Friedrich der Große und das Potsdamer Stadtschloss

1740 bestieg Friedrich II. den preußischen Thron. Der junge König mied das Berliner Stadtschloss. Er entwickelte mit Wenzeslaus von Knobelsdorff Pläne für eine neue Residenz in Berlin. Davon entstand zunächst nur die Oper. Ansonsten konnten die hochtrabenden Pläne nicht realisiert werden. Dafür ließ Friedrich das Schloss Charlottenburg erweitern und residierte zeitweise dort. Es entstand der heute als Knobelsdorff-Flügel bezeichnete Teil des Schlosses. Dann konzentrierte sich das Interesse des Monarchen auf Potsdam.

Friedrichs Vater, der Soldatenkönig, hatte den Garnisonsstandort Potsdam ausgebaut. Das Stadtschloss behandelte er eher stiefmütterlich und ließ einen großen Teil des Inventars verkaufen. Aus dem Lustgarten ließ er einen Exerzierplatz machen. Friedrich II. beauftragte dann 1744 Wenzeslaus von Knobelsdorff mit der Erweiterung und barocken Umgestaltung des Potsdamer Stadtschlosses. 1751 waren die Arbeiten abgeschlossen und ein Hauptwerk des friderizianischen Rokoko entstanden.

Das weitere Schicksal des Potsdamer Stadtschlosses

Nach dem Tod von Friedrich dem Großen 1786 wurde das Potsdamer Stadtschloss nur noch als Nebenresidenz oder von nahen Verwandten des preußischen Herrschers genutzt. Schon 1910 wurde im Schloss ein Museum eröffnet. Nach dem Ende der Monarchie zogen das Arbeitsamt und die Stadtverwaltung in das Schloss. Künstler, Biographen und der Potsdamer Kunstverein konnten Räume im Schloss nutzen. 1922 zog das Garnisonsmuseum ein.

Kurz vor Kriegsende 1945 wurde Potsdam zum Ziel mehrerer schwerer Luftangriffe werden sollte. Dabei brannte das Stadtschloss bis auf die Außenmauern nieder. Die kostbare Innenausstattung ging durch den Brand weitgehend verloren. Auch die Fassade des Schlosses hatte schwere Schäden erlitten. Sprengbomben hatten den Westflügel erheblich und das Fortunaportal weitgehend zerstört. Die restlichen Fassaden blieben hingegen bis in Höhe des Dachgesimses erhalten.

1960 kam das endgültige Ende des Stadtschlosses. Nach Sprengungen wurden die Reste abgetragen. Erst kurz vor der Wende begann auf dem Gelände der Neubau eines Theaters. Der wurde nach der Wende gestoppt und wieder abgerissen.

Nach der Wende

An der Stelle des Stadtschlosses gab es nun eine Grünfläche. Nach vielem hin und her fiel am 20. Mai 2005 die Entscheidung für einen Neubau des Landtages in den Um- und Aufrissen des historischen Potsdamer Stadtschlosses. Doch weitere Jahre des Streits um diesen Bau folgten. 2010 begannen schließlich die Bauarbeiten.

Eine Bürgerinitiative setzte sich für die Wiederherstellung einer historischen Fassade am neuen Landtag ein. Hasso Plattner, der Mitbegründer der Softwareschmiede SAP, spendete dafür 20 Millionen Euro. Bei der Rekonstruktion der Fassade wurden auch rund 600 Fragmente der Originalsubstanz wieder eingebaut. Darunter die fast vollständig erhaltenen Marktfassaden des westlichen und östlichen Seitenflügels sowie das historische Treppenhauses im Südflügel. Von den 76 Attikaskulpturen blieben 17 erhalten. Von weiteren 18 Skulpturen gibt es Fragmente. Plattner spendet weiter eine erhebliche Summe dafür, dass das Dach mit Kupfer gedeckt wurde.

Die historische Fassade gibt es nur nach Außen. Im Inneren wurde der Baukörper zum Innerhof hin vergrößert. Denn sonst wäre der Raumbedarf des Landtages mit seinen 150 Abgeordneten nicht zu decken gewesen. Hier sind die Fassaden modern gestaltet.

Blick auf das Stadtschloss von der Langen Brücke (Bild: haros)

Literatur

  • Hans-Joachim Giersberg: Das Potsdamer Stadtschloss; Nicolai Berlin 1998, ISBN 978-3-9101-9601-8

Tipp

Vor der offiziellen Einweihung und der ersten regulären Plenarsitzung können die Brandenburger einen Blick hinter die historische Fassade zu werfen und das moderne Landtagsgebäude werfen. Am Wochenende der offenen Tür am 18. und 19. Januar 2014 öffnet das Landesparlament seine Pforten und empfängt alle interessierten Besucherinnen und Besucher.

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