Langobarden, Franken – und Tessiner

Dieses Kleinod am oberen Ende des Luganer Sees, den sie Ceresio nennen, hat seine Wurzeln schon im 7. Jahrhundert zur Zeit der Langobarden, es geriet im 9. Jahrhundert in den Herrschaftsbereich der Franken. Ab dem 11. und 12. Jahrhundert wurde es eine richtige Festung. Die wurde allerdings nach 300 Jahren, im 16. Jahrhundert, geschleift. Neue politische Ordnung und Entwicklung in der Region war der Grund. Die Konförderation Helvetia hatte sich nämlich gebildet, sie hatte sich das Tessin einverleibt, und sie duldete diese Festung nicht länger; sie wurde zerstört. Aber mit ihren Steinen, auf ihren Grundmauern, wurde ein – zumeist - friedfertiges Dorf gebaut, das bis heute existiert. Die Ausrichtung der Häuser im Halbkreis lässt noch immer die Strukturen der ehemaligen Verteidigungsmauern erkennen; auch die beiden Straßenzüge im Dorf – es sind in Wahrheit nicht mehr als schmale Gassen – unterstreichen den alten Festungscharakter.

Im Mittelalter Fluchtort der Catari

Den machten sich im Mittelalter so genannte Ketzer zunutze. Denn Castello wurde Fluchtort der Catari, der Katharer, die von der römischen Kirche verfolgt wurden. Die Anhänger dieser christlichen Glaubensbewegung, ursprünglich in Südfrankreich zu Hause, nannten sich "veri cristiani" (wahre Christen). Sie wurden im Zuge der Inquisition als Häretiker verfolgt – und vernichtet. Zur Zeit der Reformation stand die ganze Gegend, das heutige Valsolda, unter dem Einfluß der Protestanten aus der Schweiz, die hier Fuß gefasst hatten.

Der Geburtsort des Malers Paolo Pagani

Mit Basaren und Schänken, Gauklern und Kriegern in klirrender Rüstung, Händlern und Buhlschaften, erzählen nunmehr die Einwohner von Castello in ihren mittelalterlichen Kostümen am vorletzten September-Wochenende ihre eigene Geschichte. Und wer darüber hinaus farbenprächtig Historie nachverfolgen will, hat zudem künstlerische Erlebnisse besonderer Art. Denn in den Deckengewölben der Kirche San Martino hat der in Castello 1655 geborene Maler Paolo Pagani die Geschichte seines Geburtsortes verewigt. Pagani, der fast Zeit seines Lebens in der Lagunenstadt Venedig gelebt und gewirkt, der mit seiner dynamischen Darstellung des bewegten nackten Körpers die in Traditionen erstarrte venezianische Malerei regelrecht aufgemischt hat, er war gleichwohl immer wieder auch in Castello zu Hause. Hier haben sie ihm ein kleines Museum gewidmet, das gern auch von deutschen Feriengästen besucht wird. Denn Kunstfreunde kennen beispielsweise seine Darstellung der Heiligen Magdalena in der Gemäldegalerie zu Dresden.

 

 

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