Deutsche Rentner pilgerten nach Vernate

Die Menschen in dem rund 350 Einwohner zählenden Dorf Vernate haben an diesem Leben kaum Anteil genommen. Mit leichter Verwunderung, auch mit nachsichtigem Lächeln registrierten sie, dass in den Tagen, seit der Tod des Schauspielers bekannt geworden war, immer wieder vor allem ältere Deutsche – Rentner, die im Tessin überwintern – vorbeigeschaut hatten in der Hoffnung, einen Blick auf die "Fischerburg" werfen können, in der O. W. exakt die Hälfte seines Lebens verbracht hat. Aber alle neugierigen Blicke waren verstellt, schon zu Lebzeiten.

Die "Fischerburg", ein Ort der Depression

Die Einfahrt verschloss immer ein vier Meter hohes, hässlich blau gestrichenes Tor, bestückt mit eisernen Spitzen. Gleich zwei Schilder an den Mauerpfosten neben der eingebauten Sprechanlage warnten vor bissigen Hunden. Zum Tal, zum Dorf hin, wehrte eine hohe Mauer jeden Neugierigen ab. Und nach oben, hangaufwärts, durchzog ein Zaun den das Terrain umgebenden dichten Buchenwald. Der großzügige Park um die "Fischerburg" mit seinem dichten Baumbestand war wohl schon seit langen Jahren dem Wildwuchs preisgegeben. Im Leben wie im Tod war es für O. W. Fischer ein Ort der Einsamkeit – und der Depression in einer der schönsten europäischen Landschaften südlich des Gotthard. So sind dann auch allmählich die neugierigen deutschen Rentner ausgeblieben, frei nach Schillers Wort zur Vergänglichkeit der Schauspielkunst: "Dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze".

Fischer lebte nur für und mit seinen Katzen

"Ich konnte seine Entfremdung von unserem Beruf, von seinen Freunden, von der Welt nie verstehen", sagte der Schauspielerkollege und alte Freund Maximilian Schell, als er seinerzeit von Fischers Tod erfuhr. So ist es wohl auch den Nachbarn in den schönen Villen am Hang ergangen. Der frühere Schauspieler, den kaum einer zu Gesicht bekam, galt hier als Eigenbrödler, als skurriler Einsiedler, der nur für seine und mit seinen Katzen lebte. Und in philosophischen Anwandlungen an das baldige Ende der Welt glaubte.

Zum Schluss der Film "Auferstehung in Lugano"

Immerhin rechnet man es ihm im Tessin hoch an, dass der geborene Österreicher zum Abschluss seiner Filmkarriere seiner zweiten Heimat die Ehre gab: Mit dem Film "Auferstehung in Lugano" (1986) und der TV-Kurzgeschichte "Herbst in Lugano" (1987). Allerdings war dies, bei Lichte besehen, ein bescheidenes Ende einer großen Karriere gewesen. Filme in einer Spannweite von "Ludwig II" bis "Helden" faszinierten das Publikum – und die Kritik. Liselotte Pulver, Maria Schell, Senta Berger oder Winnie Markus brillierten mit ihm auf der Leinwand, er war Burgschauspieler, gewann fünfmal den Bambi, wurde mit dem Filmband in Gold und dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik ausgezeichnet und 1970 sogar vom österreichischen Bundespräsidenten zum Professor ernannt.

Fischer und eine Spur von Überheblichkeit

Aber etliche, die ihm zeitweise näher kommen durften, sagten häufig, noch im hohen Alter habe er sich mit einem Hauch von mokanter Süffisanz umgeben. Seine weit schweifenden Gesten und der prononcierte Sprachduktus hätten immer wieder jene Spur von Überheblichkeit verraten, mit der er im Leben Erfolge angezogen und Misserfolge weggesteckt habe. Dabei wirkte der Herr mit dem langen weißen Bart unnahbar, ja geheimnisvoll; Bescheidenheit zählte nie zu seinen Tugenden. So vereinsamte er.

Fischer hinterließ, Villa und Park eingerechnet, ein Vermögen von rund zwölf Millionen Euro. Die Hälfte soll den Tierheimen im Raum Lugano zugute gekommen sein, die andere Hälfte der Theologischen Fakultät der Universität Lugano.

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