grundsätze der ersten Stunde bestehen nach wie vor.

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