Bei Senioren beliebt: Nordic ...

Bei Senioren beliebt: Nordic Walking in Parkanlagen (Bild: Thomas Kunz (Sachsen)/pixelio.de)

Hält Nordic Walking, was die Sportartikelhersteller versprechen?

Nordic Walking wurde und wird allerorts als wenig verletzungsanfällige Outdoor-Sportart gerühmt. Besonders älteren Menschen wird die Anschaffung der Zauberstöcke als die Gelenke schonende Fitnessmaßnahme wärmstens empfohlen. Doch Skepsis ist angebracht. In der Vergangenheit wurden immer wieder Zweifel laut, ob das nordische Gehvergnügen die Rumpf- und Beinmuskulatur tatsächlich mehr stärkt als ein konventioneller Spaziergang. In einer Studie konnte gar nachgewiesen werden, dass Nordic Walking - trotz anders lautender Behauptungen der Sportartikellobby - die Knie- und Fußgelenke größeren Belastungen aussetzt und weder den Kreislauf noch die Sauerstoffaufnahme in besonderer Weise befördert. Werden die Sticks dann auch noch ohne jegliche Kenntnis der anzuwenden Technik und ohne Rücksicht auf die physiologischen Bewegungsabläufe eingesetzt, steigt das Risiko für Überlastungen und Verletzungen. Immerhin beherrscht lediglich nur jeder zehnte (!) Nordic Walker die korrekte Technik seiner Stöcke. Alle anderen halten das, was sie tun, für gesund.

 

Nordic Walking – ein von den Krankenkassen bezuschusstes Placebo?

Deshalb ist es erstaunlich, dass sich die Krankenkassen im Fall von Nordic Walking vergleichsweise spendabel zeigen. Für Nordic Walking-Kurse, für Nordic Walking-Gehseminare und für Nordic Walking-Urlaubsangebote wird tief in die Taschen der Beitragszahler gegriffen. Wen wundert es da noch, dass die Zubehörindustrie ständig auf Wachstumskurs segelt und nicht müde wird, die gesundheitlichen Vorzüge ihrer Produkte in den blumigsten Farben auszumalen.

Kritiker sehen deshalb im Nordic Walking lediglich einen von den Zubehörherstellern genial eingefädelten Marketingfeldzug, einen künstlich ausgelösten Megatrend, um nach schneearmen Wintern den Produktionsüberschuss an Skistöcken an den gesundheitsbewussten Mann respektive an die Frau zu bringen. Ein weiterer Kritikpunkt: die überwiegende Mehrzahl der Nordic Walker beherrsche die nordische Lauftechnik nicht und gäbe sich lediglich einer trügerischen Illusion hin.

Wer nun immer noch glaubt, in sein körperliches Wohlbefinden etliche hundert Euro für modische Laufschuhe, Markenleggins und Stöcke aus schockabsorbierender Karbonfaser investieren zu müssen, der sollte sich zuvor in einschlägigen Testzeitschriften über all die heimtückischen Kontaktgifte und Allergene informieren, die das Material vieler edler Sportartikel kontaminieren.

 

Quellen:

  • Kathrin Zinkant: "Schluss mit Nordic Walking"; ZEIT Wissen Nr.4 (2008)
  • Kleindienst FI, Michel KJ, Stief F, Wedel F, Campe S, Krabbe B: Vergleich der Gelenkbelastung der unteren Extremitäten zwischen den Bewegungsformen Nordic Walking, Walking und Laufen mittels Inverser Dynamik. DEUTSCHE ZEITSCHRIFT FÜR SPORTMEDIZIN, Jahrgang 58, Nr. 4 (2007)
  • Dirk Beppler: "Nordic Walking belastet Gelenke". SWR Odysso 16.02.2006
  • Iris Hellmuth: "Wer steckt hinter Nordic Walking?"; STERN.de Ausgabe 20/2006
  • Mommert-Jauch P: Nordic Walking – Kritische nachgefragt. Walking spezial 1 (2004)

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

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