Infektion durch Vaginalverkehr

Nicht nur bei homosexuellen Männern ist das Risiko der HIV-Übertragung groß. Auch Vaginal-Verkehr kann für beide Partner infektiös sein. Dabei besteht für die Frau sogar ein größeres Risiko, als für den Mann, da die HIV-Konzentration im Sperma deutlich höher ist, als im Vaginalsekret. Nicht selten infizieren sich Frauen nach der Menopause. Auch Analverkehr ist für beide Partner infektiös. Um eine Ansteckung zu vermeiden, sollten infektiöse Körperflüssigkeiten nicht auf Schleimhäute oder in die Blutbahn gelangen. Beim Geschlechtsverkehr muss daher entsprechend verhütet werden.

HIV in lesbischen Beziehungen

Beziehungen zwischen Frauen können nicht grundsätzlich als HIV-freie Zone angesehen werden. Auch hier besteht das Risiko einer Infektion. Zwar ist das Ansteckungsrisiko geringer, als beim Verkehr mit einem männlichen Sexualpartner. Dennoch kann beispielsweise über das Scheidensekret oder die Menstruationsblutung eine Ansteckung erfolgen. Das betrifft natürlich auch andere sexuell übertragbare Krankheiten.

Infektion durch Vergewaltigung

Auch bei einer sexuellen Vergewaltigung besteht die Möglichkeit, dass das Opfer mit HIV infiziert wird. Zusätzlich zur psychischen Beratung ist dann im Hinblick auf mögliche körperliche Folgen der Vergewaltigung auch eine medizinische Beratung und Versorgung unerlässlich. Gegebenenfalls besteht die Möglichkeit, innerhalb von 24 bis 72 Stunden mit einer medikamentösen PEP-Therapie (Post-Expositions-Prophylaxe) zu beginnen.

Gynäkologische Probleme

Für Frauen mit HIV ist es unerlässlich, sich regelmäßig gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen zu unterziehen. Aufgrund des geschwächten Immunsystems treten gynäkologische Probleme wie Scheiden-Infektionen häufiger auf. Zudem kann der Verlauf bei HIV-Patientinnen komplizierter sein und die Infektion ist mitunter schwerer zu behandeln. Vor allem die entzündliche Beckenerkrankung (PID), die zum Beispiel durch Chlamydien oder Tuberkulose-Bakterien ausgelöst wird, stellt für HIV-infizierte Frauen eine nicht ungefährliche Erkrankung dar. PID geht häufig einher mit Unterleibsschmerzen, vaginalem Ausfluss und außergewöhnlichen Blutungen, Krämpfen beim Sex, Müdigkeit sowie Fieber und Erbrechen. Das Wissen um die HIV-Erkrankung der Patientin ist für den Gynäkologen unerlässlich im Hinblick auf Diagnose und Behandlung.

Kinderwunsch trotz HIV

Eigene Kinder auf die Welt zu bringen, scheint für Frauen mit HIV auf den ersten Blick unmöglich. Ist die Mutter HIV-positiv, besteht ein hohes Infektionsrisiko während der Schwangerschaft wie auch später beim Stillen. Dennoch sind in Europa weniger als 20 Prozent der Kinder von Müttern mit HIV selbst Träger des Virus. Denn unter bestimmten Voraussetzungen lässt sich das Risiko einer Übertragung auf das Baby auf weit unter 10 Prozent senken.

Allerdings kann sich die HIV-Erkrankung auf die Empfängnisfähigkeit der Frau auswirken, da das Virus mitunter den weiblichen Hormonhaushalt beeinflusst und so die Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann. Zudem tritt bei HIV-positiven Frauen die Menopause, also das Ende der Empfängnisfähigkeit, mitunter früher ein als bei anderen Frauen. In diesem Fall kann eine Hormonersatztherapie sinnvoll sein.

Schwangerschaft und Geburt

Wenn dank entsprechender Therapie die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt und fachkundige Betreuung und Kontrolle durch Spezialisten gewährleistet sind, muss der Kinderwunsch auch für Frauen mit HIV nicht unerfüllt bleiben. Wichtig ist, dass die Schwangerschaft von Seiten der Eltern und des Arztes gut vorbereitet wird. Ist das Immunsystem der Frau beispielsweise derart angegriffen, dass vorbeugende Medikamente gegen mögliche, mit der HIV-Erkrankung in Verbindung stehende, Infektionen genommen werden müssen, ist von einer Schwangerschaft abzuraten. Sind dagegen beide Eltern in guter und stabiler gesundheitlicher Verfassung, ist gegen eine Schwangerschaft kaum etwas einzuwenden. Durch das Verabreichen zusätzlicher Medikamente sowie das Durchführen eines Kaiserschnitts vor Einsetzen der Wehen lässt sich das Risiko der HIV-Übertragung auf das Kind gering halten. Der Frauenarzt oder die lokale Aidshilfe helfen, rechtzeitig ein geeignetes Krankenhaus zu finden.Weitere Informationen zur Aidshilfe finden Sie hier.

Online-Infos für HIV-positive Frauen

Fundierte Informationen zum Thema HIV, die sich gezielt an betroffene Frauen richten, sind im Internet nach wie vor eher rar gesät. Neben dem bundesweiten Zusammenschluss "Netzwerk Frauen und Aids" bietet beispielsweise auch die Website my-micromacro.net umfassendes Wissen rund um das Thema Frauen und HIV: Fachärztin Dr. Katja Römer beantwortet individuelle Fragen zu den Themen "HIV und Frauen" sowie "Schwangerschaft". Denn auch wenn es oft so scheint: HIV ist nicht nur Männersache!

 

© Titelbild: maheshmedindia, Flickr

 

Autor seit 3 Jahren
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