Nicht lange, nachdem ich, wenn auch mit einigem Widerspreben, akzeptiert hatte, dass ich offenbar keine Tomaten vertrage, stieß ich in einem amerikanischen Internet-Forum auf einen Text, in dem die Zuträglichkeit der Nachtschattengewächse als Nahrung angezweifelt wird. Als ich zu  recherchieren begann, fand ich eine ganze Reihe von Berichten, wonach ein Zusammenhang besteht zwischen dem Verzehr dieser Pflanzen und körperlichen Problemen wie Rheuma, Arthritis, Kalkschulter und Zahnfleischschwund.

Damit will ich niemandem den Appetit auf Tomaten, Paprika und Kartoffeln verderben. Andererseits sind Gelenkschmerzen in unserer Gesellschaft so weit verbreitet, dass viele Menschen  solche gesundheitlichen Beeinträchtigungen wohl als "natürlichen" Alterungsprozess betrachten, ohne zu ahnen, dass diese durch die Nahrung zu beeinflussen sind.

Im Botanischen Garten wachsen sie einträchtig nebeneinander

Im Botanischen Garten wachsen sie einträchtig nebeneinander: Tomaten und Stechapfel.

Geschichtliches

Die ersten Bestrebungen, Tomaten und Kartoffeln aus Südamerika in Europa als Nahrung einzuführen, scheiterten am Misstrauen der Bevölkerung, denn anhand der Blüten waren diese Pflanzen leicht als Verwandte heimischer Nachtschattengewächse wie dem Bittersüßen Nachschatten und Tollkirsche (Belladonna) zu identifizieren.

 

Als Kartoffeln dem englischen Königshof präsentiert wurden, führte die erste Mahlzeit damit zu Vergiftungen, weil nicht die Knollen, sondern die Blätter verwendet wurden. Nach diesem Fehlschlag wurde dieses Gewächs an die Iren weitergereicht.

In Deutschland wurde die Kartoffel erst im Laufe des 18. Jahrhunderts großflächig angebaut, zur Abwendung einer Hungersnot nach Getreidemissernten.

 

Tomaten wurden in Südeuropa zunächst zur Zierde angepflanzt, wegen der roten Früchte, die ihnen den Namen "Liebes-Apfel" eintrugen. Im Laufe der Zeit erlangten sie gerade in diesen Ländern große Beliebtheit als Gemüse, obwohl der Nährwert als gering eingestuft wurde.


Die aus Asien stammende Aubergine wurde im Mittelmeerraum auch "Mad Apple" genannt, weil der regelmäßige Verzehr über einen Monat hinweg zu Geistesstörungen führen sollte.Wegen des hohen Solaningehalts gelten die meisten Arten der Aubergine im rohen Zustand als giftig, sie können also nur gegart verzehrt werden. Wie andere Solanaceae enthalten sie geringe Spuren von Nikotin; dieser Gehalt variiert, je nach Untersuchung oder Sorte, zwischen nicht nachweisbar und 100 Mikrogramm pro Kilogramm.

 

Gesundheitliches

Nachtschattengewächsen enthaltenen Alkaloide, wozu auch das Nikotin gehört. Im Gemüseteil dieser Pflanzen ist der Gehalt an Alkaloiden zwar gering, dennoch können sie den Körper beeinflussen. Der äußere Teil der Kartoffel enthält das Alkaloid Solanin, das durch die Einwirkung von Sonnenlicht aktiviert wird, weshalb die grünen "Augen" sehr giftig sind.

 

In der Makrobiotik wird verständnislos und ablehnend auf den Verzehr von Solanaceae reagiert, weil grundsätzlich auf Nahrungsmittel verzichtet wird, die dem Körper Mineralstoffe entziehen. Speziell die Nachtschattengewächsen werden hier wegen deren chemischen und energetischen Zusammensetzung als schwächend für das Zahnfleisch, die Knochen und weitere Organe eingestuft.

 

In deutschsprachigen Artikeln ist in diesem Zusammenhang häufiger von einer Allergie gegen Nachtschattengewächse die Rede – diese Bezeichnung finde ich allerdings fragwürdig, denn so werden überempfindliche Reaktionen auf harmlose Substanzen bezeichnet, wie beispielsweise Heuschnupfen infolge von Pollenflug.

 

In der Homöopathie gilt bekanntlich der Grundsatz, dass Ähnliches durch Ähnliches geheilt wird. Hier werden unter anderem Tabak, Belladonna und Bittersüßer Nachtschatten bei Gelenkbeschwerden, Rheuma und Asthma eingesetzt. Aus Solanaceae gewonnene homöopathische Potenzierungen können also dem Körper den Anstoß geben, genau solche Beschwerden zu heilen, die dann auftreten, wenn diese Pflanzen in größerer Menge aufgenommen werden.

 

In den USA ragt die Arbeit von Dr. Childersheraus, der früher selbst an Gelenkschmerzen litt und die "Arthritis Nightshades Research Foundation" gründete, deren Ergebnisse allerdings von der Schulmedizin nicht anerkannt werden. In fast fünfzigjähriger Erforschung des Zusammenhangs zwischen Arthritis und Nachtschattengewächsen als Nahrungspflanzen kam Dr. Childers zu dem Schluss, dass die in den Solanaceae enthaltenen Alkaloide den Knochen Calcium entziehen, das dann an den Gelenken, im Gewebe und an Blutgefäßen ablagern wird. Darüberhinaus weist er auf die suchterzeugende Wirkung der Ernährung mit Nachtschattengemüse hin.

 

"The Arthritis Nightshades Research Foundation"

http://www.noarthritis.com/

http://www.galerie-barbarossa.de/makrobiotik/kartoffel/kartoffeln.html

 

 

Der Nachtschatten-Test

Diese Suchtkomponente könnte folgenden einfachen Test für diejenigen erschweren, die von Gelenkschmerzen betroffen sind und Klarheit darüber haben möchte, ob Kartoffeln, Tomaten und Co als Auslöser in Frage kommen. Ungefähr vier Wochen des Verzichts sollen nötig sein, um den Körper weitgehend von Einlagerungen zu befreien. Dieser Zeitrahmen dürfte wohl nur ein Richtwert sein, abhängig von Empfindsamkeit und Ernährungsgewohnheiten des Einzelnen. Allerdings soll bereits eine zweiwöchiger Nachtschatten-Askese zu einer deutliche Verbesserung der Befindlichkeit führen — bis hin zu Schmerzfreiheit. Dann genügt bereits der einmalige Genuß einer einzigen Mahlzeit, die verschiedene Nachtschatten-Gemüse enthält, um Entzündungen oder Schmerzen wieder aufflammen zu lassen. In diesem Fall dürften Zweifel hinsichtlich der Übeltäter wohl ausgeräumt sein.

frida, am 14.10.2012
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